Stuttgart 21 Brandschutz bleibt ein heißes Eisen

Von Thomas Braun 

Im April 2014 will die Bahn ihr überarbeitetes Brandschutzkonzept für den Hauptbahnhof zur Genehmigung vorlegen. Die Stuttgarter Feuerwehr hat immer noch Bedenken. Ein Streitpunkt ist der Fildertunnel.

Beim Thema Brandschutz stimmen die Deutsche Bahn und die Stuttgarter Branddirektion nicht überein. Die Geschichte des Projekts Stuttgart 21 dokumentieren wir in unserer Bilderstrecke. Foto: Michael Steinert 35 Bilder
Beim Thema Brandschutz stimmen die Deutsche Bahn und die Stuttgarter Branddirektion nicht überein. Die Geschichte des Projekts Stuttgart 21 dokumentieren wir in unserer Bilderstrecke.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Die Deutsche Bahn und die Stuttgarter Branddirektion stimmen beim geplanten Brandschutzkonzept für den Stuttgart-21-Tiefbahnhof und seine Anschlusstunnels in wesentlichen Punkten nicht überein. Insbesondere bei den Themen Entrauchung, Eigenrettung und Rettung der Passagiere im Brandfall durch die Feuerwehr gibt es nach wie vor erhebliche Differenzen. Zugleich wurde bei der Vorstellung des Zwischenberichts zum Brandschutzkonzept im Technikausschuss am Dienstag aber auch deutlich, dass die Bahn einige Forderungen und Anregungen der Feuerwehr inzwischen übernommen hat.

Der Zeitplan bis zum vorgesehenen Beginn der Bauarbeiten bleibt freilich ehrgeizig: Die Bahn rechnet damit, die offenen Punkte bis zum April 2014 klären zu können und dann vom Eisenbahnbundesamt binnen drei Monaten eine Genehmigung zu erhalten. Erst dann könnte wie angekündigt im Juli 2014 mit dem großflächigen Aushub der Baugrube für die unterirdische Durchgangsstation begonnen werden. Aber auch zuvor seien schon vorbereitende Arbeiten auch für die Gründung möglich, so der Projektabschnittsleiter für den Tiefbahnhof, Gerd Maitschke. Im Januar will die Bahn abschließend darüber informieren, ob sich der Bauzeitenplan einhalten lässt.

Bahn geht inzwischen von doppelt so hoher Brandlast aus

„Es sind noch einige kardinale Fragen offen“, fasste der Stuttgarter Branddirektor Frank Knödler den derzeitigen Stand der Planungen zusammen. Zuvor hatte der Brandschutzbeauftragte der Bahn, Klaus-Jürgen Bieger, den Stadträten die rechtlichen Grundlagen für das Brandschutzkonzept und die gegenüber den ersten – im Planfeststellungsbeschluss von 2005 enthaltenen – Lösch- und Rettungsplänen vorgenommenen Änderungen erläutert. So geht die Bahn, wie berichtet, inzwischen von einer doppelt so hohen Brandlast (53 Megawatt) aus wie noch bei der Planfeststellung. Auch die maximal mögliche Anzahl der Passagiere im Bahnhof wurde in den Simulationen von rund 10 000 auf jetzt mehr als 16 000 Personen erhöht; die Evakuierungszeit der unterirdischen Halle wurde gegenüber 2005 von 37 auf 23 Minuten reduziert, der sogenannte Steg B wird so konstruiert, dass er einem Feuer 30 Minuten lang stand hielte. Auch bei der Löschwasserversorgung im Tiefbahnhof stehen jetzt 800 Liter Wasser statt 400 pro Minute zur Verfügung.

Keine Einigung gibt es dagegen beim Wunsch der Feuerwehr nach einer permanent mit Wasser befüllten Leitung im knapp zehn Kilometer langen Fildertunnel. Nach Biegers Angaben wäre dies die erste Leitung dieser Art, die in Tunnels der Deutschen Bahn eingebaut würde: „Alle anderen Tunnels werden mit Trockenleitungen betrieben.“ Er machte zugleich deutlich, dass der Einbau der sogenannten Nassleitung eine „erhebliche Verteuerung“ der Baukosten mit sich bringen würde.


