Stuttgart 21 Schairer kommt zur Tunnelfeier

Von Markus Heffner 

Nach der Absage vor wenigen Tagen schickt die Stadt Stuttgart nun doch den Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) zum Festakt, bei dem der erste Tunnel für Stuttgart 21 angestochen wird.

Martin Schairer vertritt die Stadt beim ersten Tunnelanstich für Stuttgart 21. Foto: Michael Steinert
Martin Schairer vertritt die Stadt beim ersten Tunnelanstich für Stuttgart 21.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Die Ankündigung der Stadt, aus Termingründen keinen Vertreter aus dem Rathaus zur ersten Stuttgart-21-Tunnelfeier auf Grund und Boden der Landeshauptstadt zu schicken, hatte in den vergangenen Tagen einige Diskussionen in den Fraktionen und bei den Projektpartnern ausgelöst. „Das wäre wirklich sehr schade, wenn keiner kommt“, hatte etwa Thomas Bopp erklärt, der die Region Stuttgart bei dem Festakt als Verbandsvorsitzender vertritt. Und der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Kotz hält es „für ­absolut notwendig und geboten, dass zumindest einer der Bürgermeister an dem symbolischen Akt teilnimmt, wenn schon der Oberbürgermeister nicht kommt“.

Dieser Forderung kommt die Stadtverwaltung nun nach – wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil der politische Druck zu groß geworden war. Zum offiziellen Repräsentanten bestimmt wurde der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU), wie der Stadtsprecher am Freitagnachmittag auf Anfrage bestätigte. „Er wird die Stadt vertreten können“, so Andreas Scharf. „Ein gutes und richtiges Signal“, wie die SPD-Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind findet.

Kuhn nimmt einen Termin auswärts wahr

Begründet worden war die ursprüngliche Absage der kompletten Bürgermeisterriege mit dem Verwaltungsausschuss, der zeitgleich zur Tunnelfeier am 4. Dezember tagt. Die Tagesordnung für die Sitzung stehe zwar noch nicht endgültig fest, so Scharf, inzwischen sei aber klar, dass Bürgermeister Schairer dort nicht anwesend sein müsse. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hatte die Teilnahme an dem Festakt in Wangen seinerseits wie berichtet abgesagt, weil er einen Termin außerhalb Stuttgarts wahrnehmen will, der schon seit Monaten feststehe.

Die Deutsche Bahn als Bauherrin von Stuttgart 21 hatte am 30. September zu dem Tunnelanstich eingeladen, mit dem der Bau der Zuführung zwischen dem neuen Tiefbahnhof und den Stadtbezirken Untertürkheim und Obertürkheim offiziell begonnen wird. Nach der Enttäuschung über die Absage vor einigen Tagen zeigt sich die Bahn nun erfreut über die positiven Nachrichten, so der Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Dietrich auf Anfrage. „Wir freuen uns, dass die Stadt als Projektpartner nun einen hochrangigen Vertreter aus dem Rathaus schicken wird.“ Es sei vor allem für die vielen Mineure und Arbeiter ein wichtiger Tag, der angemessen gefeiert werden sollte.

Vorwurf: Bahn hat Termin zu spät genannt

Der 4. Dezember ist in diesem Fall gleich von doppelter symbolischer Bedeutung, da an diesem Tag auf der ganzen Welt der Gedenktag der heiligen Barbara gefeiert wird, der Schutzpatronin aller Bergleute und Mineure. Dass an diesem Tag gleichzeitig eine Tunnelfeier stattfinden könne, sei ein seltenes Ereignis, so Dietrich. Daher habe die Bahn sich diesen Termin ausgesucht und ihn auch nicht ohne Weiteres verschieben können.

Die Stadt hatte geltend gemacht, dass weder das Kommunikationsbüro noch die Bahn selbst den Termin im Vorfeld mit dem Rathaus abgestimmt hätten, so Andreas Scharf. Das Datum sei lediglich mitgeteilt worden. Sich dann über eine Absage zu wundern, sei unredlich und trage nicht zum viel beschworenen Vertrauen bei.

