InterviewInterview mit Wolfram Ressel „Wir brauchen neue Kooperationen mit der Wirtschaft“

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Die Universitäten im Land sollen mehr Unternehmertum lehren. Das erwartet Wolfram Ressel, der zum neuen Vorsitzenden der Rektorenkonferenz gewählt worden ist.

Wolfram Ressel ist der neue Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Wolfram Ressel ist der neue Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart Die Rektoren der neun Universitäten haben Wolfram Ressel, den Rektor der Universität Stuttgart zum Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenz (LRK) gewählt. Ressel will die Konkurrenzfähigkeit des Wissenschaftsstandorts Baden-Württemberg steigern.

Herr Ressel, Glückwunsch zu Ihrer Wahl. Was haben Sie sich als Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz vorgenommen?
Das wichtigste Thema wird die Exzellenzinitiative in ihrer dritten Ausschreibung werden. Wir kennen die Rahmenbedingungen nach wie vor nicht. Wir wissen nicht, was mit den Zukunftskonzepten passiert. Und wir würden jetzt gerne loslegen. Wir hoffen, dass wir Ende April die Ausschreibungsbedingungen bekommen.
Was wünschen sich die Universitäten?
Wir würden eine Exzellenzprämie wie sie im Gutachten von Dieter Imboden vorgeschlagen wurde, gerne umgesetzt sehen. (Die Kommission schlägt anstelle der bisherigen Zukunftskonzepte, der Eliteuniversitäten, eine Prämie von je 15 Millionen Euro im Jahr für die zehn besten Universitäten vor, über die diese frei entscheiden könnten). Eine Prämie für die erfolgreiche Einwerbung von Exzellenzclustern wäre eine gute Entwicklung, weil sie auf der Leistung der Universitäten beruht und nicht auf Konzepten, die erst noch umgesetzt werden müssen.
Sie verlangen auch mehr Autonomie?
Wir sollten uns innerhalb eines Rechtsrahmes frei bewegen können. Wir wollen die Möglichkeit bekommen, dass wir zum Beispiel Profilregionen bilden und gemeinschaftlich auftreten können. Wir sollten nicht in die Situation geraten, dass wir uns jeden einzelnen Schritt vom Land absegnen lassen müssen.
Mit dem Land haben die Hochschulen im Jahr 2015 einen Finanzierungsvertrag über sechs Jahre geschlossen. Was erwarten die Universitäten künftig von der Regierung?
Im Moment laufen die Vereinbarungen problemlos. An den Universitäten funktioniert die Umwandlung von Programmmitteln in feste Stellen weitgehend. Wir wünschen uns, dass die Dynamik der vergangenen Jahre in der Wissenschafts- und Forschungspolitik erhalten bleibt.
Es ist vorgesehen, die Mittelvergabe später an Leistungs- und Qualitätskriterien zu koppeln. Was halten Sie von dem Plan?
Die Arbeitsgruppe ist noch nicht installiert. Wir wehren uns nicht gegen Leistungskriterien, aber wir brauchen verlässliche und vergleichbare Parameter. Es ist schwierig, große und kleine, technische und Voll-Universitäten zu vergleichen. Es muss auch möglich werden, dass man sich innerhalb der Parameter verbessern kann. Ein Bewertungssystem zu finden, das allen gerecht wird, ist sehr schwierig.
Aber Sie verschließen sich der Idee nicht?
Nein. Wir erkennen an, dass eine Universität gewisse Leistungen für eine Gesellschaft erfüllen muss. Wir müssen uns dem kritischen Blick stellen. Wir brauchen uns da auch nicht zu verstecken.
Was ist aktuell die größte Herausforderung für sie als LRK-Vorsitzender?
Wir wollen als Universitäten weiterhin geschlossen unsere Belange gegenüber der Politik durchsetzen. Ein besonderes Thema wird sein, dass das Gutachten zu den Ingenieurwissenschaften nun umgesetzt wird. Wir brauchen neue Kooperationsstrukturen mit der Wirtschaft. Auch müssen wir den Technologietransfer weiter entwickeln. Dafür werde ich mich gerne einsetzen. Da haben wir in Baden-Württemberg Nachholbedarf. Die Universitäten werden Anschubfinanzierungen und Rahmenbedingungen brauchen.
Wie können die Rahmenbedingungen verbessert werden, wie viel Geld brauchen Sie?
Wir sind noch lange nicht so weit, dass wir wissen, wie viel das kostet. Aber das Thema Unternehmertum, Gründung und Entrepreneurship in der Lehre ist an den Universitäten eine Thema für die Zukunft. Da müssen wir mehr tun. Der zweite Komplex ist die Unterstützung von Gründungen durch die Universitäten. Es geht darum, start ups baulich unterzubringen und sie auf dem Weg in den Markt zu begleiten. Wir könnten Mentoren etablieren und unsere Unterstützungsprogramme verbessern.
Da sind Sie als Rektor einer eher technisch ausgerichteten Universität ganz weit vorne. Wie stellen sich Ihre Kollegen der traditionellen Volluniversitäten dazu?
Die sind auch dabei. An den Volluniversitäten gibt es zum Beispiel die Medizin, die ist in dem Bereich Gründungen ein sehr wichtiger Bereich.
Was ist mit der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und externen Forschungsinstituten?
Das gehört mit dazu. Wir sollten näher mit der Wirtschaft zusammen wachsen. Das Thema Industry on Campus wird uns künftig stärker beschäftigen. Es geht um die Frage, wie wir gemeinschaftlich wichtige Themen angehen können.