Großbrand im Schwarzwald Das jähe Ende einer Kamelfarm im Schwarzwald

Ralf Recklies, 31.01.2013 19:32 Uhr

Ebhausen - In zwei Stunden ist mein ganzes Lebenswerk zerstört worden.“ Wilhelm Breitling kämpft mit den Tränen. Er steht vor den Trümmern der wohl größten Kamelfarm in Deutschland, sie liegt in Ebhausen bei Calw. Der 74-Jährige blickt auf ein verbranntes Gebäude. 86 seiner 91 Dromedare und Trampeltiere, die hier seit mehr als zehn Jahren lebten, sind während der Nacht in der Feuerhölle verbrannt. „Ich bin mit den ersten Einsatzkräften der Feuerwehr am Hof eingetroffen“, erzählt der unter Schock stehende Landwirt und Kamelliebhaber mit leiser Stimme. „Da hat im Stall kein Tierle mehr gelebt.“

Nur fünf Kamele konnte er retten. Sie standen in einem überdachten Vorbau, haben teilweise Verbrennungen davongetragen. „Ich hoffe, dass sie sich von den Verletzungen wieder erholen“, sagt Breitling, der schon seit 1987 Kamele züchtet.

Am Donnerstag um 2.13 Uhr war der Brand auf der Kamelfarm entdeckt worden, eine Viertelstunde später waren die ersten Einsatzkräfte vor Ort. „Das Gebäude stand da schon im Vollbrand“, sagt der Calwer Kreisbrandmeister Hans-Georg Heide. Da sei nichts mehr zu retten gewesen. Auf rund 1,5 bis zwei Millionen Euro belaufe sich der Schaden. Vom Wert der in der Feuersbrunst zu Tode gekommenen Tiere, die noch unter dem Brandschutt liegen, spricht er nicht. „Es wird wohl drei bis vier Tage dauern, bis das Feuer komplett gelöscht ist“, schätzt Heide. Das Gebäude ist in sich zusammengestürzt. Zwei Bagger tragen am späten Vormittag nach und nach die Überreste ab. Dabei flackern immer wieder Flammen auf. Über dem Gelände und dem nur wenige Hundert Meter entfernten Schwarzwalddorf Rotfelden liegt noch immer ein beißender Brandgeruch. Auch der Rauch ist weithin zu sehen, wenn der Wind über die Höhenlage fegt.

Ein Lebenstraum ist zerstört

Volker Schuler, der Bürgermeister der Gemeinde Ebhausen, zeigt sich bestürzt. Bereits in der Nacht hat er sich ein Bild von dem verheerenden Feuer gemacht. „Da ist ein Lebenstraum in Flammen aufgegangen“, sagt er. Bei aller Sorge ist er aber auch froh, dass es nicht an einem Öffnungstag mit großem Besucherandrang zu einem solchen Unglück gekommen ist. An solch ein Szenario mag er nicht denken, angesichts der Größe des Gebäudes.

Die Kamelfarm war äußerst beliebt und eine Attraktion in der Gegend – jährlich kamen bis zu 30 000 Besucher, es gab Reittouren durch den Nordschwarzwald. Nicht nur Kinder auch Politiker schauten vorbei. Einer der wichtigsten Unterstützer der Anlage ist Hans-Joachim Fuchtel, der Parlamentarische Staatssekretär und Unionspolitiker aus Altensteig ist den hochgewachsenen Tieren verfallen. Auf seine Initiative hin fand 1997 ein erstes Kamelrennen mit den im Schwarzwald lebenden Tieren des Kamelvereins Fata Morgana auf der Rennbahn Hoppegarten bei Berlin statt. Auf Fuchtels Vermittlung hin waren 2000 bei der Eröffnung der Weltausstellung Expo in Hannover Kamele dabei. Ziemlich ungewöhnliche Botschafter aus dem Südwesten Deutschlands.

Aus Altersgründen sollte der Hof verkauft werden

Die Zukunft des Kamelhofes war seit einiger Zeit ungeklärt. Der Betreiber Wilhelm Breitling suchte aus Altersgründen einen Nachfolger für sein Lebensprojekt. Er wollte das Anwesen samt den Tieren verkaufen. „Ich hatte bereits nächste Woche wieder ein Gespräch mit einem Interessenten vereinbart“, sagt er. Wie es nun weitergeht? Das wisse er wirklich nicht, beteuert der Landwirt und muss sich erst einmal sortieren. Er selbst, da ist er sicher, werde die Farm aber nicht wieder aufbauen können. Dazu fehle ihm die Kraft.

Die Kriminalpolizei hat in der Nacht die Ermittlungen aufgenommen. Polizeisprecher Winfried König gibt sich zurückhaltend, mit schnellen Ergebnissen sei wohl kaum zu rechnen. „Das ist die sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen“, sagt der Calwer Polizeisprecher zur Arbeit der Beamten. Nichts spreche allerdings für eine Brandstiftung – „es wird aber in alle Richtungen ermittelt“.

Vor Ort mit dabei sind die Brandermittler des Landeskriminalamts Stuttgart. Die Spezialisten sind mit dem Hubschrauber aus Stuttgart eingeflogen. Sie sondieren das Gelände und machen Aufnahmen aus der Luft. Bevor die Beamten aber mit ihrer eingehenden Ermittlungsarbeit beginnen können, muss das Feuer aber komplett gelöscht sein. Und das kann noch dauern.