Gründerzentrum auf dem Vaihinger Uni-Campus 400 Start-ups in 16 Jahren

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Akademiker mit einer guten Geschäftsidee werden am Technologiezentrum der Uni unterstützt. Geballtes Knowhow ist schließlich vorhanden.

An der Nobelstraße 15 sind derzeit rund 30 Hightech-Unternehmen  beheimatet. die noch in den Kinderschuhen stecken. Foto: Rüdiger Ott
An der Nobelstraße 15 sind derzeit rund 30 Hightech-Unternehmen beheimatet. die noch in den Kinderschuhen stecken. Foto: Rüdiger Ott

Vaihingen - Man kann sich ja durchaus mal verlaufen. In einem Büroturm etwa, oder einem Autohaus auf der Suche nach seinem neuen Fahrzeug. Ein Blick auf den Bildschirm des Smartphones hilft. Der mobile Helfer, der längst mehr als nur ein Telefon ist, zeigt die exakte Position im Gebäude an, auf ein bis zwei Meter genau, und weist den Weg zum Ziel. So zumindest stellt sich das ein Vaihinger Start-up-Unternehmen vor. Um einen Prototypen zu entwerfen, konnte es sogar den Automobilbauer mit dem Stern gewinnen.

Das Besondere daran: die Entwickler von Roomaps sind eine Ausgründung der Universität Stuttgart. Auf dem Vaihinger Campus ballt sich mit den Fraunhofer- und Max-Planck-Instituten, der Hochschule der Medien, dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum und anderen Einrichtungen so viel Knowhow, dass immer wieder Studenten oder Doktoranden auf die Idee kommen, ihre Forschung in eine Firma zu überführen und sich selbstständig zu machen. Dann schauen sie im Büro von Edith Schmitt vorbei. Sie arbeitet bei der Technologie Transfer Initiative, kurz TTI, das im Technologiezentrum beheimatet ist. Das ist der korrekte Titel. Salopp könnte man es auch Gründerzentrum nennen.

Akademiker mit einer Geschäftsidee sind willkommen

„Wir sind von der Uni beauftragt, uns um die Existenzgründer zu kümmern“, sagt Schmitt. „Jeder, der eine Idee hat, kann zu uns kommen. Und wir unterstützen ihn auf dem Weg zur Selbstständigkeit.“ Seit das Zentrum vor 16 Jahren entstanden ist, wurden mehr als 1100 Menschen beraten und mehr als 400 Unternehmen gegründet. Einzige Voraussetzung: die Geschäftsidee muss etwas mit dem Hochschulbetrieb zu tun haben, weshalb die Jungunternehmer auch allesamt auf die eine oder andere Weise der Hightech-Branche zugeordnet werden können. Einen T-Shirt-Einzelhändler jedenfalls wird man an der Nobelstraße 15 vergeblich suchen.

Stattdessen findet man Akademiker, die die Entwicklungszeit von Werkzeugmaschinen dadurch verkürzen wollen, dass sie am Computer fertige Module zusammensetzen, statt alles neu zu entwerfen. Zehnmal schneller kommen die Auftraggeber so an ihr Ziel, wirbt Meshparts.

Ein anderes Start-up, bestehend aus Sporttherapeuten, stellt vollautomatisch individuelle Trainingsprogramme zusammen. Einfach Alter und Geschlecht eintippen, Gelenkschmerzen in Schulter und Ellenbogen eingeben, und schon spuckt der Rechner geeignete Übungen aus. Klar, ein Mediziner kann die auch wie jeher aufschreiben, aber dank Mawendo geht’s halt schneller.

Ohne einen Businessplan läuft gar nichts

Und da wären noch die Jungunternehmer, die kleinsten Beben im Untergrund nachspüren und so beim Auffinden geeigneter Geothermiestandorte helfen. Wahlweise kann die Technik von Seismic Solutions auch fürs Fracking benutzt werden oder für die Suche von Erdgasspeichern im Felsgestein.

Ohne einen Businessplan sind die wenigsten erfolgreich. In dem steht, welches Produkt verkauft werden soll, was die anfänglichen Investitionskosten und wie hoch die monatlichen Ausgaben sind und wann mit den ersten Einnahmen zu rechnen ist. Ohne einen solchen Businessplan gibt einem keine Bank einen Starterkredit. Und genau dabei hilft die TTI. „Wir helfen aber auch beim Beantragen von Fördermitteln“, sagt Schmitt. Die Akademiker können aus mehreren Gründertöpfen des Landes, des Bundes und der EU schöpfen.

Wer sich nicht sicher ist, ob er gleich eine GmbH gründen will, was ja einiges an Geld kostet, „kann unter unser Dach schlüpfen“, sagt Schmitt. Die Akademiker werden dann als Projektleiter bei der TTI angestellt und arbeiten selbstständig, ohne rechtlich gesehen tatsächlich selbstständig zu sein. Bundesweit ist das einmalig.

Die Miete im Technologiezentrum ist günstig

„Derzeit haben wir an die 30 Firmen im Technologiezentrum“, sagt Schmitt. In dem dreigeschossigen Gebäude gleich neben dem Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart werden sie durch Schilder am Eingang ausgezeichnet. Manches Start-up benötigt nur ein kleines Büro, andere Unternehmen belegen gleich ein halbes Stockwerk. Wenn sie auf eigenen Beinen stehen können, ziehen sie aus. Die Miete ist unschlagbar günstig. Und wer als besonders förderwürdig erachtet wird, muss sogar nur die Nebenkosten bezahlen.

Einige Vaihinger Unternehmen sind diesem Stadium längst entwachsen. Compositence etwa ist sehr erfolgreich beim vollautomatisierten Herstellen von Carbonteilen. Pinion ist all jenen ein Begriff, die ihr Fahrrad mit einem edlen Getriebe versehen wollen. Und Synapticon ist ein aufstrebendes Unternehmen im Bereich der Robotertechnik.

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