Leinfelden-Echterdingen Die kleine Partei hat in wenig Zeit Großes vor

Von Claudia Barner 

Sie haben genug von Lobbyismus, der Sicherung von Pfründen, vorgestanzten Statements und leeren Versprechungen. Deshalb haben sie die neue Partei „Demokratie in Bewegung“ gegründet. Für die Bundestagswahl müssen sich die Neulinge sputen...

Bei der Sitzung des Landesverbandes der Partei Demokratie in Bewegung ging es zunächst um Grundsätzliches und später um Konkretes. Foto: Claudia Barner
Bei der Sitzung des Landesverbandes der Partei Demokratie in Bewegung ging es zunächst um Grundsätzliches und später um Konkretes. Foto: Claudia Barner

Leinfelden - Die Mitgliederzahl ist überschaubar. Für die Sitzung des Landesverbandes genügt der Treff Impuls am Neuen Markt. 13 Männer und Frauen entwickeln bei Brezeln und Hefezopf ihr Wahlprogramm und ihre Taktik für die Bundestagswahl 2017. Gestatten: Wir sind die Neuen. Demokratie in Bewegung (DiB) heißt die kleine Partei, die Großes vor und dafür wenig Zeit hat. Zu jenen, die bis zum Wahltag am 24. September aufs Tempo drücken, gehören Sabine Onayli und Sigrid Ott aus Leinfelden-Echterdingen. Die Stadträtin Onayli (L.E. Bürger) teilt sich den Vorsitz des Landesvorstands mit Jörg Rupp aus Karlsruhe. Sigrid Ott führt die Landesliste als Spitzenkandidatin an.

So sieht demokratische Basisarbeit aus. In der Gaststätte nebenan wummern die Bässe. Es ist der letzte Sonntag im Juli. Eine Familie feiert. Draußen flanieren Spaziergänger. Ihr Blick fällt kurz durch das Fenster. Mehr Interesse gibt es zunächst nicht für die Polit-Neulinge. „Wir haben den Landesverband Mitte Mai gegründet und fangen gerade erst an. Bisher waren wir vor allem damit beschäftigt, die erforderlichen Unterschriften für die Zulassung zur Bundestagswahl zu sammeln“, sagt Sabine Onayli. Seit Freitag steht fest: Es hat gereicht. Die DiB steht auf dem Stimmzettel.

Einen Tag Zeit für Wahlprogramm und Strategien

Jetzt müssen das Wahlprogramm entwickelt und die Strategien ausgetüftelt werden. Einen Tag hat sich die Landesgruppe dafür Zeit genommen. Zur Unterstützung ist die Bundesschatzmeisterin Melanie Matthes angereist. Sie klopft die Vorschläge auf die Grundwerte der Partei hin ab. „Wir wollen sicherstellen, dass Politik wieder mehr von den Bürgern gemacht wird und nicht von Berufspolitikern, die über Jahrzehnte an ihren Posten kleben.“

Rund um den Tisch gibt es zustimmendes Kopfnicken. Von Lobbyismus, der Sicherung von Pfründen, vorgestanzten Statements und leeren Versprechungen hat man genug. „In den vergangenen 20 bis 30 Jahren hat es niemanden interessiert, was der normale Bürger will“, schildert Renate Brandenburg-Trunschel ihre Empfindungen. Ihr Nebensitzer Dieter Goldschalt sieht das ähnlich: „Anders als die etablierten Parteien geben wir die Themen nicht vor. Wir bewegen die Bürger, und die Bürger bewegen uns.“

Wie das funktionieren soll, lässt sich am Tischende bei Sabine Onayli beobachten. Der Laptop ist ihr wichtigstes Utensil. Er sichert die Verbindung zu den Bürgern im Land, die – egal ob Parteimitglied oder nicht – die Politik der DiB gestalten sollen. „Wir bieten ein offenes Forum, bei dem jeder mitmachen kann“, erklärt die Landesvorsitzende.

Der Traum vom Kratzen an der Fünf-Prozent-Hürde

Auf dem virtuellen Marktplatz wird diskutiert, was den Menschen wichtig ist. Finden sich genügend Unterstützer, wird die Initiative ins Programm eingebaut. Der IT-Consultant Guido Drehsen gehört zu den 25 Moderatoren der Partei, die die Plattform im Blick behalten und auf Seriosität und respektvollen Umgang achten. „Wir sehen relativ schnell, wenn etwas aus dem Ruder läuft und greifen ein.“

Sigrid Ott und Sabine Onayli sind von der basisdemokratischen Arbeit via Internet begeistert. „Man kommt schnell ins Gespräch“, sagt die Spitzenkandidatin. Onayli schätzt an der digitalen Schiene andere Aspekte. „Es ist unkompliziert und zeitsparend. Für mich war das neu. Ich habe in den vergangenen Monaten viel gelernt. Inzwischen finde ich den Austausch über die offenen Online-Portale genial.“

Ob er auch zum gewünschten Erfolg am Wahlabend führt, bleibt abzuwarten. „Wir träumen natürlich davon, an der Fünf-Prozent-Hürde zu kratzen“, sagt Jörg Rupp. Andere sind skeptischer. Für Sabine Onayli und Sigrid Ott zeigt der Daumen in jedem Fall nach oben. Ihr Motto lautet: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Sie sind sich einig: Was sie in der kurzen Zeit auf die Beine gestellt hätten, sei enorm. Gefeiert wird deshalb auf jeden Fall. Den Schlusspunkt des kleinen Wahlparteitags in Leinfelden setzt deshalb eine Rundmail an die Mitglieder: Das nächste Treffen gibt es am Wahltag mit Familien und Freunden in Karlsruhe. Bis dahin bleibt man online in Kontakt.