Projekt "Da Vinci" Breuninger baut am Karlsplatz allein
Achim Wörner / Hildegund Oßwald, 19.10.2011 09:59 Uhr
vorherige Bild 1 von 2 nächste
Das Quartier am Karlsplatz Foto: Manfred Storck
Das Quartier am Karlsplatz Foto: Manfred Storck
Weitere Artikel
zum Thema

Stuttgart - Breuninger wird die geplante Neubebauung am Karlsplatz - anders als bisher geplant - ohne das Land Baden-Württemberg realisieren. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung hat sich das 130 Jahre alte Kaufhausunternehmen am Dienstag mit dem Finanzministerium einvernehmlich darauf verständigt, getrennte Wege zu gehen.

Demnach wird Breuninger das Gelände, auf dem heute das Innenministerium steht, vom Land erwerben und danach bei der Neugestaltung seines Hinterhofs allein Regie führen. Im Gegenzug wird das Land Büroräume in dem geplanten Neubau anmieten. Welche Ministerien genau dort unterkommen sollen, ist dem Vernehmen nach aber noch offen.

Arbeitstitel "Da Vinci"

Wie berichtet, wird seit Monaten um das Projekt gerungen, das einst unter dem Arbeitstitel "Da Vinci" aus der Taufe gehoben worden war. Ursprünglich wollten Land und Breuninger eine gemeinsame Gesellschaft gründen, um das Quartier mit Geschäften, Restaurants, einem Luxushotel und Büros neu zu ordnen.

Nach einem Spitzengespräch von Breuningerchef Willem van Agtmael mit dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) war zuletzt durchgesickert, dass von der neuen grün-roten Landesregierung eine andere Lösung favorisiert wird, die nun auch zum Tragen kommt. Wie zu hören ist, soll in den Kaufverträgen die vor allem von der SPD verlangte Erhaltung des Hotels Silber festgeschrieben werden. Breuninger hat sich in den schwierigen Verhandlungen aber offenbar auch ausbedungen, auch in den Erdgeschosszonen direkt zum Karlsplatz hin Einzelhandel und Gastronomie unterbringen zu können.

Konkrete pläne noch abstimmen

Bereits am Donnerstag soll sich der Finanzausschuss des Landtages grundsätzlich mit der Angelegenheit befassen. Die konkreten städtebaulichen Pläne hingegen muss Breuninger noch mit der Stadt Stuttgart abstimmen, die über die Baugenehmigung entscheidet. Erst dieser Tage hatte Baubürgermeister Matthias Hahn gegenüber der StZ betont, er gehe fest davon aus, dass die Stadt in neue Überlegungen einbezogen werde, sobald diese Gestalt annähmen. "Alles andere wäre ein Kunstfehler", hatte Hahn angesichts des Streits über das Bauvolumen der alten, inzwischen aber überholten Planung gesagt.

Nicht entschieden ist, welche Ministerien am Karlsplatz unterkommen könnten. Sicher ist nur, dass das Innenministerium im Frühjahr seinen Neubau an der Willy-Brandt-Straße beziehen wird. Der Ministerpräsident soll während der geplanten Sanierung der Villa Reitzenstein von Ende 2012 an im Planieflügel des Neuen Schlosses unterkommen. Weitere Mitarbeiter des Staatsministeriums fänden interimsmäßig im vom Land angemieteten Königin-Olga-Bau neben dem Kunstverein Platz.

Kommentare (7)
Anzeigen
OKT
19
Knilchi, 18:48 Uhr

E.B. am Karlsplatz

Aha, was die Schwarzen in Jahren nicht geschafft haben, das geht mit Grün-Rot in Monaten. Eine sinnvolle Einigung unter Berücksichtigung der Gedenkstätte erzielen. Respekt. PS: Am Karlsplatz ist doch bereits heute die Markthalle, das Amadeus, das Café Planie, Breuninger, ums ECk Möck + Apotheke. Da würde ein Breuninger Restaurant und ein paar Schaufensterfronten sicher nicht schaden. Allemal besser als der heutige Zustand.

1
Kommentar bewerten
OKT
19
Goldener Reiter, 13:35 Uhr

@Mika, 10.55 Uhr

Man kann in Stuttgart bauen, so lange es keine Quatschprojekte sind, die wir Steuerzahler bezahlen sollen. Jetzt haben wir endlich eine Regierung im Ländle, die nicht von Profitgeiern gesteuert wird. Deshalb wird auch die Fa. Breuninger kaum noch 50 Jahre mit dem Bau warten bis eventuell in Baden-Württemberg die Grün/Rote Regierung abgewählt wird. Ganz im Gegenteil - nächstes Jahr gibt es sogar einen Grünen Oberbürgermeister in Stuttgart.

0
Kommentar bewerten
OKT
19
Stefan Reisz, 12:21 Uhr

Karlsplatz - Profil zeigen

Der Schritt ist durchaus richtig. Die Zukunft der Innenstadt dem Selbstlauf zu überlassen - und abzuwarten, was denn nun am neuen Bahnhof alles noch passiert - wäre aus Sicht des hochwertigen Einzelhandels völlig verkehrt. Recht hat daher Breuninger-Chef van Agtmael mit seinem Engagement: Der innerstädtische Wandel birgt jetzt mit dem Karlsplatz sogar Chancen für innerstädtische Individualität. Diese Chance aus Sicht des Handels zu verschlafen, wäre langfristig nachteilig. Stuttgarter Lebensgefühl und Kundenfrequenz vermittelt nun mal auch in Zukunft nur eine intakte, attraktive City - egal ob Sommer-Terrasse oder Weihnachtsmarkt. ECE-Center gibt es inzwischen (fast) überall. Deren inhaltliche Bespielung á la Dinosaurier- und Oldtimer-Show dito.

35
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite 1  von  3