Stuttgart 21 Auch in Ulm drohen neue Zeitrisiken

Die Bahn hat bei der Sitzung des Lenkungskreises der Projektpartner von Stuttgart 21 bestätigt, dass es neue Kosten- und Terminrisiken gibt. Nach Aussage von Bahn-Vorstand Kefer gilt dies vor allem für die Neubaustrecke nach Ulm.

Regionaldirektorin Nicola Schelling, Verkehrsminister Winfried Hermann, Bahn-Vorstand Volker Kefer und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (von links) bewerten nach der Sitzung die jüngste Zusammenkunft des Lenkungskreises zu Stuttgart 21.Am Fasanenhof wird die Tunnelbohrmaschine montiert, im Hauptbahnhof Foto: Achim Zweygarth
Regionaldirektorin Nicola Schelling, Verkehrsminister Winfried Hermann, Bahn-Vorstand Volker Kefer und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (von links) bewerten nach der Sitzung die jüngste Zusammenkunft des Lenkungskreises zu Stuttgart 21.Am Fasanenhof wird die Tunnelbohrmaschine montiert, im HauptbahnhofFoto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Eine Sache hatten die Mitglieder des Lenkungskreises rasch im Griff: die Herren Winfried Hermann und Fritz Kuhn, Verkehrsminister der eine, Oberbürgermeister der andere (und beide bei den Grünen), bemächtigten sich fix der Mikrofone in der Farbe ihrer Partei, für die Regionaldirektorin Nicola Schelling und den Bahn-Vorstand Volker Kefer blieben nur das blaue und das rote. So eindeutig waren die Ergebnisse der Sitzung der S-21-Projektpartner nicht. Bei den meisten Themen vom Brandschutz im geplanten Tiefbahnhof über Kosten- und Zeitplan bis zum Problem mit den Grundstückseigentümern sind weitere Gespräche nötig.

Kosten Das gilt wohl auch für die Kosten von Stuttgart 21. Obwohl der Finanzierungsrahmen von der Bahn erst im vergangenen Jahr von 4,5 auf 6,5 Milliarden Euro angehoben worden war, sprach Verkehrsminister Hermann von „neuen Kosten und Risiken“, über die in der Sitzung berichtet worden sei. Kefer bestätigte einerseits, dass es eine entsprechende Unterlage an den Bahn-Aufsichtsrat gegeben habe, betonte aber auch, dass es sich um geplante Steigerungen handle, also solche, die bereits in den Erhöhungen von vor einem Jahr enthalten seien. Man werde nun aber prüfen, wie sich die Kosten entwickeln im Vergleich zu dem, „was wir erwartet haben“. Dazu würde dem Aufsichtsrat und dem Lenkungskreis ein neues Modell vorgelegt.

Zeitplan Auch für den geplanten Inbetriebnahmetermin im Dezember 2021 gibt es neue Risiken. Bisher bekannt war, dass sich der Filderbereich, für den Kefer den 7. Juli als möglichen Beginn der Erörterungsverhandlung nannte, auf einem „zeitkritischen Pfad“, so der Bahn-Jargon, befindet. Nun bestätigte Kefer, dass dies auch für den Bauabschnitt am Ende der Neubaustrecke nach Ulm, die sogenannte Einschleifungen in der Ulmer Hauptbahnhof, gelte. „Wir haben nun auch auf der Neubaustrecke einen kritischen Pfad“, sagte Kefer. Vor einigen Wochen hatte das S-21-Kommunikationsbüro sich noch darüber gefreut, dass die Tunnelbauarbeiten für die Neubaustrecke deutlich schneller vonstattengingen als geplant – und sogar von einer Fertigstellung der Neubaustrecke ein Jahr früher als geplant gesprochen. Zeitlich kritisch ist nach Angaben der Bahn auch der Abschnitt Albvorlandtunnel bei Kirchheim/Teck, für dessen Bau wie für die Arbeiten im Ulmer Bahnhof und im Filderbereich noch keine Genehmigung vorliegt.

