Stuttgart - Für die Anhänger der Schmetterlingstheorie, nach der ein einziger Flügelschlag irgendwo auf der Erde einen Hurrikan auslösen kann, ist die Stuttgarter S-Bahn ein vorzeigbares Beispiel. Schon geringfügige Störungen reichen mittlerweile aus, um das wichtigste Nahverkehrsmittel in der Region im Berufsverkehr völlig aus dem Takt zu bringen. Um Fahrpläne durcheinanderzuwirbeln, genügen zu Anfang schon ein paar auf der als Netz-Nadelöhr geltenden Stamm­strecke verlorene Sekunden. Die schaukeln sich nach und nach zu immer größeren Verspätungen auf. Vor allem, seit sich die Bahn auf dem Hauptbahnhof auch noch drei Zugunfälle geleistet hat und deshalb ein Gleis ganz gesperrt werden musste.

Deshalb gelten nun „sehr sensible Fahrpläne“, unter denen viele der täglich mehr als 330 000 S-Bahn-Benutzer massiv zu leiden haben. Noch nie waren S-Bahnen in Stuttgart so unpünktlich wie heute. Das Rückgrat des Nahverkehrs leidet – um im Bild zu bleiben – unter massiven Bandscheibenvorfällen. Dabei gilt die S-Bahn-Tunnelstrecke seit Langem als Engpass. Bereits in den 90er Jahren wurde an eine zweite Röhre gedacht. Wegen der hohen Kosten und mit dem Hinweis auf das Jahrhundertprojekt Stuttgart 21 wurden solche Ideen aber stets rasch verworfen.

Haltezeiten verkürzen

Nun ist es allerhöchste Eisenbahn, sich zu überlegen, wie die S-Bahn wieder flott und zukunftsfähig zu machen ist. Dabei geht es zunächst gar nicht um mehr Tunnel oder bessere elektronische Steuerungs­systeme. Für den Anfang würde es ausreichen, sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wie die Haltezeiten an stark frequentierten Stationen zu verkürzen sind. Etwa dank zusätzlicher, außen liegender Bahnsteige könnte links aus- und rechts eingestiegen werden. Auf angeblich viele Probleme lösende Jahrhundertprojekte darf nicht mehr gewartet werden. Dafür ist der Patient S- Bahn längst viel zu instabil.