Interview mit Christian Lindner „Es geht jetzt um Substanz“

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Exklusiv FDP-Chef Christian Lindner pfeift im StZ-Gespräch seine Vizevorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann zurück. Diese hatte angeregt, einen neuen Namen für die liberale Partei zu suchen.

Lindner nennt SPD-Chef Sigmar Gabriel einen „fiskalischen Weichmacher“ Foto: dpa
Lindner nennt SPD-Chef Sigmar Gabriel einen „fiskalischen Weichmacher“Foto: dpa
Berlin - Der Parteichef pfeift seine Vizechefin zurück. Marie-Agnes Strack-Zimmermann hatte einen neuen Namen für die FDP ins Spiel gebracht. Lindner fordert stattdessen klare liberale Bekenntnisse.
Wieso ist es falsch, über einen neuen Parteinamen nachzudenken?
Die FDP hat zwei Stärken. Erstens die große Marktlücke für liberale Politik in Deutschland und zweitens ihren Traditionsnamen, der auf unsere Geschichte verweist. Diese Geschichte kennt Höhen und Tiefen. Beides wollen wir nicht verstecken. Den Namen FDP geben wir deshalb nicht ab. Aus der Tradition von Theodor Heuss, Hans-Dietrich Genscher, Otto Graf Lambsdorff oder Gerhart Baum wollen wir nicht austreten. Ganz im Gegenteil, Marktwirtschaft plus moderne Gesellschaftspolitik hat mehr denn je Zukunft.
Wenn die Marktlücke groß ist, wieso nutzt ihnen das nicht?
Gegenwärtig wird das Bild der FDP immer noch stärker durch das bestimmt, was war, als durch das, was ist und kommt. Da die Möglichkeiten, öffentlich zu wirken, nach der Bundestagswahl begrenzt sind, müssen wir Geduld aufbringen, um Konturen wieder kenntlich zu machen. Was wir dabei nicht brauchen, ist ein neuer Name. Freie Demokratische Partei – das drückt genau das aus, was wir heute in Deutschland vermissen: Eine Partei für Menschen, die selber denken und selber anpacken wollen.
Wer Prospekte in blau-gelber Färbung liest, wird erinnert an Möwenpick und Gurkentruppe. Ist es nicht Zeit für einen Relaunch?
Es geht jetzt um Substanz und Profil. Mir wurde ja von vielen empfohlen, die FDP müsse irgendwie gefühliger werden. Dem entgegne ich, dass die FDP sicher nicht abgewählt worden ist, weil sie zu liberal gewesen wäre. Im Gegenteil: sie war zum Beispiel zu wenig konsequent marktwirtschaftlich. Wenn Banken vom Steuerzahler aufgefangen werden, ist das ja nicht Marktwirtschaft, sondern die Perversion von Marktwirtschaft. Wenn manche sich Subventionen erschleichen, hat das auch nichts mit Ludwig Erhard zu tun. Richtig verstanden geht es um fairen Wettbewerb und Entlastung für den Mittelstand, um Arbeitsplätze und Aufstiegschancen. Wir werden also den Rufen nach einer verwaschenen Mainstreamprogrammatik ebenso wenig folgen, wie wir der Versuchung erliegen, unseriös und schrill zu agieren. Irgendwann einmal kann man dann auch ein paar Grafiker daran setzen, den Auftritt zu modernisieren. Aber oberflächliche Marketingdiskussionen werden unserer Lage nicht gerecht.