Umfrage zur Landespolitik Hohes Ansehen schützt nicht vor Wechselstimmung

Von  

Zwar sonnt sich die Regierung Kretschmann in den hohen Beliebtheitswerten ihres Chefs, doch vor allem jüngere Wähler wünschen sich eine neue Regierung. Die SPD büßt auf fast allen Politikfeldern Zustimmung ein.

Claus Schmiedel, der Chef der Landtags-SPD, ist ständig bemüht um das Profil seiner Partei. Viel gefruchtet hat die Mühe bisher nicht. Foto: dpa
Claus Schmiedel, der Chef der Landtags-SPD, ist ständig bemüht um das Profil seiner Partei. Viel gefruchtet hat die Mühe bisher nicht.Foto: dpa

Stuttgart - Winfried Kretschmanns überragenden Beliebtheitswerten und der allgemeinen Zufriedenheit mit der Regierung zum Trotz zeigt sich in der Befragung eine relativ hohe Wechselstimmung. 49 Prozent der Umfrageteilnehmer sind dafür, dass Grüne und SPD weiter regieren, 46 Prozent sprechen sich für einen Regierungswechsel aus. Damit ist der Wunsch nach Veränderung in Baden-Württemberg knapp eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl fast so hoch wie im Februar 2011, damals wollten vier Wochen vor der Wahl 49 Prozent der Befragten einen Machtwechsel.

Jetzt wünschen sich 78 Prozent der CDU- und 72 Prozent der AfD-Anhänger eine andere Regierungszusammensetzung. Interessant, dass auch 19 Prozent der potenziellen SPD-Wähler für einen Regierungswechsel votieren. Bei den Grünen sind es sieben Prozent. Im Grünen-Lager sagen 92 Prozent, die Koalition sollte an der Macht bleiben, aus den Reihen der SPD sind es 78 Prozent. Aber auch 17 Prozent der CDU-Anhänger sind für eine Fortsetzung der gegenwärtigen Konstellation.

Die Demografie spricht für die Regierung. Die Koalition hat bei den Älteren mehr Rückhalt als bei den Jüngeren. Besonders stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einem Regierungswechsel bei den 18- bis 29-Jährigen (54 Prozent) und bei den 30- bis 44-Jährigen (51 Prozent). Unter den Befragten, die 60 Jahre und älter sind, sprechen sich dagegen 56 Prozent dafür aus, dass Grüne und SPD weiterregieren. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer zwischen 45 und 59 Jahren sind für die Fortsetzung, 44 Prozent von ihnen für einen Wechsel.

SPD verliert an Vertrauen

Die Themensuche für den Wahlkampf dürfte der Umfrage zufolge vor allem der SPD Kopfzerbrechen bereiten. Sie hat im Verlauf der Regierung auf nahezu allen Politikfeldern an Kompetenzzuschreibung verloren. Im März 2011 glaubten noch 25 Prozent der Befragten, die SPD bringe die Wirtschaft im Land voran, das denken jetzt nur noch 16 Prozent. Arbeitsplätze zu sichern, trauen der SPD nun 23 Prozent zu, 2011 waren es 29. In der Haushalts- und Finanzpolitik sank der Kompetenzfaktor der SPD von 31 auf 22 Prozent. Und in der Bildungspolitik glauben nicht mehr 38, sondern nur noch 26 Prozent daran, dass die SPD das gut kann.

Selbst beim sozialdemokratischen Markenkern, der sozialen Gerechtigkeit, sank die Kompetenzzuschreibung von 49 auf 37 Prozent. Dennoch ist dies das Feld, auf dem die SPD mit Abstand führt. Von den Grünen erwarten nur 16 Prozent, von der CDU nur 19 Prozent, dass sie für soziale Gerechtigkeit sorgen. Generell scheint in den Augen der Befragten die SPD in der Koalition an Problemlösefähigkeit verloren zu haben. Glaubten 2011 noch 27 Prozent, die SPD könne die wichtigsten Probleme in Baden-Württemberg lösen, so glauben es jetzt noch 15 Prozent.

Da trauen die Befragten den Grünen mehr zu: 18 Prozent sagen, sie könnten die wichtigsten Probleme lösen, das waren beim Regierungsantritt von Grün-Rot nur 14 Prozent. Kompetenzgewinne auf niedrigem Niveau verzeichnen die Grünen auch in der Wirtschaftspolitik (zwölf statt fünf Prozent) und in der Haushalts- und Finanzpolitik (zehn statt sechs Prozent). Nicht ganz erfüllt haben sie jedoch in der Regierungszeit die Erwartungen in ihrem angestammten Feld, der Umwelt- und Klimapolitik. Dort sank ihr Wert von 69 auf 65 Prozent, was dennoch im Parteienvergleich die Spitzenposition bedeutet. Die CDU kommt auf 13, die SPD auf acht Prozent.

CDU gilt auf vielen Feldern als kompetent

Generell sehen die Befragten die CDU als die kompetenteste Partei an. 38 Prozent trauen ihr zu, die wichtigsten Probleme lösen zu können, genau so viele wie 2011. Auf sechs von neun abgefragten Themengebieten erreichte die CDU die höchsten Kompetenzwerte, in der Wirtschaftspolitik 54 Prozent, bei der Arbeitsplatzsicherung 47, bei Haushalt und Finanzen 44 Prozent, Verkehr und Infrastruktur 40 Prozent, Bildungspolitik 34 Prozent (bei nur einem Punkt Verlust seit 2011). Sogar in der Asyl- und Flüchtlingspolitik bekommt die CDU mit 23 Prozent mehr Vertrauen als die SPD (22 Prozent) und die Grünen (21 Prozent).

Die Energiewende voranzubringen gilt dagegen klar als Kompetenz der Grünen (51 Prozent), hier rangiert die CDU bei 20 Prozent, die SPD kommt nur auf acht. AfD, Linke und FDP bewegen sich bei der Kompetenzzuweisung in fast allen Feldern zwischen einem und zwei Prozentpunkten. Nur die Linke kommt bei der sozialen Gerechtigkeit auf fünf Punkte und bei der Asylpolitik auf vier.

Für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf die Grafik!

Weitere Ergebnisse der StZ/SWR-Umfrage zur Landespolitik finden Sie im Landesressort!

  Artikel teilen
2 KommentareKommentar schreiben

Schade, hatt gehofft dass der rote S21 Fanklub noch stärker abrutscht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Schmiedel sei Dank ;-)

Die SPD büßt auf fast allen Politikfeldern Zustimmung ein. ---------------- so ist es eben, wenn man glaubt man müsse über jedes stöckchen springen das einem die grünen, die linken oder die cdu hinhält.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.