Stuttgart 21 Tiefbahnhof gefährdet die LBBW-Zentrale

Andreas Müller, 17.12.2012 11:58 Uhr

Stuttgart - Das Bahnprojekt Stuttgart 21 könnte die Landesbank Baden-Württemberg ins Wanken bringen – aber nicht etwa finanziell, sondern „nur“ buchstäblich: Die LBBW-Zentrale am Hauptbahnhof ist durch die Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe in mehrerlei Hinsicht gefährdet. Erhebliche Risiken drohen nach StZ-Informationen für die Stabilität des Gebäudes, für die große Glasfront und für das Rechenzentrum. Die LBBW sagt, man sei zu allen absehbaren Problemen mit der Bahn in Kontakt und habe jeweils Lösungen gefunden. Oberste Priorität habe die Sicherheit des Betriebes, der Mitarbeiter und der Kunden.

Außer dem Bonatzbau selbst ist wohl kein anderes Gebäude so vom Bau des Tiefbahnhofs betroffen wie die Zentrale der Landesbank, in der auch der Sparkassenverband Baden-Württemberg residiert. Unmittelbar vor dem im Jahr 1994 eingeweihten wuchtigen Bau, im Volksmund als „Panzerschrank“ bezeichnet, verläuft in etwa zehn Meter Tiefe der künftige Bahnhofstrog. Zudem entsteht derzeit unter dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz das unterirdische Technikgebäude, in dem das Stellwerk des neuen Hauptbahnhofs untergebracht werden soll.

Die großen Glasflächen sind ein Problem

Vor allem der Bau des Technikgebäudes bereitet der LBBW nach StZ-Informationen erhebliche Sorgen. Komme es in dessen Folge auch nur zu einer leichten Absenkung des Bodens, könne dies gravierende Folgen für die Statik des Gebäudes haben. Gefährdet sind offenbar vor allem die runden Säulen, die die LBBW-Zentrale abstützen. Das Problem sei brisant und werde regelmäßig in Besprechungen von Bahn, LBBW und Baufirma erörtert, verlautet aus informierten Kreisen. Alle Teilnehmer seien zu strengstem Stillschweigen vergattert. Wegen der Fragen von Verantwortung und Haftung sei auch eine ganze Armada von Rechtsanwälten involviert.

Ein weiteres Problem stellen die großen Glasflächen des Gebäudes dar. Sie seien bei Detonationen auf dem Baugelände – etwa infolge von alten Bomben – hochgradig gefährdet und könnten zur Gefahr für die Mitarbeiter werden. Interne Notfallpläne sehen vor, dass sich die Beschäftigten im Fall des Falles möglichst weit von den Glasscheiben entfernen; auch die Sammelplätze für sie liegen im Gebäudeinneren.

Auch dem Rechenzentrum drohen Beeinträchtigungen

Beeinträchtigungen drohen auch dem hoch sensiblen Rechenzentrum der LBBW. Vor allem Erschütterungen bei den Rammarbeiten könnten dessen Betrieb empfindlich stören. Die Bahn hat dem Vernehmen nach ein Spezialverfahren entwickelt, um störende Schwingungen möglichst gering zu halten. Zudem ist die Bank in der Lage, die komplette IT innerhalb einer Stunde an einen anderen Standort zu verlagern.

Auf eine StZ-Anfrage zu diesen Punkten antwortete die LBBW eher allgemein. „Natürlich gibt es bei einem Projekt dieser Größenordnung in unmittelbarer Nähe der Bank auch Themen zu diskutieren“, teilte ein Sprecher mit. Daher würden zu allen aus der Nachbarschaft resultierenden relevanten Aspekten regelmäßige Besprechungen zwischen Vertretern der Bahn, den Projektverantwortlichen der Bank und zugezogenen Spezialisten abgehalten. Ziel sei es, „in Zusammenarbeit auch mit den beauftragten Unternehmen gemeinsam bedarfsgerechte, organisatorische und technische Baulösungen auszuarbeiten“.

Bank hat Notfallpläne überarbeitet

Sämtliche Planungen und Baumethoden müssen laut LBBW darauf abgestimmt werden, „Probleme bei der Umsetzung soweit wie möglich auszuschließen“. Dies werde von den Bankexperten begleitet und überwacht. Etwaige Auswirkungen auf die Bank-IT würden von Baudynamikern, Statikern und Geologen untersucht. Mit einem bereits installierten Überwachungssystem sei es möglich, „sofort auf Erschütterungen zu reagieren“. Da man über Reservesysteme verfüge, sei die Bank hier „ohnehin abgesichert“. Angesichts der Großbaustelle vor dem Haus habe man auch die Notfallpläne für Evakuierungen, Fluchtwege und Sammelstellen überarbeitet; diese würden derzeit mit den zuständigen Behörden abgestimmt.

Auch die Deutsche Bahn bestätigte auf Anfrage, man sei mit den Verantwortlichen der LBBW „im direkten und regelmäßigen Austausch“. Ziel sei es, gemeinsam mit den Baufirmen „höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten“. Generell spiele „die Sicherheit von angrenzenden oder unterfahrenen Gebäuden eine zentrale Rolle“ bei allen Bauvorhaben der Bahn, sagte eine Sprecherin des Kommunikationsbüros von Stuttgart 21. Sämtliche Bauabläufe seien so ausgerichtet, um Schäden an oder Probleme bei der bestehenden Infrastruktur zu vermeiden; eine permanente Überwachung sei sichergestellt.