KommentarStuttgart 21 am Flughafen Abwarten auf allen Seiten

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Die sich abzeichnende Verzögerung bei Stuttgart 21 eröffnet die Möglichkeit, sich den Abschnitt des Milliardenprojekts am Flughafen nochmals genauer anzuschauen. Dabei könnte Verkehrsminister Winfried Hermann eine Schlüsselrolle zufallen, kommentiert StZ-Titelautor Christian Milankovic.

Wäre hier Platz für einen Flughafen- und Messebahnhof? Foto: StZ
Wäre hier Platz für einen Flughafen- und Messebahnhof? Foto: StZ

Stuttgart - Am Tag nach dem Bekanntwerden der neuen Gedankenspiele für den Flughafenanschluss an Stuttgart 21 wagt sich kaum einer so recht aus der Deckung. Zum einen liegen die Überlegungen ja auch noch gar nicht offiziell auf dem Tisch. Zum anderen könnte die Angst vor dem Mikado-Effekt umgehen: Wer sich zuerst bewegt, bezahlt. Nur der Verband Region Stuttgart äußert seine Verärgerung offen. Das ist kein Wunder, schließlich war es Regionalpräsident Thomas Bopp, der den mühsam gefundenen Kompromiss am Flughafen ausgehandelt hatte.

Zeitfenster zum Nachdenken

Es geht aber zunächst auch nur darum, sich die Situation am Airport ohne Vorbehalte nochmals anzusehen. Zeitdruck herrscht dabei nicht. Durch den Verzug, den die S-21-Bauarbeiten im Talkessel angesammelt haben, öffnet sich nun ein Zeitfenster, das man zum Nachdenken nutzen kann. Denn niemand kann sich hinstellen und die Dritte-Gleis-Lösung als die allein selig machende Version verkaufen wollen.

Im weiteren Verlauf könnte Landesverkehrsminister Winfried Hermann eine entscheidende Rolle zufallen. Und das gleich in dreierlei Hinsicht. Es wäre blauäugig, dem Grünen als Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft keinen Einfluss auf die Entscheidungsfindung in der Chefetage des Airportbetreibers zu unterstellen. Zudem beherrscht der Politiker Hermann die Sprache des Ex-Politikers und heutigen Bahninfrastrukturvorstands Ronald Pofalla, wenn es an den Verhandlungstisch gehen sollte. Beide kennen sich aus gemeinsamen Tagen im Bundestag – wenn auch aus verschiedenen Fraktionen.

Merklingen als Vorbild?

Und schließlich und endlich reklamiert Hermann zu Recht einen Erfolg bei der Ergänzung des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm für sich. Am Beispiel des Bahnhalts Merklingen, der zunächst nicht in den Planungen enthalten war, hat Hermann gezeigt, welche Dynamik ein Vorhaben entfalten kann, wenn es nur das ministeriale Wohlgefallen genießt. Die Station auf der Schwäbischen Alb könnte in ihrer Konfiguration als Blaupause für den künftigen Halt am Flughafen dienen.