VfB Stuttgart Die trügerische Sicherheit

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Immer wenn der VfB Stuttgart kurz davor scheint, sich in Sicherheit zu bringen, folgt der Rückschlag. Vor dem Spiel in Darmstadt gibt es zwar keinen Grund zur Panik – größte Vorsicht aber ist dringend geboten.

Der VfB (mit Christian Gentner) hat sich unter Druck gesetzt. Foto: dpa
Der VfB (mit Christian Gentner) hat sich unter Druck gesetzt.Foto: dpa

Stuttgart - Die Schlussviertelstunde beginnt gerade erst, doch der Spion hat schon genug gesehen. Er nimmt seine Brille von der Nase und steckt den Notizblock ein, er lacht über einen letzten Scherz von Buffy Ettmayer und klopft Fritz Walter auf die Schultern. Dann verlässt er seinen Logenplatz in der Mercedes-Benz-Arena. Gut gelaunt und hoffnungsfroh begibt sich Dirk Schuster auf den Nachhauseweg.

Es dürfte dem Fußballlehrer, der früher bei den Stuttgarter Kickers arbeitete und nun mit bislang bemerkenswertem Erfolg Darmstadt 98 von den Abstiegsrängen entfernt hält, gut gefallen haben, was er bis zu seiner Abreise zu sehen bekam. Eine Heimmannschaft, die ihrem Publikum alles vorenthielt, was für einen Bundesligasieg oder wenigstens ein Unentschieden nötig ist; eine völlig chancenlose VfB-Elf, die gegen Bayer Leverkusen mit 0:2 (0:1) verlor, sich aber auch über ein halbes Dutzend Gegentreffer nicht hätte beschweren können. Als krasse Außenseiter müssen sich Schusters Darmstädter folglich nicht betrachten, wenn der VfB nach der Länderspielpause ans Böllenfalltor kommt. „Da werden Big Points vergeben“, sagt der Stuttgarter Sportchef Robin Dutt und ahnt: „Da brauchen wir eine deutlich bessere Form als gegen Leverkusen.“

In Darmstadt kommt es zum Schlüsselspiel

Ein Schlüsselspiel wird das Duell mit dem hessischen Aufsteiger nun für beide Mannschaften – und beim VfB rätseln sie, warum es so weit kommen musste. Die Gelegenheit schien besonders günstig, sich vom Tabellenkeller endgültig abzusetzen. Ein Heimspiel vor fast vollen Rängen, eine ausgeruhte eigene Mannschaft, ein hoch belasteter Gegner aus Leverkusen, den nicht nur Verletzungssorgen plagen – was sollte da schon schief gehen?

Womöglich war gerade dies das Problem. Denn die Da-kann-nach-unten-nichts-mehr-anbrennen-Stimmung war vor der Partie nicht nur im Umfeld zu spüren, sondern dummerweise auch unter den Stuttgarter Spielern selbst. Von „einer gewissen Selbstsicherheit, die der Mannschaft nicht gut getan hat“, spricht der VfB-Trainer Jürgen Kramny und will nicht bestreiten, dass es an der nötigen Einstellung gefehlt habe: „Das kann der Fall gewesen sein.“

Ein Phänomen, das regelmäßig wiederkehrt

Sie kennen sich in Stuttgart inzwischen bestens aus mit diesem Phänomen der trügerischen Sicherheit, das seit Jahren regelmäßig wiederkehrt. Und so müssen sie auch jetzt wieder damit leben, dass der Abstieg sieben Spiele vor Saisonende nicht nur rein theoretisch möglich ist. Es macht die Sache nicht einfacher, dass nicht nur Daniel Didavi und Filip Kostic ihren Abschied vorbereiten, sondern ganz offensichtlich auch Timo Werner konkrete Wechselgedanken hegt. Der Stürmer mag nicht bestätigen, dass er auch in der neuen Saison in Stuttgart spielt – obwohl Robin Dutt sein Veto regelmäßig erneuert. „Bei 200 Millionen Euro fangen wir an, darüber nachzudenken“, witzelt Robin Dutt, was immerhin ein gutes Zeichen ist: Ein bisschen Spaß darf also auch weiterhin sein.

Tatsächlich gibt es ja auch keinen Grund, plötzlich in Panik zu verfallen. Der VfB hat es weiter selbst in der Hand, die Dinge unaufgeregt und frühzeitig zu regeln; er steht mit 32 Punkten auf Platz elf, genau in jener Region also, die der Manager als Saisonziel ausgerufen hat. Verglichen mit dem Vorjahr ist es eine ausgesprochen komfortable Ausgangssituation. Damals hatte der VfB zu diesem Zeitpunkt neun Punkte weniger und war Tabellenletzter.

Das Feld liegt ganz eng beisammen

Doch gibt es daneben weitere Unterschiede zum Vorjahr, die ein paar Sorgen bereiten. Zum einen klingt der elfte Platz besser, als er in Wahrheit ist. Denn das Feld ist in der zweiten Tabellenhälfte so eng beisammen wie selten zuvor. Der erste Abstiegsplatz ist zwar bereits fest für Hannover 96 reserviert, davor aber liegen nur sechs Punkte zwischen Frankfurt auf Rang 17 und Köln auf Platz neun. „Wir müssen höllisch aufpassen“, sagt Kramny.