Brandschutz Oberbürgermeister Fritz Kuhn widersprach dem Eindruck, dass es beim Brandschutz für den Tiefbahnhof schon ein zustimmendes Votum der Stadt gebe. Man diskutiere beispielsweise, wie die bis zu 16 000 Menschen über die Treppen die Bahnsteige verlassen könnten. „Da geht es um Materialien, um Auslastung und auch um die Architektur – und in diesem Spannungsfeld ist noch viel zu klären“, sagte Kuhn. Kefer erwartet, dass wichtige Berichte in den nächsten vier Wochen vorliegen, einen Gesamtbericht kündigte er in den nächsten drei Monaten an.

Grundstücksfragen Kefer und Kuhn erklärten, dass es weitere Gespräche darüber geben werde, wie sich die Bahn gegenüber den von den Tunnelarbeiten betroffenen Grundstückseigentümern verhält. Dabei geht es um Entschädigungsleistungen für die Unterfahrungsrechte, aber auch um Haftungsfragen, falls die Gebäude beschädigt werden. „Wir wollen einen fairen Umgang und die Eigentümer gleich behandeln“, betonte Kefer. Kuhn appellierte an die Netzwerke, in denen sich die Eigentümer zusammengeschlossen haben, die Gespräche fortzusetzen, und an die Bahn, eine von allen befürwortete Lösung zu finden. „Wenn hier eine hohe Akzeptanz erzielt wird, ist viel gewonnen“, sagte er. Das Stadtmessungsamt werde sich mit den umstrittenen Fragen nach der Bewertung der Grundstücke beschäftigen.

Die Unterlagen der Bahn zur Sitzung unter
www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de.

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13 KommentareKommentar schreiben

Zusammengefasst: Kosten, Zeitplan, Brandschutz & Grundstückfragen sind offen: Das also war der Lenkungskreis: die Bahn unterrichtet über Risiken, die "Partner" gehen auseinander, alles ist offen bzw. "zeitkritisch", aber weitergebaut wird auch ohne gesicherte Finanzierung oder Sicherheiten wie Brandschutz, Anbindung, Grundwasserentnahme usw. usf. Es ist und bleibt ein Schmierentheater auf Milliardenbasis, das Angela Merkel der deutschen Bauwirtschaft schenkt. Um aber dennoch mit etwas Positivem zu schließen: Forist Paul Peter kann berichten, dass im ansonsten funktionslosen Technikgebäude des Hurra-Fortschritt!-Bahnhofs die Schaltschränke angeliefert wurden. Jubilate!

Bus-Ersatzverkehr: Dass die Idee, einen bestehenden, funktionierenden und zukunftsfähigen Bahnhof um 90° zu drehen, zu vergraben und mit 60 km Tunnelstrecke für Züge erreichbar zu machen, nicht besonders clever war, haben inzwischen viele erkannt und es werden jeden Tag mehr. Immer mehr müssen wir auch erkennen, dass die Ausführenden mit dem Projekt überfordert sind. Es wird scheibchenweise gebaut, die ungenehmigten Lücken und die nicht zu bewältigenden technischen Probleme werden uns bleiben. Was zu bauen nicht möglich ist, wird durch einen Bus-Ersatzverkehr überbrückt. Der Bürger wird das genauso akzeptieren, wie die Übernahme der ins unendliche wachsenden Kosten. Obwohl...eigentlich müsste man dagegen auf die Straße gehen und den Mist abwählen...

Schade schade,...: dass man den Juchenkäfer, die Fledermaus und den Turmfalken nicht instrumentalisieren kann, um solche Zeitplanverschiebungen zu begründen. Aber auch charmant finde ich, dass das Kommunikationsbüro bestimmte Sprechblasen an die Presse weiter gibt, die dann headline-mäßig den Lesern vorgeworfen werden, welche dann hier in den Kommentaren reflexartig mit "Siehste!" reagieren. Wenn sich die Sprech- dann als Seifenblasen herausstellen, muss natürlich die Taktik geändert werden. Dann ist das alles plötzlich "normal".

s21: Nichts ist geklärt. Aber es wird gebaut. Es wird solange gebaut, bis nichts mehr diesen Irrsinn stoppen kann.

Interne Kommunikation bei den Grünen nicht existent: Die Bundestagfraktion hat zum Schluß die alte Bundesregierung mit Verkehrsminister Ramsauer gefragt welche Regeln für den Brandschutz bei S21 gelten. Da kam die Antwort daß 30 und nicht 15% Zuschlag für Umsteiger und Wartende zu zählen sind. Da unterbietet der PfB die geltenden Regeln.

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