Stuttgart 21 Mehrkosten kann sich die Bahn nicht leisten

Von Jörg Nauke und Thomas Braun 

Die Bahn stellt ihren Aufsichtsrat vor die Entscheidung, Stuttgart 21 fortzuführen oder auszusteigen. Bei einem Finanzierungsvolumen von nun 6,5 Milliarden Euro ist das Projekt für sie nur rentabel, wenn die Ausstiegskosten dagegengerechnet werden.

Der Technikvorstand der Bahn, Volker Kefer (links), und der Verkehrsminister Winfried Hermann streiten wegen der Übernahme von Mehrkosten aus dem Filderdialog. Foto: dpa
Der Technikvorstand der Bahn, Volker Kefer (links), und der Verkehrsminister Winfried Hermann streiten wegen der Übernahme von Mehrkosten aus dem Filderdialog.Foto: dpa

Stuttgart - Die Rentabilität des Milliardenprojekts Stuttgart 21 hängt nur noch an 77 Millionen Euro. So viel trennt das Projekt nach Angaben der Bahn von der Unwirtschaftlichkeit. Diese minimale Rendite gibt es auch nur, weil die Bahn in ihrer Kalkulation den Ausstieg auf zwei Milliarden Euro beziffert. Das steht in Unterlagen für die Aufsichtsratssitzung am 5. März, in der der Finanzrahmen von 4,5 auf 6,5 Milliarden Euro und der Eigenanteil der Bahn um zwei auf 3,7 Milliarden Euro erhöht werden soll.

Würde das Projekt ab jetzt nur noch geringfügig teurer, etwa weil sich die Partner weigern, strittige Kosten von 300 Millionen Euro zu übernehmen, oder weil diverse Posten nicht berücksichtigt oder falsch bemessen wurden, hätte das laut Beschlussvorlage Konsequenzen. Denn nur bis zur Grenze von 6,5 Milliarden Euro sei „eine relative Vorteilhaftigkeit der Fortführung gegenüber dem Ausstieg gegeben“. Welche Kosten sind strittig?

Flughafenbahnhof Hier sind bis zu 224 Millionen Euro strittig. Das sind etwaige Mehrkosten, die aus der Optimierung der Bahn-Antragstrasse resultierten. Der Schienenkonzern meint, die bessere Lage unter der Flughafenstraße sei ein teurer Sonderwunsch, weshalb das Land die Differenz bezahlen müsse. Gegenwärtig ist allerdings unklar, welche Variante am Ende des Planfeststellungsverfahrens die vorzugswürdigere sein wird und ob die Rechnung der Bahn plausibel ist. Sollte ihr Vorschlag beim Eisenbahnbundesamt (Eba) durchfallen – das erscheint nach der Debatte über die Leistungsfähigkeit und über verschärfte Brandschutzbestimmungen im tief liegenden Bahnhof möglich – würde die Alternativtrasse zwangsläufig zur Antragstrasse. Diese würde dann aus dem Projektetat bezahlt.

Kritische Bahnexperten klagen über den unterschiedlichen Planungsstand der Varianten, so würden Äpfel mit Birnen verglichen. Ärgerlich sei auch, dass das Land dennoch eine Zahlung in Aussicht stellt, bevor das Eba entschieden hat. Sie gehen davon aus, dass die Alternative von der Bahn teuer und die Antragstrasse günstig gerechnet wurden. Ein Indiz: den Ende 2012 genannten 403 Millionen Euro Baukosten für die Antragstrasse stehen 488 Millionen Euro gegenüber, die dem Aufsichtsrat 2009 genannt wurden. Auch der zusätzliche Brandschutz für den Flughafenbahnhof ist nicht berücksichtigt. Zum Vergleich: Die Extra-Maßnahmen für die unkritischere S-Bahn-Station hat die Bahn mit 20 Millionen Euro veranschlagt.

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150 KommentareKommentar schreiben

Aufmerksamer Leser, 20:32 Uhr Frei erfunden? Meine (des aufmerksamen Lesers) neue Lieblingsvokabel: Hier ist wohl ein Kommentar von mir untergegangen, Daher ganz kurz : E.T. beruft sich auf die geltende Rechtslage und führt als zusätzliches Indiz die Rücktrittsklausel an („aufmerksam“ lesen). Damit ist das Grundstücksgeschäft übrigens ein Nullsummenspiel (zweckgebundener Zuschuss wird bei nicht erbrachter Leistung zurückgezahlt). Sollten sie anderer Ansicht sein, stellen sie doch – wie von E.T. vorgeschlagen („aufmerksam“ lesen). – einen Grundbuchauszug ins Netz bzw. nennen einen Link.

Die Checker vom Necker: Die Checker vom Necker... ...zeigen wieder einmal, dass sie nichts von ihrem Handwerk verstehen. Nun wird - sicherlich wieder aus einem 'Geheim'papier - eine Berechnung angestellt, die sie sich selbst zurechtgezimmert haben. Auch sie haben offenbar 'vergessen', dass der neue Finanzrahmen folgende Aspekte enthält: Risikopuffer von 930 Mio. Euro und Risiken in Höhe von 1,2 Mrd. Euro, die eintreten können oder nicht. Wo bitte finden sich diese Angaben in der 'Berechnung' der Checker vom Necker wieder? Es ist wirklich ein Trauerspiel, wie wenig Wissen bei der StZ vorhanden ist, was deckungsgleich mit den Gegnern und insoweit keine Überraschung ist.

Re Joachim Wendt 26.02. 16.22°° u.Manfred S. 21.22°°::Sachverstand und Wahrhaftigkeit: Werter Joachim Wendt,mein persönlicher Dank geht an Sie als verantwortungsvollen BWLer, der obige Eigenschaften kombiniert und - anders als von Manfred S. auch schon dankenswerterweise gerügt- die schweigende Zunft der WiWis sich zu Wort meldet.Das von Ihnen beschriebene Vorgehen bei Investitionen ist für mich so selbstverständlich, daß ich bis vor 3 Jahren nicht im Traum darauf gekommen wäre, ein im Gemeinschaftsbesitz befindliches Unternehmen wie die DB AG könne anders agieren. Ahnen 'führende' Wirtschaftswissenschaftler wohl schon, daß sogar ihr letztes , vermeintlich stichhaltiges Argument für ein 'go' eben nicht sticht? Ganz ab von der eigentlich primär, vor jeglicher Finanzdiskussion, zu stellenden Frage: Taugt der Invest überhaupt ? Und wenn nein:Qui bono ? beim Weitermachen.Ein Artikel in der 'Zeit' von gestern 26,02. wirft erneut Fragen zu den wahren Motiven aller Protagonisten auf. Alter Demokrat, einer der Unternehmer-gegen-S21

Na Klartext ,: mit einem Schulterzucken überzeugt man die Klugheit nicht! Grube zuckt, Kefer zuckt,( Ricarda, Yvonne, Morriz) zucken, und die Stuttgarter lachen laut. Wer wohnt am Marienplatz? Ricarda-Yvonne-Morriz Sanchez Adoniz ! Was ist das für ein komisches Wesen ? Halb Gitarre, halb Zigarre ?

@Klartext: Tja Sie müssen sich bald einen neuen Job suchen und es wird nicht einfach, da die Bürger über das Internet sich sehr gut informieren können und genauer hinschauen wie früher.

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