Stuttgart 21 Tiefbahnhof gefährdet die LBBW-Zentrale

Von  

Die Arbeiten auf der Großbaustelle für Stuttgart 21 könnten gravierende Folgen für das benachbarte Gebäude der Landesbank haben. Risiken drohen für die Statik und die Glasfront.

Der Bau des Technikgebäudes birgt Risiken für die LBBW-Zentrale. Foto: Achim weygarth
Der Bau des Technikgebäudes birgt Risiken für die LBBW-Zentrale.Foto: Achim weygarth

Stuttgart - Das Bahnprojekt Stuttgart 21 könnte die Landesbank Baden-Württemberg ins Wanken bringen – aber nicht etwa finanziell, sondern „nur“ buchstäblich: Die LBBW-Zentrale am Hauptbahnhof ist durch die Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe in mehrerlei Hinsicht gefährdet. Erhebliche Risiken drohen nach StZ-Informationen für die Stabilität des Gebäudes, für die große Glasfront und für das Rechenzentrum. Die LBBW sagt, man sei zu allen absehbaren Problemen mit der Bahn in Kontakt und habe jeweils Lösungen gefunden. Oberste Priorität habe die Sicherheit des Betriebes, der Mitarbeiter und der Kunden.

Außer dem Bonatzbau selbst ist wohl kein anderes Gebäude so vom Bau des Tiefbahnhofs betroffen wie die Zentrale der Landesbank, in der auch der Sparkassenverband Baden-Württemberg residiert. Unmittelbar vor dem im Jahr 1994 eingeweihten wuchtigen Bau, im Volksmund als „Panzerschrank“ bezeichnet, verläuft in etwa zehn Meter Tiefe der künftige Bahnhofstrog. Zudem entsteht derzeit unter dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz das unterirdische Technikgebäude, in dem das Stellwerk des neuen Hauptbahnhofs untergebracht werden soll.

Die großen Glasflächen sind ein Problem

Vor allem der Bau des Technikgebäudes bereitet der LBBW nach StZ-Informationen erhebliche Sorgen. Komme es in dessen Folge auch nur zu einer leichten Absenkung des Bodens, könne dies gravierende Folgen für die Statik des Gebäudes haben. Gefährdet sind offenbar vor allem die runden Säulen, die die LBBW-Zentrale abstützen. Das Problem sei brisant und werde regelmäßig in Besprechungen von Bahn, LBBW und Baufirma erörtert, verlautet aus informierten Kreisen. Alle Teilnehmer seien zu strengstem Stillschweigen vergattert. Wegen der Fragen von Verantwortung und Haftung sei auch eine ganze Armada von Rechtsanwälten involviert.

Ein weiteres Problem stellen die großen Glasflächen des Gebäudes dar. Sie seien bei Detonationen auf dem Baugelände – etwa infolge von alten Bomben – hochgradig gefährdet und könnten zur Gefahr für die Mitarbeiter werden. Interne Notfallpläne sehen vor, dass sich die Beschäftigten im Fall des Falles möglichst weit von den Glasscheiben entfernen; auch die Sammelplätze für sie liegen im Gebäudeinneren.

Auch dem Rechenzentrum drohen Beeinträchtigungen

Beeinträchtigungen drohen auch dem hoch sensiblen Rechenzentrum der LBBW. Vor allem Erschütterungen bei den Rammarbeiten könnten dessen Betrieb empfindlich stören. Die Bahn hat dem Vernehmen nach ein Spezialverfahren entwickelt, um störende Schwingungen möglichst gering zu halten. Zudem ist die Bank in der Lage, die komplette IT innerhalb einer Stunde an einen anderen Standort zu verlagern.

Auf eine StZ-Anfrage zu diesen Punkten antwortete die LBBW eher allgemein. „Natürlich gibt es bei einem Projekt dieser Größenordnung in unmittelbarer Nähe der Bank auch Themen zu diskutieren“, teilte ein Sprecher mit. Daher würden zu allen aus der Nachbarschaft resultierenden relevanten Aspekten regelmäßige Besprechungen zwischen Vertretern der Bahn, den Projektverantwortlichen der Bank und zugezogenen Spezialisten abgehalten. Ziel sei es, „in Zusammenarbeit auch mit den beauftragten Unternehmen gemeinsam bedarfsgerechte, organisatorische und technische Baulösungen auszuarbeiten“.

Bank hat Notfallpläne überarbeitet

Sämtliche Planungen und Baumethoden müssen laut LBBW darauf abgestimmt werden, „Probleme bei der Umsetzung soweit wie möglich auszuschließen“. Dies werde von den Bankexperten begleitet und überwacht. Etwaige Auswirkungen auf die Bank-IT würden von Baudynamikern, Statikern und Geologen untersucht. Mit einem bereits installierten Überwachungssystem sei es möglich, „sofort auf Erschütterungen zu reagieren“. Da man über Reservesysteme verfüge, sei die Bank hier „ohnehin abgesichert“. Angesichts der Großbaustelle vor dem Haus habe man auch die Notfallpläne für Evakuierungen, Fluchtwege und Sammelstellen überarbeitet; diese würden derzeit mit den zuständigen Behörden abgestimmt.

