Nahverkehr in Stuttgart U12-Stadtbahn-Tunnel: auf den Bundesstraßen wird es eng

Jörg Nauke, 30.01.2013 14:57 Uhr

Stuttgart - Der Technische Ausschuss des Stuttgarter Gemeinderats hat den Baubeschluss für den Abschnitt der Stadtbahnlinie U 12 zwischen Heilbronner und Eckartstraße gefasst. Konkret geht es um zwei Tunnelröhren mit 270 und 360 Meter Länge. Dazu kommen zwei Röhren der „Folgemaßnahme“. Das sind jene rund 500 Meter langen Tunnel, die wegen des unterirdischen Stuttgart-21-Gleisvorfeldes 21 neu gebaut und von der Bahn bezahlt werden.

Vertreter der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) machten Angaben über den Bauablauf, das Umweltamt bestätigte die Unbedenklichkeit der Eingriffe in die Grundgipsschicht, die an dieser Stelle mächtiger ist als gedacht. Der Stadtbahntunnel wird nun 70 Zentimeter unter der Bodenplatte des Fernbahntunnels liegen. Das Umweltministerium teile die Auffassung der städtischen Behörde, hieß es.

Im Juli geht es los

Die Firma Züblin hat von den SSB den Auftrag für den Tunnelbau erhalten. Dessen Anschlag soll im Juli erfolgen. Im Zuge der Baustellenvorbereitung muss der Eingang zur Klettpassage vor der ehemaligen Bahndirektion gesperrt werden. Außerdem wird auf der Stadteinwärtsfahrbahn der B 27 eine offene Baugrube errichtet. Dafür werden Brücken erstellt und die Spuren verschwenkt. Dies erfolgt auch vor dem Geno-Haus und – im Zusammenhang mit der Verlegung der Haltestelle Staatsgalerie – auch jenseits des Bahngeländes auf der B 14 auf Höhe des neuen Innenministeriums.

Der Grünen-Stadtrat Michael Kienzle betrachtet die „außerordentlich lange und aufwendigen Verkehrslenkung“ mit Skepsis. Der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz sagte: „Jedem war klar, dass es zu notwendigen Behinderungen kommen wird.“ Die Zeitschiene – Bauende soll im Mai 2016 sein – sei aber „überschaubar“. Man sehe einem „großen Ziel entgegen“. Die SPD habe „den Eindruck, dass die Verkehrsführung funktionieren wird“, sagte die Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind. Es werde für die Autofahrer eben „ein bisschen unkomfortabler“. Günter Stübel (FDP) zeigte sich erfreut, überhaupt „über die Maßnahmen informiert zu werden“. Die SSB-Pläne seien aber so „komplex, dass ich nicht alles verstanden habe“, sagte der Stadtrat.

U 12 auch ohne S 21

Joachim Fahrion (Freie Wähler) vertrat die Meinung, die U 12 müsse selbst dann gebaut werden, falls S 21 nicht kommen sollte. Das betonte erneut auch der SSB-Technikvorstand Wolfgang Arnold. Nur wenn das Vorhaben komplett von Dürrlewang bis Remseck umgesetzt werde, würde das Projekt finanziell vom Bund unterstützt. Und um in Richtung Bibliothek abzubiegen, bedürfe es des Tunnelneubaus.

Der SSB-Chef sagte vor dem Ausschuss auch, er habe das Eisenbahnbundesamt gebeten, andere Lösungen für den Schutz des Juchtenkäfers im Schlossgarten zu prüfen. Die geschützten Bäume an der Schillerstraße müssten wegen der Trassen von U 9 und  14 gefällt werden. Man habe zwar eine Alternative geprüft, die Raumkurve sei aber zu eng. Die Passagiere würden sich auf dieser Strecke fühlen „wie in einem Fahrgeschäft auf dem Cannstatter Wasen“.

Ein Schildbürgerstreich?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert den Beginn der Bauarbeiten an der Heilbronner Straße „ in Anbetracht der unlösbaren Finanzierungsprobleme bei S 21“. Es wäre ein Schildbürgerstreich, „sollte ein aufwendiges Stadtbahn-Tunnelbauwerk auf Vorrat gebaut werden, das bei einem Aus für Stuttgart 21 nicht mehr benötigt wird“, sagte Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer.

Das Argument, die U 12 müsse wegen den Kurvenradien zwingend durch das neue Europaviertel geführt werden, sei das Eingeständnis, dass versäumt worden sei, einen Plan B zu entwickeln, der eine Ausschleifung aus der jetzigen Strecke zwischen Arnulf-Klett-Platz und Stadtbibliothek ermöglicht hätte. Sollte S 21 nicht kommen, sei eine Aufsiedelung des Bahngeländes nicht möglich. Somit entfalle der Bedarf für eine Stadtbahnerschließung.