Homosexualität im Schulunterricht Parteien verbünden sich gegen umstrittene Online-Petition

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Exklusiv Die drei Stuttgarter Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir, Stefan Kaufmann und Ute Vogt haben einen parteiübergreifenden Aufruf gegen die umstrittene Online-Petition „Zukunft-Verantwortung-Lernen“ organisiert.

Tolerantes Baden-Württemberg: Die Wappentiere des Landes, Hirsch und Greif, auf dem Stuttgarter Neuen Schloss am Tag vor dem Christopher-Street-Day im Jahr 2013 Foto: dpa
Tolerantes Baden-Württemberg: Die Wappentiere des Landes, Hirsch und Greif, auf dem Stuttgarter Neuen Schloss am Tag vor dem Christopher-Street-Day im Jahr 2013Foto: dpa

Stuttgart - Die drei Stuttgarter Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir (Grüne), Stefan Kaufmann (CDU) und Ute Vogt (SPD) haben einen parteiübergreifenden Aufruf von baden-württembergischen Parlamentariern gegen die umstrittene Online-Petition „Zukunft-Verantwortung-Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ organisiert. Sie hätten „kein Verständnis für den Inhalt und Geist der Petition“, schreiben die drei Abgeordneten in dem Aufruf, der der Stuttgarter Zeitung vorliegt.

Baden-Württemberg sei ein Land der Vielfalt auf dem Fundament der Grundrechte, heißt es in dem Aufruf, der von mehr als dreißig Bundestagsabgeordneten von CDU, SPD, Grünen und Linkspartei unterzeichnet wurde. Zu Toleranz und Weltoffenheit gehörten „auch die Akzeptanz sexueller Vielfalt und selbstbestimmter Lebensentwürfe“. Obwohl sie unterschiedlichen Fraktionen angehörten und in der Bildungspolitik teilweise unterschiedliche Positionen verträten, seien sie gemeinsam der Ansicht, „dass Erziehung zur Toleranz eine wichtige Aufgabe unserer Bildungseinrichtungen ist. Dazu gehört für uns selbstverständlich auch der tolerante Umgang mit sexueller Vielfalt und unterschiedlichen Lebensentwürfen. Das habe nichts mit ‚pädagogischer, moralischer und ideologischer Umerziehung’ zu tun, wie es in der Online-Petition heißt – sondern mit Menschenrechten und Demokratie.“

Die Diskussion kreist in diesem Fall um die neuen Unterrichtsleitlinien, die ab 2015 an Schulen in Baden-Württemberg gelten sollen und derzeit von Experten im dortigen Kultusministerium erarbeitet werden. Neben auf die jeweiligen Fächer zugeschnittenen Lehrplänen soll der Bildungsplan auch übergreifende Überlegungen zu Zielen und Grundlinien des Unterrichts enthalten und dabei die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ besonders berücksichtigen.

Kritiker unter anderem aus christlichen Kreisen werfen den Verantwortlichen vor, auf diesem Wege auch eine neue Sexualmoral etablieren zu wollen, die weit über einen toleranten Umgang etwa mit Homosexuellen hinausgehe. Die entsprechende Online-Petition mit dem Titel „Zukunft - Verantwortung - Lernen“ haben inzwischen mehr als 125.000 Menschen unterzeichnet. Eine Gegenpetition verzeichnet mehr als 65.000 Unterstützer.

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6 Kommentare Kommentar schreiben

Wo bleibt das BTTIQ?: Die Überschrift ist falsch. Homosexualität bezieht sich auf 2 Buchstaben von LSBTTIQ. B sind Bisexuelle, T Transgender, T Transsexuelle Menschen, I Intersexuelle Menschen und Q Queer. Der Petetent hat sich aber gegen LSBTTIQ gerichtet. Es ist wirklich ärgerlich darauf immer wieder hinweisen zu müssen. Vorallem deswegen, da uneindeutige Genitalien oder Körpermerkmale, die nicht dem eigentlichen Geschlecht entsprechen (Inter- bzw. Transsexualität) kaum weggebetet werden können.

Bildungsplan: Gut so: Einen derartig gestrickten Bildungsplan hätte man schon früher anschieben müssen: Offenheit, Toleranz und das Wissen, das eben nicht alle gleich sind und dass dies auch gut so ist, schadet niemandem. Von einer Beeinflussung oder gar Umerziehung kann man hierbei wahrlich nicht sprechen....

Online Petition: Ist ja nett, wenn 30 Politiker gegen die Petition sind. Fakt ist, dass bereits über 149.000 Menschen diese Petition unterschrieben haben. Sehr schade ist es, dass in allen Medien sehr einseitig gegen diese Petition berichtet wird und die Unterzeichner fast nie zu Wort kommen. Unter neutraler Berichterstattung verstehe ich etwas anderes!

Es haben sich KEINE Parteien verbündet: Die Überschrift ist irreführend. Es haben sich keine Parteien zusammengefunden, sondern lediglich 30 Bundestagsabgeordnete aus allen Parteien – wohlgemerkt: 30 von 631 Parlamentariern. Sie sprechen NICHT für ihre Parteien. ______________ Es spielt auch keine Rolle, was BUNDESTAGSabgeordnete zu diesem Thema sagen, es geht hier um Absichten des LANDES; hier sind also die LANDTAGSabgeordneten gefragt. _____________ Unabhängig davon haben die Eltern das Sagen. Sie stehen mit ihrem Elternrecht ÜBER dem Erziehungsauftrag der Schule. Und das, was die Grünen vorhaben, ist ohnehin nicht verfassungsgemäss. ________________ Wenn Sie schon die Gegenpetition verlinken, sollten Sie dies auch mit der Petition selbst tun, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann: https://www.openpetition.de/petition/online/zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens#sticky

Falsche Überschrift: Die persönliche Meinung von Herrn Kaufmann als Standpunkt der CDU wiederzugeben ist ein Fehlschluss und irreführend. Soviel Verständnis und Sorgfalt muss man vom Redakteur schon verlangen können. Weder hat der Kreisvorstand der CDU sich in dieser Frage positioniert, noch die Partei darüber abgestimmt. Ich, beispielsweise bin stellv. Kreisvorsitzender und habe die Petition unterzeichnet. Ich bin mir auch sicher, dass eine Mehrheit im Kreisverband den Bildungsplan in dieser Form ablehnt. Bei Stefan Kaufmann bin ich mir auch ganz sicher, dass er nur von seinem legitimen, persönlichen Recht der Meinungsäußerung gebraucht gemacht hat und sehr wohl zwischen seiner Meinung und der der Partei zu unterscheiden vermag.

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