Testfeld in Stuttgart Fahren ohne Fahrer bald auch in Vaihingen?

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Fahrzeuge werden sich künftig selbst steuern. Um das zu testen, sollen sich die Autos in den realen Verkehr mischen – vielleicht auch rund um den Unicampus.

Bislang entstehen Bilder zu selbstfahrenden Autos meist am Computer. Dringt die  CDU mit ihrer Forderung durch, wären Schnappschüsse  in Vaihingen möglich. Foto: Forschungsinitiative Ko-Haf
Bislang entstehen Bilder zu selbstfahrenden Autos meist am Computer. Dringt die CDU mit ihrer Forderung durch, wären Schnappschüsse in Vaihingen möglich.Foto: Forschungsinitiative Ko-Haf

Vaihingen - Nicht nur der Internetgigant Google arbeitet an Autos, die sich selbst steuern. Volvo, Audi, Honda und Nissan, um nur einige zu nennen, forschen ebenfalls am autonomen Fahren. Und Mercedes ließ schon 2013 eine S-Klasse von Mannheim nach Pforzheim rollen, der Fahrer musste nur zweimal ins Steuer greifen. Doch die Technik ist weit davon entfernt, marktreif zu sein, weshalb das Land Baden-Württemberg nach einem sogenannten Testfeld sucht. Dieses sollte in Stuttgart sein, meinen die Christdemokraten im Gemeinderat, und am besten sogar in Vaihingen, im Umfeld der Uni. „Wir wollen die Mobilitätshauptstadt der Welt bleiben“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Kotz. „Das automatisierte Fahren wird in Zukunft dazugehören.“

In einem Antrag fordert die CDU deshalb die Stadt auf, tätig zu werden. Prinzipiell sei jeder Ort in Stuttgart denkbar, um das Fahren ohne Fahrer zu testen. Doch würde sich das Gelände am Vaihinger Campus besonders anbieten. „Es geht um Forschung, und da ist es naheliegend, das dort zu platzieren“, sagt Kotz. „Dort gibt es verschiedene Institute, aber auch verschiedene Verkehrsarten.“

Das Land will 2,5 Millionen Euro geben

Hintergrund ist eine Ausschreibung des Landes vom 15. Januar. Das Wirtschaftsministerium will bis zu 2,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um ein sogenanntes Testfeld aufzubauen. Das ist, im Gegensatz zu einer klar abgegrenzten Teststrecke, ein Gebiet, in dem unter realen Bedingungen getestet werden soll und das auch frei für alle Unternehmen und Forschungseinrichtungen zugänglich ist. Das Gebiet soll zudem alle Straßentypen enthalten, von der Autobahn über die Landstraße bis zu innerstädtischem Verkehr. Bewerben können sich Hochschulen, wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen, Kommunen oder ein entsprechender Zusammenschluss.

Der Unicampus und seine Umgebung wären tatsächlich eine logische Option. Verkehrsseitig, weil alle Anforderungen erfüllt wären. Forschungsseitig, weil die Wissenschaftler dann direkt vor ihren Türen an den Autos tüfteln könnten. Eine kleine Auswahl: Das Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) betreibt einen Windkanal. Am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) wird an Leichtbau für Autos geforscht, dort wurden auch schon Keramikbremsen entwickelt. Derzeit entsteht mit Arena 2036 eine vom Bund geförderte Forschungsfabrik, in der eine Vielzahl von Unternehmen aus der Automobilbranche kooperieren. Und das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) erstellt regelmäßig Studien zu dem Thema.

Die Uni ist bereits im Gespräch mit der Politik

Zuletzt etwa im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin. So hatten die IAO-Gutachter für Sigmar Gabriels Ministerium errechnet, dass in der Branche rund um das automatisierte Fahren im Jahr 2025 wohl 131 300 Menschen beschäftigt sein werden – nur in Deutschland, wohlgemerkt. Eben jene Vaihinger Wissenschaftler behaupteten zudem, dass die Wertschöpfung in diesem Bereich in den nächsten zehn Jahren um das 15-fache steigen wird, auf dann geschätzt 8,4 Milliarden Euro. Gabriels Plädoyer aus dem vergangenen September lautete denn auch, Deutschland müsse zum führenden Testfeld für automatisiertes Fahren werden.

Und die Uni Stuttgart hätte nichts dagegen, wenn dies vor Ort geschehen würde. Zumindest besteht das „grundsätzliche Interesse“, wie Hans-Herwig Geyer, der Sprecher der Uni, bestätigt. Es habe diesbezüglich bereits Gespräche zwischen dem Rektor Wolfram Ressel und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann, der den Filderbezirk in Berlin vertritt, gegeben. „Es wäre verwunderlich, wenn wir uns da nicht engagieren würden“, sagt Geyer. Wo genau ein solches Testfeld eingerichtet werden könnte, „müsste man aber prüfen“.

Der Antrag muss bis Ende April gestellt werden

Die Stadt äußert sich derweil zurückhaltend. „Wir müssen uns erst noch eine Meinung in der Verwaltung bilden“, sagt Sven Matis, der Sprecher der Landeshauptstadt. „Wir müssen jetzt erst einmal den Sachverhalt prüfen.“ Wie diese Prüfung ausfallen könnte, will er nicht vorwegnehmen. Nur soviel bestätigt er: „Wir sind auf jeden Fall noch nicht aktiv geworden.“

Zeit dafür ist noch ausreichend vorhanden. Anträge müssen bis zum 29. April beim Land eingereicht werden. Im Juli 2016 sollen bereits erste Fördermittel fließen. Ende 2017 soll das Testfeld idealerweise dann in Betrieb genommen werden.

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