S21-Grundwassermanagement Wie viel Grundwasser muss abgepumpt werden?

Von Markus Heffner 

Bei der Erörterung zum Grundwassermanagement bei Stuttgart 21 stehen die Prognosemodelle der Bahn auf dem Prüfstand. Kritiker fürchten Folgen für den Bahnhofsturm.

Die Bahn muss in der Erörterung ihr Grundwassermodell erklären. Foto: Michael Steinert
Die Bahn muss in der Erörterung ihr Grundwassermodell erklären.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Welche Erkenntnisse haben die Hydrogeologen der Bahn dazu bewegt, ihre ursprüngliche Planung zu verwerfen und die Menge an Grundwasser, die beim Bau des Tiefbahnhofs voraussichtlich abgepumpt werden muss, auf 6,8 Millionen Kubikmeter zu verdoppeln? Und wie konnte es zu einer solch eklatanten Fehleinschätzung kommen, auf der immerhin eine genehmigte Planfeststellung basiert? Über diese Fragen ist am vierten Tag der Erörterung im Kongresszentrum der Landesmesse einige Stunden diskutiert worden. Wie bei den anderen strittigen Themen auch, die zuvor auf der Tagesordnung gestanden hatten, gingen die Ansichten darüber auch am Ende des intensiven Schlagabtauschs noch weit auseinander.

Die Sachverständigen der Bahn begründen die Anpassung unter anderem mit dem so genannten Petrus-Faktor, der flexible Grenzwerte beim Abpumpen nötig mache, so der Geologe Theo Westhoff. In Hochwasserzeiten, etwa bedingt durch starken Regen, würde aufgrund der gestiegenen Pegel mehr Grundwasser in die Baugrube nachfließen. Bei Niedrigwasser, vorzugsweise im Herbst, entsprechend weniger. Daher habe man nun monatsweise höhere Maximalmengen beantragt, um auch bei unerwartet hohen Wasserständen die Baugrube trocken pumpen zu können. Über die sieben Jahre hinweg habe man aber Mittelwasserverhältnisse angenommen, so Westhoff: „Wir denken, dass wir damit auskommen.“

Kritiker halten die Modelle für fehlerhaft

Die Sachverständigen des Naturschutzverbandes BUND und andere Projektkritiker werfen der Bahn dagegen vor, nach wie vor falsch zu rechnen, so der Diplom-Physiker Roland Morlock. Die Berechnungen in den Modellen der Bahn-Gutachter seien fehlerhaft und würden fast beliebigen Spielraum für gewünschte Ergebnisse lassen. In Wahrheit habe die Bahn die in solchen Fällen üblichen Höchstwerte als Gesamtmenge über die Bauzeit nur deshalb nicht beantragt, sondern nur berechnete Mittelwerte, so die der Vorwurf des BUND, weil sonst die „irrsinnig hohen Mengen“ nicht von den Behörden genehmigt worden wären. Eine Einschätzung, die von Professor Gerd Wolff vom Umweltamt Stuttgart auf Nachfrage nicht verneint wurde.

Begründet hat die Bahn die beantragte Planänderung auch mit einer teilweise bis zu 50 Mal höheren Durchlässigkeit des Gesteins, als ursprünglich nach ersten Erkundungen angenommen. An der Durchlässigkeit habe sich nichts geändert, erklärte dazu der vom BUND beauftragte Geologe Josef Lueger, der bereits das Grundwasserströmungsmodell der Bahn als „realitätsfern und untauglich“ kritisiert hatte. Die erhöhten Werte seien stattdessen auf eine Anpassung des zuvor falschen Modelausschnitts zurückzuführen. Die Sachverständigen der Bahn wiesen diese Darstellung zurück und begründeten die nötige Planänderung mit einem „Erkenntnisgewinn durch weitere Erkundungsbohrungen im Schlossgarten“.

Der Bahnhofsturm hat bereits lange Risse

Am Donnerstagvormittag war es im Kongresszentrum zuvor vor allem um den Bahnhofsturm und die bereits vielfach diskutierte Frage gegangen, worauf der Bonatzbau gegründet ist: auf Eichenpfählen oder auf Eisenbetonpfeilern. Der Ingenieur und Stuttgart-21-Gegner Hans Heydemann hatte dazu verschiedene historische Fotos und Dokumente vorgeführt, etwa ein Gutachten aus dem Jahr 1998, in dem steht „dass Teile des Bonatzbaus auf Holzpfählen gegründet sind“. Eine erhebliche Gefährdung könne aus einer Grundwasserabsenkung entstehen, heißt es darin, „wenn fäulnisempfindliches Holz in Grundwasserwechselbereiche zu liegen kommt“. Der Turm sei bereits vorgeschädigt und habe lange Risse, die immer größer werden, so Heydemann, der auch davon Fotos vorführte.

Die Bahn ihrerseits verwies auf das „Handbuch für Eisenbetonbau“ von 1922. Bei Gründung des Turms des Hauptbahnhofs, ist darin zu lesen, „wurden 289 Eisenbetonpfähle mit Umschnürungsbewehrung angewendet“. Inoffiziell gehen offenbar aber auch Bahnexperten davon aus, dass der Turm von Beton- und Holzpfählen gestützt wird. Die Erörterung wird am Freitag fortgesetzt.

