KommentarKommentar zum Milaneo Eine neue Dimension

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Allein wegen seiner schieren Größe ist das Einkaufszentrum Milaneo ein Sonderfall für Stuttgart. Ein Kommentar von StZ-Redakteur Sven Hahn.

Riesige Ausmaße: das Milaneo. In der Bilderstrecke stellen wir das Einkaufszentrum   näher vor. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 24 Bilder
Riesige Ausmaße: das Milaneo. In der Bilderstrecke stellen wir das Einkaufszentrum näher vor.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Dimensionen beeindrucken. Schon die bekannten Kennziffern des Milaneo sind imposant. Doch mehr noch versetzt einen beim ersten Besuch die Wucht der drei Gebäude in Erstaunen, die die Stadtbibliothek nebenan fast klein und verloren wirken lassen. Diese schiere Wucht fasziniert nicht nur; sie setzt auch Zeichen. Beispielsweise jenes, dass sich zwischen Hauptbahnhof und Pragfriedhof ein Projekt entwickelt hat, das in Zeiten des fortschreitenden Onlinehandels auf den stationären Verkauf von Produkten setzt. Oder dass Stuttgart offensichtlich so attraktiv ist, dass sich große neue Marken hier ansiedeln wollen.

Doch aus seiner monumentalen Größe heraus erwachsen dem Projekt auch grundlegende Probleme. Damit das größte Einkaufszentrum im Südwesten funktioniert, müssen wahre Menschenmassen ins Milaneo strömen. An einem guten Tag sollen bis zu 120 000 Kunden in die Mall drängen. Das sind doppelt so viele Besucher, wie Menschen in einer restlos ausverkauften Mercedes-Benz-Arena Platz finden. Solche Massen generieren zusätzlichen Verkehr. Doch die Wolfram- und die Heilbronner Straße sind bereits staugeplagte Problemstellen. Bis zu 41 Prozent mehr Autos, wie es ein Gutachten der Stadt vorhersagt, kommen totalem Stillstand wohl nahe.

Das zweite Problem könnte der Mietermix werden. Um möglichst viele Menschen in das Center zu locken, setzt das Milaneo auf Frequenzbringer wie Primark. Die ­umstrittene irische Modekette wird ein junges Publikum anlocken, das an extrem billiger Mode interessiert ist. Ob davon die anderen Mieter im Center profitieren können, die wesentlich höhere Mieten bezahlen und daher für das Center ebenfalls wichtig sind, ist zumindest fraglich. Hochpreisige Anbieter, die das Milaneo ebenfalls zu bieten hat, dürften mit der Klientel von Primark zumindest zu kämpfen haben.

Doch eines ist klar: eben wegen seiner Größe ist das Milaneo viel zu wichtig für die Stadt, als dass ein Misserfolg wünschenswert sein könnte. Probleme im Betrieb lassen sich lösen, ein Scheitern und dessen Folgen wären für den Handelsstandort Stuttgart aber fatal.

15 Kommentare Kommentar schreiben

Neutron: Ein geladenes Teilchen welches sich am Wühltisch mit allen Produkten positiv lädt hat noch lange nicht die Summe !

Nur mal zum Überlegen....: Hier ein Zitat aus einem Beitrag von Prof. Jonannes Novy anlässlich der Eröffnung der "Mall of Berlin": "Urbanität erschöpft sich nicht im Konsum. Urbanität entsteht durch Mischung, durch Möglichkeiten der Aneignung, durch kulturelle, räumliche und soziale Kollision. Zu diesen Eigenschaften städtischen Lebens wissen großflächige Einkaufszentren fast nie etwas beizutragen. Im Gegenteil: Sie nehmen ihnen nicht nur den Raum, sich zu entfalten, sondern verzerren und pervertieren sie. All dies ist bekannt und durch sozialwissenschaftliche Studien hinreichend belegt, die zeigen, wie Städte von Einkaufszentren beschädigt werden. Diese Studien stellen nicht in Abrede, dass Einkaufszentren punktuell wirtschaftliche Impulse zu setzen vermögen. Sie zeigen aber auch, dass die Monotonie standardisierter Konsum- und Erlebniswelten solche Städte zunehmend ihrer Besonderheiten beraubt – und damit mittel- und langfristig auch möglicher Standortvorteile."

Ich meine Sie schon verstanden zu haben!: Sie sollten sich allerdings dann schon präziser ausdrücken. Es gibt in Stuttgart, selbst in der Innenstadt, so viele gemütliche Ecken, an denen man es sich wohl gehen lassen kann. Anscheinend kennen Sie diese nicht. Im Bereich untere Königstraße gab es das nach dem Ende der großen Kellerwirtschaften leider nicht mehr. Das waren noch Zeiten, als Kneipen mit mehr als 1000 Plätzen unter der Königstraße gab. Vielleicht sollten Sie mal in Richtung Calver Str./Alter Postplatz gehen, oder rund um den Hans-im-Glück-Brunnen oder ins Bohnenviertel oder in den Westen oder den Osten gehen. Stuttgart ist so lebendig, dass alle etwas finden können. Ich bin im Moment froh, dass mein Stammrestaurant zugesperrt hat. Jetzt jabe ich mal wieder Restaurants besucht, die ich von früher kannte und die sogar teilweise besser geworden sind. Alles hat eben zwei Seiten.

@Hr. Kopp: Sie haben nicht verstanden, wie ich das meinte... aber ist auch egal ---- Ich gebe Ihnen völlig Recht, dass diese Ecke von Stuttgart noch nie gemütlich und nett war und es auch nie sein wird. Dafür sorgt schon auf der einen Seite die B27 und auf der anderen Seite der Beton.

@Andreas Schmitt, 12:15 Uhr: Irgendwie kann ich Ihrer Argumentation nicht folgen. Wo bitte gab es früher im Bereich Milaneo, Stadtbibliothek oder Gerber gemütliche Ecken? Irgendwie müssen Sie zu einer Zeit in Stuttgart gelebt haben, an die sich niemand mehr erinnern kann. Aber Hauptsache, man hat mal wieder gemeckert.

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