Wilhelma, Fernsehturm und Schduagarder Schwäbisch Woran man erkennt, dass Stuttgart Heimat ist

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Stuttgart ist Heimat für über 600 000 Einwohner. Kessellage, Weinberge und das Stuttgarter Schwäbisch machen die Stadt einzigartig. Doch wann wird sie tatsächlich zum Zuhause?

Ein Lichtermeer: Der Blick auf Stuttgart in der Dämmerung. Foto: dpa
Ein Lichtermeer: Der Blick auf Stuttgart in der Dämmerung. Foto: dpa

Stuttgart - Heimat – das bedeutet ein Gefühl des Geborgenseins, der Vertrautheit, des Zuhauseseins. Neben den gebürtigen Stuttgartern leben Menschen aus zig Nationen in der Landeshauptstadt – insgesamt sind es über 600 000 Einwohner. Doch wie fühlt es sich an, hier seine Heimat (gefunden) zu haben? Ein Erklärungsversuch in zehn Punkten:

Aussichtsreich

Die Stadt liegt dem Betrachter aufgrund ihrer Topografie an vielen Stellen zu Füßen. Wer sich von den Hängen aus dem Stadtzentrum nähert, wird mit traumhaften Ausblicken belohnt – zum Beispiel auf der für ihre Staus berüchtigten Neuen Weinsteige. Der Anblick der vielen Lichter, die nachts den Kessel erhellen, löst im Stuttgarter Begeisterung aus: So schön ist sein Zuhause.

Berühmte Stadtkinder

Tüftler und Denker, Politiker und Schauspieler, Sportler und Musiker: Die Stadt hat viele berühmte Köpfe hervorgebracht. Wann immer ein Stuttgarter oder eine Stuttgarterin in der großen weiten Welt Erfolg hat, freuen sich die Kesselbewohner mit – und sind, natürlich schwäbisch bescheiden, heimlich ein bisschen stolz.

Hass-Liebe

Ja, man steht oft im Stau hier. Ja, diese Stadt hat Berühmtheit durch eine Baustelle erlangt. Ja, am Neckartor ist die Luft nicht die beste. Aber wenn Stuttgart wirklich Heimat ist, dann liebt man den Kessel einfach trotzdem – so wie man auch die Ecken und Kanten des Partners mit einer gewissen Liebe betrachtet. Zumindest dann, wenn sie einen gerade nicht akut nerven...

Kleine Fluchten

Bei aller Kesselliebe: Hin und wieder will auch der Stuttgarter mal raus aus der Stadt. Dafür ist Stuttgart ideal gelegen: Zur Schwäbischen Alb oder dem Bodensee ist es nicht weit, wenn man es erstmal aus dem Stauchaos herausgeschafft hat. Und danach freut man sich nur umso mehr auf das Nachhausekommen.

Sauber und ordentlich

Leere Flaschen, Verpackungen und anderer Unrat fallen dem Stuttgarter in anderen Städten sofort auf, wenn sie irgendwo die Landschaft vermüllen – denn im Gegensatz zur Stuttgarter Luft sind Wege und Straßen meistens nahezu perfekt sauber. Das liegt natürlich auch an der berühmt-berüchtigten Kehrwoche, gepaart mit schwäbischer Gründlichkeit.

Schduagarder Schwäbisch

Am Ende des Urlaubs ins Flugzeug nach Stuttgart steigen und endlich wieder vertraute Worte hören – da stellt sich schon das Heimatgefühl ein. Den einen oder anderen Neigschmeckten dürfte das Stuttgarter Schwäbisch zwar wohl schon in den Wahnsinn getrieben haben, doch verglichen mit anderen Regionen Württembergs fällt der Dialekt in der Landeshauptstadt eher moderat aus.

Schwäbische Genüsse

Linsen und Spätzle, Maultaschen, Gaisburger Marsch oder Brezeln sind für den Stuttgarter mehr als nur Nahrungsmittel: Sie sind ein Stück zu Hause – Liebe, die durch den Magen geht. Und sie schmecken nirgendwo so gut wie hier.

Umgeben von Reben

Weinberge mitten in der Stadt – das gibt es wohl in keiner anderen Großstadt. Im Besen oder auf dem Stuttgarter Weindorf ein Viertele zu schlotzen bedeutet echtes Stuttgarter Heimatgefühl und schwäbische Gemütlichkeit.

Die Wilhelma

Andere Kinder gehen in den Zoo, kleine (und große) Stuttgarter gehen in die Wilhelma um dort Elefanten, Eisbären und neuerdings auch wieder Löwen zu bestaunen. Dass man zu dem zoologisch-botanischen Garten auch Zoo sagen könnte, kommt kaum einem Stuttgarter in den Sinn.

