SSB-Netzpläne für 2018 in Stuttgart Lokalpolitiker wehren sich gegen Fahrplan

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Vertreter der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) nehmen im Bezirksbeirat Stellung zum neuen Fahrplan, der im Dezember 2017 in Kraft treten soll.

Die U14 fährt ab Dezember aus dem Süden nicht mehr an den Hauptbahnhof. Foto: Archiv
Die U14 fährt ab Dezember aus dem Süden nicht mehr an den Hauptbahnhof. Foto: Archiv

S-Süd - Das Ergebnis der Diskussion war eigentlich vorab klar: „Wir sind klein, unser Herz ist rein und gegen die SSB können wir nichts ausrichten“, fasste Wolfgang Jaworek den Tagesordnungspunkt zum neuen SSB-Fahrplan „Netz 2018“ in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats zusammen. „Jetzt können wir nur noch dumm rummeckern, weil alles schon zementiert ist.“

Am 10. Dezember 2017 tritt der Fahrplan in Kraft. Grund für die Verärgerung ist die wegfallende Verbindung zwischen Staatsgalerie und Hauptbahnhof für circa zwei Jahren aufgrund eines Folgeprojektes von Stuttgart 21.

Eine Linie zum Hauptbahnhof ist organisatorisch nicht möglich

Im Süden fühlt man sich zum einen übergangen, weil die Lokalpolitiker über die SSB-Pläne nicht vorab informiert wurden, zum anderen kritisieren sie die wegfallende Direktverbindung zum Bahnhof. Laut Nils Himmelmann, Prokurist und Leiter des Unternehmensbereichs Betrieb, werden die Linien umgeleitet, die „baubedingt beeinträchtigt“ sind. Konkret betrifft dies die Linien U 14, U 9 und die U 11. Im Süden fährt dann zwar in dieser Zeit eine Ersatzlinie, die U 34, allerdings vom Südheimer Platz über den Rotebühlplatz zum Vogelsang.

Wer vom Süden an den Hauptbahnhof will, muss dort oder am Charlottenplatz umsteigen. Letztere wäre laut Himmelmann gerechnet ab Bihlplatz mit 13 Minuten die schnellste Verbindung. Über den Rotebühlplatz würde die Fahrt 16 Minuten dauern. „Das ist auch der barrierefreieste Umstieg dann“, sagte Himmelmann und betonte, dass sowohl beim Netz 2016 ebenso wie beim normalgültigen Fahrplan davor die Fahrtzeit ab Bihlplatz zum Bahnhof zwölf Minuten betragen habe.

Einige Bezirksbeiräte hatten eingeworfen, die U 34 könnte doch zum Bahnhof fahren. Dies habe man laut Himmelmann aber deshalb nicht gemacht, weil am Bahnhof bereits zwei Linien auf einem Gleis führen. Eine dritte sei viel. An Tagen, an denen zudem die U11 im Einsatz sei, sei dies unmöglich. „Dann müssten wir diese vierte Linie an etwa 120 Tagen herausnehmen“, sagte er. Und ergänzte: „Wir wollen stabile und zuverlässige Netze für unsere Fahrgäste.“ Der Netzplan sei zudem über mehrere Jahre mit verschiedenen Forschungsinstituten entwickelt worden. Die Leistungsfähigkeit habe man mit dem Verkehrswissenschaftlichen Institut der Universität Stuttgart untersucht.

Unzufriedenheit über die Lösung bleibt

Zufrieden stellten die Begründungen Himmelmanns die meisten Bezirksbeiräte nicht. „Wir sind erbost, dass man uns im Süden im Vergleich zum Westen ständig abhängt“, sagte Marion Eisele-Ehmert (SPD). Sie denke an die Umstände die Gehbehinderte und Menschen mit Kinderwagen haben werden. „Wir sind nicht glücklich über die Lösung.“ Roland Petri (CDU) erkannte immerhin an, dass nun „eine gewisse Transparenz“ vorhanden sei. „Wir wissen nun, wie die Entscheidung zustande kam.“ Begeistert über die Lösung war er ebenfalls nicht: „Wie will man denn so die Leute für den ÖPNV begeistern?“ Norbert Retlich (Grüne) war verärgert, weil man den Vertretern der SSB vor drei Jahren in der Anfangsphase der Planungen gesagt habe, man wolle eine umsteigefreie Verbindung zum Hauptbahnhof. „Dann haben wir nichts mehr gehört. Nun ist es so.“

Letztlich stimmten 15 Bezirksbeiräte gegen den Netzfahrplan. Lediglich Ernst-Udo Abzieher (AfD) befürwortete diesen und kritisierte nur das Kommunikationsverhalten der SSB.

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