Branddirektor Knödler dagegen blieb auch in diesem Punkt hart und will um eine optimale Wasserversorgung im Tunnel kämpfen: „Wir können im Ernstfall nicht 45 Minuten lang auf Wasser warten, das ist mit Sicherheit nicht vertretbar.“ Knödler dringt zudem weiter darauf, die Wirksamkeit der Entrauchung des Bahnhofs durch unabhängige Gutachter prüfen zu lassen, was die Bahn zugesagt hat. Knödlers Maßstab: ein Puffer von zehn Prozent der Zeit zwischen der vollständigen Evakuierung und der vollständigen Verrauchung der Station müsse gewährleistet sein. Auch die teilweise einröhrige Führung des Rosensteintunnels bereitet der Feuerwehr Bauschmerzen, weil sie im Brandfall nicht in den Tunnel einfahren könnte. Sein Beharren auf weitere Gutachten, die die Simulationen der Bahn überprüfen sollen, begründete Knödler damit, dass je nach Verwendung eines bestimmten Simulationsprogramms und der entsprechenden Parameter die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen könnten: „Das kann man dann glauben oder nicht.“

Die Stadträte von CDU, SPD und FDP zeigten sich von den geballten Informationen überfordert. „Ich kann und muss als Stadtrat nicht beurteilen, ob eine Simulation plausibel ist. Dazu gibt es das Eisenbahnbundesamt“, so CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Auch Roswitha Blind (SPD) betonte, die Räte wären mit Genehmigungsfragen „heillos überfordert“. Michael Conz (FDP) erklärte, sein Eindruck sei, dass sich „hier Profis auf hohem Niveau mit dem Thema befassen“. Anders Grüne und SÖS/Linke: Grünen-Fraktionssprecher Peter Pätzold etwa warf die Frage auf, wie im Brandfall eine Verrauchung der zusätzlich vorgesehenen acht Rettungstreppenhäuser verhindert werden könne. SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker forderte, die Bahn müsse eine neue Personenstromanalyse vorlegen und verlangte, die Prämissen für weitere Simulationen mit der Feuerwehr abzustimmen. Er zweifelte zudem die Personenkapazität der Rettungsschächte im Fildertunnel an. Dass der S-21-Gegner Stocker, wie ihm CDU-Stadtrat Kotz empfahl, demnächst beim Eisenbahnbundesamt anheuert, gilt trotz seiner Detailkenntnisse als äußerst unwahrscheinlich.

227 Kommentare Kommentar schreiben

klaus und märchenerzähler: Ich bin jetzt ein paar Tage beruflich unterwegs. Deshalb und weil es mir zu blöd ist mich mit euch auseinanderzusetzen und weil die StZ einen Teil meiner Kommentare zensiert, so dass hier teilweise ein falscher Eindruck entsteht höre ich jetzt mit dieser dämlichen Diskussion auf. In ein paar Tagen bei einem anderen Artikel.

„selberdenken“ – Dem Beitrag von „klaus“ (15:45) ist nichts mehr hinzuzufügen: „Inzwischen hat die Mehrheit erkannt, dass von Seiten der S21-Gegner mindestens ebensoviel "Lügen" und Teilwahrheiten verbreitet werden, ...“ Zum Beispiel? ... „Unabhängig davon ist es überhaupt nicht nötig, Sie und einige andere S21-Kritiker >>zu veralbern und ständig in eine unglaubwürdige Ecke zu stellen<<. Das machen Sie schon persönlich selbst ...“ und „... und sich die S21-Gegner somit auch unglaubwürdig machen, ganz ohne Zutun von irgendwelchen PR-Büros.“ Was soll denn nun unglaubwürdig sein, wenn ich den Unterschied zwischen Kopfbahnhof und gepl. Tiefbahnhof beim Brandschutz näher beschrieben habe? ...Was ich aus Ihrer Kritik herauslese, ist auch nichts weiter als eine pauschale Abkanzlung der S21-Kritiker, ohne großartig auf die Sache einzugehen. Offensichtlich merken Sie selbst nicht einmal, wie selbstherrlich Sie sich auf dieselbe Stufe der von mir genannten Veralberer und Verulkerer stellen. Denn mit pauschalen Aussagen braucht’s, wie gesagt, nicht mal im entferntesten Sinne ein Fachwissen. --- Oben bleiben!