Das Wahrzeichen

Egal, ob man mit dem Flugzeug in der Landeshauptstadt landet, in den Hauptbahnhof einfährt oder über die Autobahn kommt – irgendwann taucht der Fernsehturm am Horizont auf. Und mit ihm dieses behagliche Gefühl, bald am Ziel angekommen zu sein: zu Hause in Stuttgart.

Das Stuttgart-Manifest – eine Liebeserklärung an die Besonderheiten der Stadt liefert Geheimtipp Stuttgart im Video:

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Mir sind es: einfach viel zu viele Baustellen. Manches ist ja gelungen, z.B. das Dorotheen-Quartier oder das Gerber. Bei der mit Abstand größten Baustelle, die sich von Feuerbach über den Talkessel bis nach Cannstatt und auf die Fildern zieht (S21) muss man sich allerdings schon die Frage stellen, wozu das gut sein soll. Bei einer Modernisierung des Hauptbahnhofs wären die Bahnreisenden schneller unterwegs als mit S21, wenn man ehrlicherweise alle Bahnstrecken in der Region berücksichtigt und nicht nur die üblichen verdächtigen (Ulm, Flughafen) herauspickt. Leider wurde das entsprechende Gutachten in der Schlichtung schlichtweg unterschlagen, weil es nicht in den Kram der S21-Macher passte. Nochmal: Mit S21 geht es langsamer vorwärts als mit einem modernisierten Hauptbahnhof. Zudem wird in den S-Bahn-Verkehr auf den Fildern eingegriffen, statt diesen auszubauen. Wozu also die riesigen Eingriffe in die Stadt? Den notwendigen Wohnungsbau hätte man längst z.B. auf dem heutigen Europaviertel machen können, und kann man noch immer auf dem C-Areal (das von der S21-Bau-Infrastruktur viele Jahre blockiert wird) oder auch in Feuerbach zwischen Schwieberdinger und Heilbronner Straße. Man gewinnt den Eindruck, all dies sollte wegen dem "Segen" durch S21 verschwiegen werden.

Also: ich habe Stuttgart früher mal geliebt, trotz seiner vielen verschönerungswürdigen Ecken und Nachkriegsbauten, die mir schon während meiner Jugendzeit ein Dorn im Auge waren, und die ich als Stadtplaner schon vor 20 Jahren verbessert hätte. Die gibt es heute noch. Dafür hat man ohne Not und Notwendigkeit den innerstädtischen Schlossgarten abgeholzt, das Wahrzeichen Bonatzbau verstümmelt und neben dem Bahnhof seelenlose Beton- und Glasbauten hingeklotzt. Seit "Stuttgart 21" liebe ich diese Stadt nicht mehr, und meide ich dieses Moloch.

Heimat: Ich bin gebürtiger Stuttgarter, ich liebe Stuttgart und Stuttgart ist einfach wunderschön. Das einzige Manko an Stuttgart ist, dass ein "grüner" OB und ein "grüner" Ministerpräsident uns mit Feinstaub und NOx vergiften und sich unter konsequenter Missachtung aller Gesetze und Gerichtsurteile weigern, damit aufzuhören. Aber dafür kann ja Stuttgart an sich nichts.

trotz all dem: Stuttgart ist meine Heimat. Hier bin ich geboren in den Nachkriegsjahren. Eine schwierige Zeit verbunden mit vielen bedrückenden, aber damit auch schönen Erinnerungen. Hier in dieser Stadt bin ich groß und stark geworden. Ich habe viel für und mit Menschen in meiner Heimatstadt getan. Ich lebe mit meiner Familie hier - heimatlich verbunden mit allen Höhen und Tiefen. Heute ist für mich die Überlegung, meine Heimatstadt zu verlassen, weil so vieles zerstört wird - das Herz meiner Heimat liegt offen, verdreckt und zutiefst verletzt vor mir, und es sind böse Kräfte am Werk, die eine Heilung nicht zulassen. All das, was in meiner Kindheit und Jugendzeit in Stuttgart heilig und unantastbar war, ist heute einen Dreck wert und wird von Menschen, die Stuttgart überhaupt nicht kennen, kaltblütig vernichtet. Wenn man bei Dunkelheit vom Haigst auf das Lichtermeer schaut und alles andere ausblenden kann, ja das ist wunderschön! Das Schduagarder Schwäbisch vermisse ich sehr wenn ich unterwegs in der Stadt bin - da freue ich mich dann saumäßig, wenn ich so zwischendurch mal ein schwäbisches Wort höre. Das alles macht mich traurig und wütend - und trotz allem bin ich ein Stuttgarter Kind. Und wenn sich meine Enkelkinder freuen und kaputtlachen, wenn ich stöhne "au mei Knui", dann ist die Welt in Ordnung.

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