Naturschutzbund im Shitstorm Fuchspelz wird Nabu-Chef zum Verhängnis

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Der Landeschef des Naturschutzbundes steht im Internet am Pranger. Er hatte sich zum Tragen von Fuchspelzen geäußert. Dabei sei alles nur ein Missverständnis, beteuert André Baumann.

Der „Friendly fur“, der „freundliche Pelz“  des Berliner Künstlers Foto: dpa
Der „Friendly fur“, der „freundliche Pelz“ des Berliner KünstlersFoto: dpa

Stuttgart - Der Nabu-Landeschef Andre Baumann ist an Widerstand gegen Ideen und Forderungen des Naturschutzbundes gewöhnt, ebenso an Beschimpfungen. Das war bei der Etablierung des Nationalparks so, das ist jetzt so bei der Novellierung des Jagdgesetzes. Doch einen solchen Sturm der Entrüstung haben Baumann und der Nabu-Landesverband noch nicht erlebt. Der Shitstorm tobt im Internet, unter anderem bei Facebook, und auch das Mailpostfach quillt über.

Baumann hatte sich in einem Zeitungsinterview zur Fuchsjagd und zur Verwertung der Pelze erschossener Füchse geäußert. „Wir haben nichts gegen eine Fuchsjagd. Sie macht aber nur einen Sinn, wenn die toten Tiere nicht wie bisher zu 99 Prozent in der Tierkörperbeseitigungsanstalt landen, sondern als Pelze weiterverwendet werden“, zitierten ihn die „Stuttgarter Nachrichten“. Weiter heißt es: Auch Tierschützer müssten akzeptieren, „dass einen Pelz zu tragen nicht verwerflich ist“.

Viele User sind vom Nabu „bitter enttäuscht“

Seitdem ist die Hölle los. Die Kommentare reichen vom harmlosen, aber deutlichen „Mir ist fast das Frühstück im Hals stecken geblieben! Sehr wohl halte ich das Tragen von Pelzen verwerflich!“ über „Fassungsloses Entsetzen“ bis hin zu harten Worten „Wie kann man diese lodengrünen Sadisten noch unterstützen“, „Jagd ist feiger Mord an wehrlosen Tieren“, „Als was outet sich der Mann? Als heimlicher Hobbyjäger? Als verkappter Sadist, den es aufgeilt, Tiere unter größten Schmerzen leiden und sterben zu sehen?“. Etliche sind „bitter enttäuscht“ vom Nabu und kündigen diesem die Unterstützung auf.

Die Ironie dabei – ausgerechnet die Tierschützer prügeln verbal auf die Naturschützer ein, und die vom Nabu sonst oft gescholtenen Jäger applaudieren und fühlen sich endlich verstanden. „Jäger töten nicht aus Jux und Tollerei“, betont der Landesjägermeister Jörg Friedmann und verweist darauf, dass Fuchsjagd „gelebter Artenschutz“ sei.

André Baumann versucht zu retten, was zu retten ist

Das sei alles nur ein Missverständnis, beteuert Andre Baumann jetzt auf der Nabu-Website. Schuld daran sei die verkürzte und aus dem Zusammenhang gerissene Darstellung in der Presse, erklärt Baumann gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Da ist ihm offensichtlich seine allseits bekannte Vorliebe für pointierte Formulierungen zum Verhängnis geworden.

Auf der Nabu-Website versucht nun Baumann auf all die Fragen zu antworten und zu retten, was zu retten ist. „Ich werbe nicht für Pelze und erst recht nicht für eine Fuchsjagd, wie sie momentan betrieben wird. Aber zur Wahrheit gehört auch: Der Nabu ist nicht grundsätzlich gegen die Jagd, sofern eine sinnvolle Nutzung der Tiere stattfindet.“ Er gestehe ein, selbst gerne Wild zu essen. Zum Stichwort „konsumtive Nutzung“ sagt Baumann: „Beim Fuchs muss der Pelz zum Mantel verarbeitet werden. Das ist die Legitimation der Jagd.“ Und der Nabu-Landeschef bleibt trotz des Shitstorms aus dem Tierschutzlager dabei: „Nicht das Tragen eines Fuchspelzes ist verwerflich.“ Verwerflich sei das „massenhafte Totschießen von Füchsen ohne jedwede Nutzung“, das auch dem Tierschutzrecht widerspreche. Dieses erfordere „einen vernünftigen Grund“ für das Töten eines Wirbeltieres. Auch ökologisch sei die Fuchsjagd unsinnig. Dass Bodenbrüter wie Feldlerche oder Kiebitz so selten seien, habe mehr mit dem schwindenden Lebensraum durch die Landwirtschaft als mit dem Räuber Fuchs zu tun, betont Baumann und verweist dieses Argument als Rechtfertigungsgrund der Jäger in den Bereich der Märchen.