"selberdenken": ihr zitat :"ich gehe aber davon aus, dass die Bahn ihre PR-Ausgaben sinnvoller einsetzt, als hier für ein doch recht begrenztes Publikum zu schreiben." ------- hier ein schönes beispiel wie man pr-ausgaben "sinnvoll" einsetzt : aussage des projektsprechers der deutschen bahn : "Die Baustellen bringen über Jahre Lärm und Dreck, doch am Ende profitierten 75 Prozent der Bürger des Landes von der neuen Bahn-Infrastruktur zwischen Stuttgart und Ulm, sagt Projektsprecher Wolfgang Dietrich." ------- dass diese aussage sehr sehr grossen "sinngehalt" hat sieht man an folgenden zahlen : der öffentliche personenverkehr macht etwa 15% der gesamten verkehrsleistung in deutschland aus ( übrigens incl. flugzeug und bus ) , hingegen werden 79% des verkehrs mit dem auto bewältigt . wie herr dietrich also zu seiner aussage kommt dass 75% der bürger von der neuen verkehrsinfrastruktur profitieren würden ist vollkommen unklar . inwiefern profitieren jetzt autofahrer davon ( das sind ja immerhin 79% ) , dass die bahn einen ice pro stunde etwas schneller auf der strecke stuttgart-ulm fahren lässt ? klare sache : überhaupt nicht . güterzüge fahren auch keine auf der infrastruktur , das kanns auch nicht sein . die pendler können es auch nicht sein , denn ca 77% der pendler benutzen die bahn gar nicht . es bleibt also nicht viel sinnvolles an dieser aussage , eigentlich sogar überhaupt nichts . aber trotzdem : super angelegt , das pr-budget , finden sie nicht auch ? schliesslich muss ja auch unsinn finanziert werden , und clowns arbeiten auch nicht ganz ohne gage . das findet man auch ganz leicht raus , z.b. wenn man selber denkt . quelle dazu : http://www.adac.de/_mmm/pdf/statistik_mobilitaet_in_deutschland_0111_46603.pdf

"selberdenken": ihr zitat :"Merken Sie nicht, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man mangels ausreichender Information von der Bahn den nach eigenen Angaben einzig informierten Projektkritikern nahezu alles glaubte." ----- stimmt , diese zeiten sind vorbei . inzwischen weiss man auch von der bahn selbst , dass sie bei der personenstromanalyse für s21 von einem rückgang der fern- und regionalreisekundenzahlen um ca. 18% ausgegangen ist . die bahn nannte s21 zwar "doppelt so leistungsfähig" , hat das aber niemals so gerechnet . ist das nicht schön ??

"architekt": ihr zitat nummer eins :"Sie nerven. Gewaltig." -------- tja , wer nicht logisch denken will muss ab und zu auf die realität hingewiesen werden , ob es ihm nun passt oder nicht . ihr zitat nummer 2 : "Also nochmal. Es gibt kein F0. Auch wenn das irgendwelche Ingenieure, Wissenschaftler, Architekten und Kläuse umgangssprachlich so sagen." ------- ach "architekt" , sie wissen doch ganz genau was gemeint ist , sie müssen jetzt nicht pampig werden ......... :-D ...... aber wenn sie dieser sprachgebrauch so sehr stört , dann verklagen sie doch alle ingenieure , wissenschaftler und architekten darauf , dass sie nie nie wieder "F0" sagen dürfen . an den tatsachen ändern sie damit nichts und wieder nichts ........ gute güte , was für ein schlechter verlierer sind sie eigentlich ?

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