Sperrung der Rheintalbahn Bahn lässt sicherheitshalber Häuser räumen

Die Ursache für das Absacken der Gleise auf der Rheintalbahn ist weiterhin ungeklärt. Die Deutsche Bahn AG hält sich bedeckt, die Untersuchungen laufen unterdessen auf Hochtouren. Gab es eine Panne bei der Vereisung des Kiesbodens?

Gleise mit Wellenschliff: bei Rastatt ist die Rheintalbahn dramatisch abgesackt. Foto: Benedikt Spether
Gleise mit Wellenschliff: bei Rastatt ist die Rheintalbahn dramatisch abgesackt. Foto: Benedikt Spether

Rastatt - Das ganz große Chaos ist am Montag ausgeblieben. Nach der Sperrung der stark befahrenen Rheintalbahn-Strecke, der Verbindung Karlsruhe-Basel, haben sich die Fahrgäste offenbar schnell auf die neue Situation eingestellt. Am neuen Rastatter Tunnel hatte sich am Samstag gegen 11 Uhr bei den Arbeiten der Boden abgesenkt. Die bestehende oberirdische Gleisstrecke dort ist mit Sensoren ausgestattet, die kleinste Veränderungen erfassen können. Reisende müssen für den rund 20 Kilometer langen Abschnitt zwischen Rastatt und Baden-Baden deshalb nun auf Busse umsteigen und mit erheblichen Verzögerungen rechnen.

Der Personenersatzfahrplan laufe bisher einigermaßen stabil, teilte die Bahn mit. Erhebliche Probleme gibt es aber beim Güterverkehr. Für Güterzüge ist auf der international bedeutenden Strecke seit dem Unglück kein Durchkommen mehr, die Bahn musste ein Umleitungskonzept erstellen. Nach derzeitigem Stand soll die Sperrung bis zum 26. August andauern.

Nähere Angaben zur Unglücksursache machte die Bahn auch am Montag nicht. In einer Presseerklärung hieß es lediglich: Die Bahn habe die Schäden gesichtet und erstelle ein Konzept zur schnellstmöglichen Instandsetzung der Strecke. In dem betroffenen Bereich ist das Erdreich zwischen Tunneldecke und Oberfläche teilweise nur fünf Meter stark. Die Bahn hat mit einem Vereisungsverfahren gearbeitet, um in dem lockeren, kiesreichen Boden unterhalb der stark befahrenen Schienenstrecke den neuen insgesamt 4270 Meter langen Tunnel bohren zu können. Dafür wurden etwa 20 Kilometer Bohrgestänge im Untergrund verlegt, durch das Calciumchlorid geleitet wurde. Die durchfließende Sole kühlt den Boden auf minus 35 Grad Celsius und lässt ihn frieren. Dieses Eisfeld ist etwa 200 Meter lang und hat einen Durchmesser von 15 Metern. Durch diesen Eiskern fressen sich von beiden Seiten Tunnelvortriebsmaschinen. Demnächst hätten die Arbeiten an dem Eisfeld abgeschlossen werden sollen.

Vereister Boden soll Tunnelbohrung sicherer machen

Anwohner im Rastatter Stadtteil Niederbühl hatten bereits im vergangenen Herbst über die Lärmbelastung und über Risse an ihren Häusern, die erst nach der Einrichtung der Tunnelbaustelle 2013 aufgetreten seien, geklagt. Eine Bürgerinitiative, die damals gegründet werden sollte, kam aber nie zustande. Die Bahn hatte den Zustand der Häuser im Umfeld der unterirdischen Trasse vor Beginn der Arbeiten dokumentiert und einige Gebäude zudem mit Messgeräten ausgestattet. Auch in der Niederbühler Sporthalle hängen mehrere solche Stationen, die jede Erschütterung festhalten, sagt der Ortsvorsteher Klaus Föry. Roland Diehl von der Interessengemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hochrhein (IG Bohr), die insgesamt etwa 20 000 Mitglieder hat, sieht sich im aktuellen Fall in einer Hinsicht bestätigt: „Das Notfallmanagement der Bahn ist eine Katastrophe“, so Diehl. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte das Krisenmanagement. „Die Bahn hat nicht professionell über den Vorgang informiert“, sagte Karl-Peter Naumann, der Sprecher des Bundesverbandes in Berlin. Noch am Sonntagabend habe es weder im Newsletter für Stammkunden noch in den Informationen zu Bauarbeiten eine Meldung zu der Sperrung gegeben.

Häuser wurden geräumt, eine Brücke gesperrt

Für etwa ein Dutzend Anwohner der Tunnelbaustelle in Niederbühl hat die Absackung bereits zu einem unfreiwilligen Hotelaufenthalt geführt. Die Bahn hat vier Häuser aus Sicherheitsgründen evakuieren lassen. Auch eine Fußgängerbrücke über die Gleise in Niederbühl sei geschlossen worden, sagt Heike Dießelberg, die Sprecherin der Stadt Rastatt. „Die Fahrgäste nehmen das erstaunlich gelassen“, sagte sie. In Rastatt müssen Bahnreisende, die nach Baden-Baden oder Karlsruhe wollen, auf Busse umsteigen. Es herrsche zwar ein „Riesengewusel“, auch die Beschilderung zu den Bushaltestellen sei optimierbar. Von einem Chaos könne aber keine Rede sein.

Allerdings kämen nun die Probleme, die es in Rastatt wegen des nicht-barrierefreien Bahnhofs gebe, „tragisch zum Vorschein“. Viele Bahngäste seien Urlaubsreisende auf dem Weg zum Baden-Airport. Diese müssten nun ihr Gepäck über die Treppen bugsieren. Ende vergangenen Jahres war der 20 Millionen Euro teure Umbau gescheitert, weil der Gemeinderat eine Beteiligung an den Kosten von knapp vier Millionen Euro abgelehnt hatte.

Lage an den Bahnhöfen normalisiert sich

Auch in Baden-Baden hat sich die Lage am Montag normalisiert. Die Reisenden mussten aber Verspätungen in Kauf nehmen. Die Stadt hatte am Samstag einen Krisenstab eingerichtet, weil sich am Baden-Badener Bahnhof binnen kurzer Zeit etwa 1500 Menschen angesammelt hatten.

Die Fahrgäste waren vom Roten Kreuz und der Feuerwehr während der drei Stunden, bis der Schienenersatzverkehr eingerichtet war, betreut worden. Die Stadt hatte in den Hotels nach Ausweichquartieren gesucht, falls jemand hätte übernachten müssen. Von den knapp 3000 Zimmern waren am Wochenende aber nur 35 frei. Deshalb hatte man auch die Einrichtung eines Notquartiers in einer Sporthalle nahe des Bahnhofs vorbereitet. Gebraucht wurde es nicht, wie Stadtsprecher Roland Seiter betonte: „Gott sei dank ist nichts passiert.“