Stuttgarter Kickers Eine rote Null bei den Blauen

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Kassensturz bei den Stuttgarter Kickers: Schatzmeister Tobias Schlauch konnte am Montag bei der Hauptversammlung eine fast ausgeglichene Jahresbilanz präsentieren. „Insgesamt haben wir unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte er.

Die Fans der Kickers können aufatmen: Ihr Verein steht finanziell recht solide da. Foto: Pressefoto Baumann
Die Fans der Kickers können aufatmen: Ihr Verein steht finanziell recht solide da.Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Im Fußball kann die Stimmung schnell umschlagen. Auch innerhalb von zwei Tagen. Am Samstag nach dem 1:1 der Stuttgarter Kickers gegen Darmstadt sahen die meisten der 3500 Zuschauer schwarz. Sportlich betrachtet. Am Montagabend auf der Hauptversammlung der Blauen vor 218 anwesenden Mitgliedern spielte eine andere Farbe eine Rolle: rot. Allerdings bei Weitem nicht mehr so ausgeprägt wie in der Vergangenheit. Wies der Verein vor einem Jahr noch ein Saisonminus von 627.000 Euro aus, belief sich der Fehlbetrag zum 30. Juni 2012 lediglich noch auf 32.628 Euro. Finanzexperten sprechen da gerne von einer „roten Null“, also einem fast ausgeglichenen Ergebnis, was vor einem Jahr als erklärtes Ziel des Präsidiums ausgegeben worden war.

Möglich war dieses Ergebnis vor allem aufgrund von außerordentlichen Erträgen in Höhe von 550.000 Euro. „Dahinter verbirgt sich in erster Linie die Neuordnung der Altverbindlichkeiten“, sagte der im Präsidium für die Finanzen verantwortliche Tobias Schlauch. So sind die Schulden bei Finanzamt und Stadt inzwischen komplett getilgt. Hinzu kam ein einmaliger Zugang in siebenstelliger Höhe. Dass im Gegenzug außerordentliche Aufwendungen von 70.000 Euro stehen, ist der Prämienregelung nach dem Aufstieg in die dritte Liga geschuldet, also einem positiven Aspekt, „den wir gerne hingenommen haben“, so der Präsident Rainer Lorz – und der zunächst ebenfalls einmalig bleiben wird, wenn man sieht, wo die Kickers aktuell stehen. Deshalb appellierte Lorz an die im SSB-Waldaupark anwesende Mannschaft: „Bitte keine Zurückhaltung bei den Prämien!“ Die zahlt der Verein in diesem Abstiegskampf noch lieber.

Marketingeinnahmen sind gestiegen

Die Marketingeinnahmen, die stets als wichtiger Indikator für die Entwicklung des Vereins dienen, sind zuletzt von 927.000 Euro auf knapp 1,4 Millionen gestiegen, wobei erstmals „auch Kompensationsgeschäfte mit einfließen“, so Schlauch, also Leistungen in Sachwerten. „In diesem Bereich wollen wir künftig zusammen mit unserem neuen Vermarktungspartner Ufa Sports noch einiges aufholen“, sagte Lorz und verwies auf die durchschnittlichen Werbeeinnahmen der Drittligisten von 2,6 Millionen Euro.

Und trotz einer insgesamt erfreulichen Entwicklung haben sich die Verbindlichkeiten im abgelaufenen Geschäftsjahr sogar leicht erhöht: von 1,811 Millionen Euro auf 1,879 Millionen. „Da müssen wir künftig wieder mehr Speck auf die Rippen bekommen“, betonte Lorz, auch wenn sich die Kickers im Vergleich mit der Konkurrenz in guter Gesellschaft befinden. „Aber das sollte nicht unser Ziel sein.“ Ein anderes Ziel haben die Kickers bereits erreicht. Sie haben das Markenlogo, das Kickers-K, von den zahlungsunfähigen Handballern zurückerworben, wobei die Insolvenz noch eine Folgewirkung hatte. Nicht zuletzt durch die Wiedereingliederung in den Stammverein mit mehr als 200 aktiven Handballern konnten die Kickers ihre Mitgliederzahl von 1558 auf jetzt 1906 steigern; ein Plus von gut 22 Prozent. „Insgesamt haben wir unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte Schlauch, „es ist immer ein Balanceakt zwischen dem sportlichen und finanziellen Bereich.“

Nach dem wenig begeisternden Auftritt gegen Darmstadt dürfte deshalb die Trainersuche intensiviert werden. Nachdem Heiko Scholz (zuletzt Viktoria Köln) bereits am Samstag im Gazi-Stadion aufmerksamer Beobachter war, ist er übers Wochenende gleich in Stuttgart geblieben. Am Dienstag stehen erste Gespräche mit den Kickers-Verantwortlichen auf dem Programm. Ausgang offen.

Entschieden ist dafür schon die Zusammensetzung des Aufsichtsrats, der drei Neuzugänge präsentierte: die Unternehmer Christoph Dietrich (33) und Holger Schäfer (55) sowie den Notar Olaf Gerber (45). Dabei soll es nicht bleiben. Der in seinem Amt bestätigte Präsident Rainer Lorz betonte: „Wenn auf dem Transfermarkt gehandelt werden muss, dann werden wir auch handeln.“

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