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17 KommentareKommentar schreiben

Claus Wilke ...keine...still ertragen: Der Ordnungsbürgermeister kommt und "trägt" mit seiner Anwesenheit aktiv alle Risiken. Er, der frühere Polizeipräsident, war auch am 30.09.2010 persönlich im Schlosspark präsent. Hat er in seiner Zuständigkeit rechtzeitig den Einsatz zur medizinischen Notfallversorgung gefordert ? Wird er je die erwähnten Risiken erkennen ?

Meine persönliche Quote liegt zur Zeit bei 80% Unveröffentlicht.: bei mir auch. freie meinungsäußerung findet bei der stz keine freunde

Claus Wilcke : Glückwunsch !: Wahre Worte ! Glückwunsch vor allem dazu, daß sie veröffentlicht wurden. Meine persönliche Quote liegt zur Zeit bei 80% Unveröffentlicht.

Wir mögen wenig bewegen mit Kommentaren, aber wir haben keine Dummheit still ertragen: Werte Herren, lassen sie mich antworten: Wie auch immer es zu diesem Bahnhofsprojekt kam. Und wenn es vielleicht mal gut aussah, es durchzuführen: Welcher Mensch von klarem Verstand kann glauben, dass die Probleme und Herausforderungen der Stadt, der Region, des Umlandes durch einen unterirdischen Bahnhof kleiner werden? Bezahlbares Wohnen, die Integration zur Bürgergesellschaft, Nachhaltigkeit, Ausbildung und Altersfragen - das sind die Knackpunkte! Praktisch nichts davon löst ein Bahnhof. Deswegen sind auch die Versprechungen sind perdu - die "Paris-Sonstwo-Achse", die zehntausend Arbeitsplätze, der bezahlbare Wohnraum.(Nebenbei: Wo sollen die bezahlbaren Wohnungen denn stehen, mitten in der Stadt? Man schaue ins Nordbahnhofviertel, wo die Patrizia jetzt einschlägt!) Aber gut, ich gehe als Gegner noch einen Schritt weiter mit: Angenommen, dieses "Hurra-Fortschritt-Projekt" ist da. Vollständig. Nach wasweißich Jahren Bauzeit, mitten in Stuttgart. Dann besitzt Stuttgart einen Bahnhof der keine Güterzüge erlaubt, bei dem das S-Bahn-System nicht mehr erweiterungsfähig ist, und bei dem über 60 Kilometern Tunnel ständig gewartet und gesichert werden müssen. Leitungen, Übungen, Ausfälle, Selbstmörder, Geologie - das alles muss abgefangen werden. Tag und Nacht. Dann darf Stuttgart, einem griechischen Verdammten ähnlich, ständig einen Riesenbottich im feuchten Talkessel auspumpen, ohne ihn jemals leer zu kriegen. Und dann! Bonbon! dürfen Bürger, Land und Städte die nach oben offene Milliardenrechnung bezahlen. Tatsächlich verjubelt in Stuttgart die Bahn eine politische Carte Blanche. Die Bahn verdient am Baustellengeschwür prächtig. Sie ist der Gewinner. Eigentlich sollte sie uns nur mit guter Frequenz, günstig, sicher und pünktlich befördern. Aber sie rodet als Managerkonzern für den Weg an die Börse ganze Parks und lässt sie dann jahrelang als Schlammloch ohne Genehmigung fürs Buddeln liegen. Wenn das alles keine Dummheit ist, was dann? Und wir, meine lieben Mitforisten, stehen deswegen weiter zum großen Ferdinand Lassalle, er soll das letzte Wort haben: "Alle große politische Aktion besteht im Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und bemänteln dessen, was ist."

Markus Anselm, 08:33 Uhr: Das ist doch der Sinn dieser Tobeecke hier. Die Protestler können hier Luft ablassen, ohne dass damit jemand belästigt wird, welcher sich für das Thema nicht interessiert und können sich auch noch einbilden, damit etwas zu bewirken.

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