Auch die Deutsche Bahn bestätigte auf Anfrage, man sei mit den Verantwortlichen der LBBW „im direkten und regelmäßigen Austausch“. Ziel sei es, gemeinsam mit den Baufirmen „höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten“. Generell spiele „die Sicherheit von angrenzenden oder unterfahrenen Gebäuden eine zentrale Rolle“ bei allen Bauvorhaben der Bahn, sagte eine Sprecherin des Kommunikationsbüros von Stuttgart 21. Sämtliche Bauabläufe seien so ausgerichtet, um Schäden an oder Probleme bei der bestehenden Infrastruktur zu vermeiden; eine permanente Überwachung sei sichergestellt.

  Artikel teilen
124 KommentareKommentar schreiben

@Interessierter vom Land / Gefährdung: Sine Ira et studio: 'Interessierter vom Land' hat in seinem Beitrag 'Gefährdung' etwas fundamental verwechselt. Wenn man fotografisch Dinge in der Tiefe aneinanderrücken will muß man aus der Ferne mit einem _Tele_objektiv (große Brennweite!) fotografieren. Mit einem Weitwinkelobjektiv (kleine Brennweite, mit der zB tatsächlich das Bild aufgenommen wurde) wirken die Objekte, als wären sie in der Tiefe weiter voneinander entfernt. Und so ist es auch. Wenn Sie, lieber 'Interessierter vom Land' mal nach Stuttgart kommen, können Sie sich davon überzeugen, daß der Abstand auf dem Bild eher größer wirkt, als er wirklich ist. Mit freundlichen Grüßen, N.N.

„S.Meier“ – Wolltet Sie a Witzle reißa???: „Die regelmäßigen Erschütterungen durch Bagger und zahlreichen Rammstößen führen im Gegenteil dazu, dass sich der Boden unter der Lbbw stetig weiter verfestigt ...“ Der Boden vielleicht schon. Aber was ist mit den vielen Computer, den Speicherstationen, die tragenden Säulen, die großen Glasfenster, die bleiben alle verschont? .......... Und dann noch die Krönung dieser Witzpose: „... und dadurch, wie auch durch die Verringerung des Wasseranteil durch das Abpumpen großer Mengen von Grundwasser, dessen Tragfähigkeit und Stabilität sich immer weiter erhöht.“ Was soll denn da getragen werden? Wirklich, selten so gelacht über solche plumpe naive Verdummungsversuche! – Oben bleiben!

Gefährdung: Werter Ludwigsburger, vermutlich gefährdet diese Grube nichts und niemanden, außer den Deppen, die im Suff über den Bauzaun klettern und dann abstürzen. Das Bild ist lediglich geschickt aufgenommen mit einem recht extremen Weitwinkelobjektiv, das sieht man an den zum Bildrand laufenden Fluchten des LBBW-Gebäudes und an der aus dem Bild kippenden Bahndirektionsfassade. Unter 18mm Brennweite wirds sehr kritisch, aber das wird in diesem Fall sicher sehr gern in Kauf genommen. Die Macht der Bilder ist ja jedem Fotografen bewusst, je nachdem, was er/sie mitteilen möchte. Freundliche Grüße vom weiten Land. (Muss wegen entlarvender Kritik nicht veröffentlicht werden)

Alles Quatsch: und reine Panikmache von S21 Gegner und Leuten die von Statik keine Ahnung haben. Die regelmäßigen Erschütterungen durch Bagger und zahlreichen Rammstößen führen im Gegenteil dazu, dass sich der Boden unter der Lbbw stetig weiter verfestigt und dadurch, wie auch durch die Verringerung des Wasseranteil durch das Abpumpen großer Mengen von Grundwasser, dessen Tragfähigkeit und Stabilität sich immer weiter erhöht. Keine Gefahr also. Je mehr und je näher an der Bank gebaut wird umso besser. Also weiter so!

Wann erscheint Frau Bundeskanzlerin wieder auf dem Marktplatz und spricht über die Alternativlosigkeit von S21??: Jetzt nachdem die Bürger die eindringlichen Warnungen von unserer Bundeskanzlerin ignoriert hatten, wird es Zeit, das Frau Merkel erneut den Bürgern klar macht, was alles am Bau dieses Tiefbahnhofs hängt eindringlich erläutert!!! Es klingt mir noch in den Ohren: 'S21 geht nur mit Turner' sagte unsere Kanzlerin auf dem Marktplatz - und nun wo ist Turner - was geht ohne ihn??? Es ist einfach Zeit, dass Frau Merkel die ganze Wahrheit ausspricht und endlich auf ein Einsehen der Bürger dringt!!! 'S21 ist alternativlos - die Zukunft des Landes hängt von diesem Bahnhof ab - die Zukunft der EU - ach was: Die Zukunft unserer über allen Massen verehrten Kanzlerin hängt daran!!! Wann ertönt der aufrichte Ruf: 'Merkel geht mit S21' oder habe ich da etwas verdreht? Auf jeden Fall ist die Beliebtheit der Kanzlerin unglaublich hoch und steigt immer mehr - egal wie die Wahlen auch ausgehen... PS: Wer Ironie findet, darf sie gerne behalten... (20. Dez 11.52 Uhr)

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.