Hell’s Angels als Tierfreunde Cookie, die Rocker und die Polizei

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Wo ist Cookie? Diese Frage trieb das Frauchen der Hundedame wochenlang um. Am Ende zeigten harte Kerle ein großes Herz und schalteten sich ein: Die Leipziger Hell’s Angels schalteten sich in die Suche ein.

Frauchen Petra T. hält endlich ihre geliebte Hündin Cookie wieder im Arm. Foto: Polizei
Frauchen Petra T. hält endlich ihre geliebte Hündin Cookie wieder im Arm. Foto: Polizei

Stuttgart - Die Geschichte hat das Zeug zum Tatortdrehbuch: Eine Entführung, eine anscheinend verpasste Chance des polizeilichen Zugriffs und zur Festnahme, und dann mischen auch noch die Leipziger Hell’s Angels mit. Ein großes Drama um eine kleine Hundedame hat sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten abgespielt. Der Aufwand hat sich gelohnt: Chihuahua Cookie ist inzwischen wieder wohlbehalten bei seinem Frauchen Petra T. in Nürnberg angekommen. Eine Schlüsselrolle spielte dabei der Stuttgarter Tierschützer Herbert Jaddatz mit seinen guten Kontakten zu den tier­lieben Leipziger Rockern.

Als die Kraftfahrerin ihren Lastwagen entlädt, wird der Hund entführt

Am Anfang stand ein ganz normaler Arbeitstag der Nürnbergerin Petra T. Sie ist Kraftfahrerin und brachte am 1. Mai Material für den Auftritt der Band Deine Lakaien nach Leipzig. Wie immer mit dabei war die treue Gefährtin der 52-Jährigen, die Hündin Cookie, ein Chihuahua. In einem kurzen ­Augenblick der Unachtsamkeit sei der Hund entführt worden. Für die Kraftfahrerin, die sehr an ihrem Tier hängt, ein herber Schlag. Sie zeigte den Fall an, und startete in den ­sozialen Netzwerken eine große Suchaktion.

Tatsächlich: Noch im Mai erhielt Cookies Frauchen erste Hinweise, dass die Chihuahuadame mit dem markanten dunklen Strich auf dem Rücken gesichtet worden sei. „Wir sind diesen Hinweisen nachgegangen“, sagt eine Sprecherin der Polizei Leipzig. Doch an der besagten Adresse habe man nie jemanden angetroffen.

Das Verfahren sei dann eingestellt worden, berichtet der Stuttgarter Tierschützer Herbert Jaddatz, Vorsitzender des Vereins „Hilfe fuer Pfoten“. Ihn verbindet nicht nur die Tierliebe mit der Nürnbergerin, sondern auch der Beruf: Jaddatz ist ebenfalls Kraftfahrer. „Ich habe mich dann bei der Generalstaatsanwaltschaft beschwert, und schließlich wurde das Verfahren wieder aufgenommen“, berichtet der Tierfreund.

Von der Polizei unbemerkt suchen mehr als 150 Hell’s Angels eine kleine Hündin

Er hatte Hinweise aus Leipzig erhalten, dass das Tierchen dort nach wie vor gesehen worden sei. Denn Jaddatz hat nicht nur Freunde auf vier Pfoten, sondern auch auf zwei Rädern: Der Stuttgarter hat sich mit dem Motorradclub Hell’s Angels in Leipzig in Verbindung gesetzt. „Die haben das Herz am rechten Fleck und helfen immer, wenn Tiere zu retten sind“, erzählt der Stuttgarter.

Mehr als 150 Biker hätten sich in Leipzig auf die Suche gemacht. Diskret, in kleinen Grüppchen und unauffälliger Kleidung – nicht im Hell’s-Angels-Look. Offenbar ist ihnen der diskrete Auftritt extrem geglückt. „Davon haben wir nichts mitbekommen“, sagt die Leipziger Polizeisprecherin.

Dem Hinweis, der auf die Beobachtungen der Hell’s Angels zurückgehen soll, ging die Polizei dann aber doch nach, als Herbert Jaddatz ihn übermittelte. „Wir haben erneut bei der Frau geklingelt“, sagt die Pressesprecherin. Endlich habe am 1. August jemand aufgemacht, als die Polizei klingelte, und auch zugegeben, einen Chihuahua in der Stadt gekauft zu haben. So konnte die Polizei Cookie im zweiten Anlauf an ihr überglückliches Frauchen zurückgeben.