Stuttgart - Die Preise für Nahverkehrstickets des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) sollen von Anfang 2012 an im Schnitt um 2,9 Prozent steigen. Das haben die Unternehmensgesellschafter SSB, Bahn und die regionalen Busunternehmer vorgeschlagen. Damit liege der VVS in punkto Preisanpassung im Vergleich mit anderen Nahverkehrsverbünden „am unteren Ende“.
Am 28. Juni berät darüber erstmals der SSB-Aufsichtrat, am 12. Juli tagen die Aufsichtsräte des VVS. In beiden Gremien soll auch darüber diskutiert werden, ob das Kurzstreckenticket künftig auch wieder für die S-Bahn gilt. Es soll preislich um 20 Cent auf 1,20 Euro steigen und eine Haltestelle weit gelten. Außerdem seien weitere Verbesserungen beim den Firmentickets und beim Angebot geplant. So gehe im nächsten Jahr die Stadtbahnlinie 15 nach Stammheim in Betrieb, heißt es in der Aufsichtsratsvorlage.
Mehrkosten von 2,4 Prozent
Die Nahverkehrsunternehmen begründen ihre Forderung mit steigenden Kosten. So rechnen die SSB laut den der StZ vorliegenden Unterlagen für die Aufsichtsratssitzung mit Mehrkosten von mindestens 2,4 Prozent. Bei anderen Verkehrsunternehmen liege diese Quote sogar bei 3,3 Prozent, heißt es in der Vorlage. Exakt diese Tariferhöhung war ursprünglich auch von den SSB inoffiziell ins Auge gefasst worden. Aus den Reihen des Gemeinderates wurde der Unternehmensführung allerdings daraufhin unter der Hand deutlich mehr Zurückhaltung empfohlen.
Hinsichtlich des vor allen vom Verband Region Stuttgart (VRS) verlangten neuen Kurzstreckentickets gibt es allerdings noch erheblichen Diskussionsbedarf. Aus Stuttgarter Sicht ist zu hören, dass ein genereller Geltungsbereich für eine Haltestelle zu Verwerfungen bei den Ticketpreisen führen könnte. „Dann könnte man mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof bis zur Haltestelle Nordbahnhof für 1,20 Euro fahren, während die nahezu gleiche Strecke mit der Stadtbahnlinie 15 mindestens zwei Euro kostet“, bemängelt ein sachkundiger Kritiker. Hier müsse stärker zwischen Stadt und Region differenziert oder eine andere Lösung gefunden werden.
Rathaus zurückhaltend
Im Rathaus ist die geplante Tariferhöhung mit Zurückhaltung aufgenommen worden. Grünen Stadtrat Jochen Stopper r kann sich eine Anhebung von 2,5 Prozent vorstellen. Ähnlich äußerten sich auch SPD-Stadtrat Manfred Kanzleiter und Jürgen Sauer von der CDU-Fraktion. Beim Thema Kurzstrecke sei man zu Gesprächen bereit.
Zum 1. Januar hatte der VVS seine Fahrkartenpreise im Schnitt um 2,5 Prozent erhöht. Diese Steigerung lag auf der Linie der vergangenen Jahre: 2010 waren die Ticketpreise vom VVS-Aufsichtsrat durchschnittlich um 2,4 Prozent, 2009 um 3,2 Prozent angehoben worden.
Verbunden mit der Anhebung waren auch neue Angebote. So gelten die Seniorentickets seit Jahresanfang rund um die Uhr ohne Beschränkung – die Sperrzeit vor 9 Uhr wurde ersatzlos gestrichen. Damit will der Verbund den sinkenden Absatz wieder ankurbeln. Denn die Zahl der verkauften Seniorentickets geht seit Jahren beständig zurück, obwohl die Gruppe der Älteren ständig größer wird.


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Citymaut macht VVS günstiger.
Warum überprüft Stuttgart denn eigentlich nicht die Einführung einer Citymaut? Das finanziert Betrieb und Ausbau des VVS, überzeugt Umsteige-Muffel, senkt die Feinstaubwerte und ermutigt die Automobilindustrie, ihre serienreifen Elektroautos auch endlich zu bauen. Die Pläne liegen ja schon seit Jahren in der Schublade. Zeit sie raus zu holen.
@Otmars
Werter Otmars, da haben sie aber ein paar kleine, feine Details zu diesem tollen JobTicket weggelassen, nicht wahr? Zum Beispiel das dieses Ticket ein Angebot der DB Regio NRW ist, also der Bahn, die bei den Ausschreibungen gar nicht zum Zuge kam - angeblich. Weiterhin gilt dieses Angebot nur, wenn _alle_ Mitarbeiter einer Firma dieses Ticket kaufen, ich wiederhole: alle, jeder einzelne, ohne Ausnahme. Sollte das nicht zustande kommen, so zahlen sie z.B. für die 40km von Leverkusen nach Bonn im Jahresabo knapp 188€/Monat. Zum Vergleich: Beim VVS kostet das Jahresabo für die 33km Stuttgart-Backnang 117€/Monat, die 47km Schorndorf-Böblingen 158€/Monat. Aber ja, das Angebot des Verkehrsverbunds Rhein/sieg ist schon um Welten besser.
Steigerung von 2,9%, aber nur im SCHNITT!
Der VVS schwingt mal wieder die Stammkundenfeindliche Steigerungskeule! Die 2,9% sind der Schnitt (wohl über die verkauften Fahrkarten), um den die Fahrkarten teurer werden sollen. Da die Stammkunden mal wieder abgesahnt werden, wird dort (wie schon seit Jahren üblich) die Steigerung deutlich höher ausfallen (die kaufen ja nur jeweils 1 bis 12 Fahrkarten im Jahr). Letztes Jahr waren es bei vielen (Stammkunden-)Tarifen eine Steigerung um mehr als 7%(!!!) und das bei den damaligen Qualitätseinbußen! Nur damit die Gelegenheitsnutzer (wie wohl die meisten in den Entscheidungsriegen von VVS bzw. VRS) billig von A nach B kommen, un somit "mehr" Menschen den ÖPNV nutzen (d.h. mehr Einzelfahrkarten verkauft werden). Aber Stammkunden werden von dieser Preispolitik (auf lange Sicht) verprellt werden!