  Artikel teilen
123 Kommentare Kommentar schreiben

@ Stuttgarter Wutbürger - Hallo mein Freund!: Wo denken Sie hin? Ich das Volk? Sie sind doch auch nicht der Götz von .....? Oder etwa doch? Etwas könnte schon im Blut stecken, denn ein Ansatz wäre ja vorhanden. All deweil da wäre:" Der ganz normale und mündige Bürger und vor allem der "Stuttgarter Bürger" (was sie ganz sicher nicht sind) hat ein umfangreiches Wissen über S 21 und steht nicht so uninformiert da wie sie und plärrt dann rum !" Wann ist man bei Ihnen ein Stuttgarter Bürger? Wenn man CDU Manieren im Blut hat und mit dem Rotwein im Kinderbett gelegen hat? Was nennen Sie mündig? Sind Sie es? Ich bin alles von den o.g. ein ganz normaler, offener, ehrlich und, ja ob sie es glauben oder nicht, typisch schwäbisch sogar, streithammelig. Das muss man aber auch auf der Straße sein. Auf der Straße herrscht eh ein rauer Ton. Und was das Plärra angeht, das tat i scho als Kloiner gern. Sie au? Finde ich echt irre, wie man hier von den Befürwortern massivst angegangen wird. Aber nur zu, ich hab ein breites Kreuz ond an digga Ranza! Wenn´s euch guad tuad, no nur raus mid!

„einfach so“ – Können Sie uns die Wirkungsweise von „Taktzügen“ erklären?: Wie stellen Sie sich z. B. den Einsatz von „Taktzügen“ in der Spitzenstunde 7 vor? Denn vor dieser Spitzenstunde und danach fahren Züge höchstens im Grundtakt. U.A.w.g. --- Oben bleiben!

Bauingenieure im Schwanzus-longus-verteidigungskurs: wer hat den Besseren, den Potenteren, wer kann s, wer nicht...... meine Güte Liebe Reflex-Gegen-Gegner: ist es nicht erschreckend wie ihr euch sozusagen ins eigenen Knie schiesst, vor lauter gegen-sein? ............... Solltet ihr nicht auch im eigenen Interesse (es ist auch wenn ihr die Augen davor verschliesst Euer Geld) wieso eine von Euch (in Repräsentanz die Politik die Verwaltokratie) bestimmte Firma auch nach 20 Jahre Planung so einen Murks abliefert? DAS schadet doch gigantisch den Wirtschaftstandort Deutschland, dem Ingenieurs-standort Deutschland wenn Firmen Murks abliefern... Es müsste also in Eurem Interesse sein, dass die Spitzen-leute "popeligen Anfragen der Bürger" (oder eure deklassierenden Aüsserungen über die Fachleute in der Widerstandsgruppe) mit links beantworten können müssten...... Wer Fragen nicht beantworten kann und rumstottert... hat irgendwo was nicht kapiert.... dat müsstet ihr doch wissen!! In den Unis (vielleicht bei den FHs nicht?) bekommt man dann schlechte Noten, in der Realität wird es schweine teuer...siehe BER, siehe Theater, sie Köln, siehe Siemens, siehe S-Bahn Berlin, siehe fukushima, siehe ......!! ihr kriegt ein IKEA-Auto (muss noch beim Fahren gebaut werden), (bezahlt wird allerdings ein gutes, sicheres, leistungsfähiges Auto), .......... und freut Euch darüber, nur damit ihr die Widerständler ärgern könnt.... schon blöd... Eure Vorhaben-Trägerin-Firma hat mal eben so in den Zwischenzeilen versteckt, dat die unendlich Wasser abpumpen wollen (also quasi den 8.Planänderungsantrag auf einer Erörterung gestellt (da sollte eigentlich alles relativ in Tüchern stecken).....................

@bekien, 10:16 Uhr.......Grund und Boden wird sogar verhökert, ohne dass das Volk Bescheid gesagt bekommt.....: Sind sie das Volk ? Nur weil sie offensichtlich nicht das Gesamtkonzept und Planung von S 21 kannten oder kennen und "nicht bescheid wissen" sollten sie sich nicht für das Volk in ihre Unwissenheit miteinbeziehen . Der ganz normale und mündige Bürger und vor allem der "Stuttgarter Bürger" (was sie ganz sicher nicht sind) hat ein umfangreiches Wissen über S 21 und steht nicht so uninformiert da wie sie und plärrt dann rum !

@Bauingenieur, 12:36 Uhr: Auch ein "Freund" der Ingenieure22. Das Beste bei dieser Selbsthilfegruppe finde ich: Es werden dort u.a. als Ingenieure "Eisenbahner" und "Lokführer" aufgeführt und sie wissen immer noch nicht was Taktzüge sind. Obwohl sowohl "Eisenbahner pro S21" und der "aufmerksame Leser" es zig-mal und auf mehreren Wegen erklärt haben. Unglaublich, oder? Sie stellen eine Behauptung über illegal verlegte Rohre auf, diese Behauptung wird zerpflückt und DANACH geben sie eine große Pressemitteilung über die selbe heraus. Unglaublich, oder? An einer Richtigstellung beider Irrtümer sind sie nicht interessiert.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.