Zum anderen sollte sich der VfB dieses Mal besser nicht darauf verlassen, die erforderlichen Siege am Schluss einzufahren. Es sind sehr schwere Aufgaben, die Kramnys Mannschaft bevorstehen. In den nächsten beiden Heimspielen geht es gegen die Bayern und Borussia Dortmund, zum Saisonfinale geht es nach Wolfsburg.

Die noch nötigen Punkte holt man besser vorher – idealerweise schon in Darmstadt. Doch wird Dirk Schuster etwas dagegen haben. Er hat gesehen, wie einfach man den VfB schlagen kann – und in seinem Falle sollte man nicht davon ausgehen, dass er sich davon auch nur ansatzweise in Sicherheit wiegen könnte.

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15 Kommentare Kommentar schreiben

Abstiegsgefahr hoch 3: In diesem Jahr braucht man wohl 38 Punkte um sicher nicht abzusteigen. Der VfB hat es in den letzten Spielen verpasst, sich die nötigen Punkte zu sichern. Das Restprogramm ist schwierig. Wenn man sich jetzt nicht ganz schnell darauf besinnt, sich wieder dem Abstiegskampf zu widmen wird das noch ein ganz böses Ende nehmen. Es ist überraschend, wie wenige Leute dies erkennen.

Sehr richtig Herr Arnold...:: ...man wird zwar wieder einmal als Schwarzmaler, Pessimist und Nörgler beschimpft aber genau so ist es! Ich habe bereits nach der Niederlage gegen H96 betont, dass der Abstiegskampf für den VfB noch lange nicht vorbei ist. Für mich hat der VfB das schwerste Restprogramm aller Clubs im Keller und man sieht, dass mit Frankfurt und Hoffenheim die Konkurrenz stetig punktet. Die Cannstatter müssen sich dermaßen am Riemen reißen und sind meines Erachtens in Darmstadt schon zum Siegen verdammt...

Herr Arnold: doch das erkennen sehr viele Leute, nicht nur Sie. Jedoch sind 10 Mannschaften im Abstiegskampf unterwegs und nicht nur der VfB. Und an Ihren Zeilen könnte man meinen, dass 6 Punkte in 7 Spielen fast nicht zu schaffen sind. Und das ist nicht überraschend, dass es einige Leute gibt, die sicher sind, dass dies machbar ist.

Ganz normal: Keine Aufregung! Was gegen Leverkusen passiert ist, war ganz normal. Der VfB braucht halt Druck. Ganz typisch: wenn erst einmal der vielzitierte "gesicherte Mittelfeldplatz" erreicht ist, lässt die Spannung nach und der Wille auch. Das ist doch bekannt. Die Mannschaft braucht einfach diese ultimativen "KO-Spiele" wie zum Ende der letzten Saison oder wie zu Beginn einer neuen Trainerperiode. Wenn's dann mal einigermaßen läuft, kommt die Lässigkeit automatisch - und die Niederlage auch. Am allerschlimmsten sind die Spiele, von denen so eine Art Durchbruch erwartet wird. Zum Beispiel Leverkusen ("die sind müde, ersatzgeschwächt - da können wir den großen Schritt machen.") Das nächste Spiel, das mit Erwartungen überfrachtet wird ist jetzt Darmstadt. Man darf gespannt sein, wie das funktionieren wird, und ob der Druck dann hoch genug ist...

Spannung läßt nach: Richtig Herr Meichle, bin bei Ihnen. Allerdings ist das in erster Linie eine Kritik am Trainer. Es ist dessen Aufgabe zu motivieren, die Spannung hochzuhalten (Tuchel, Klopp, Schuster), da ist Kramny einfach zu lieb. Magath hätte nach der Leistung (ich hab sie im Stadion live gesehen) 22 Uhr Training anberaumt, Alte Weinsteige hoch und runter. Die Leistung war eine bodenlose Unverschämtheit vor fast vollen Haus, oder sie können es nicht besser, dann Grüß Gott 2. Liga.

werner-Kostic: wenn RB kolportierte 20 Mio bezahlt für Werner, sofort, damit bekommst du 2 sehr gute Stürmer (gutes Scouting vorausgesetzt). Didavi wird gehen, der ist zu ersetzen (Kyotake??) mit dem Werner Mios möglich. Kostic hat bis 2019 Vertrag. Sein Gehalt wesentlich erhöhen und noch ein Jahr beim VfB - dann England, dann mind. 30 Mio. Alles aber nur, wenn der VfB in der Liga bleibt und das ist noch lange nicht durch. Gegen Darmstadt kommt es darauf an, ob man für Klein etwas besseres hat (dürfte nicht so schwer sein) und wer IV spielt für Niedemeier. Mit Sunjic und Baumgartl wird die Abwehr erhblich geschwächt. Mein Gott, dass das Theater schon wieder los geht. Wo ist eigentlich H.Wahler, was trägt er dazu bei, dass der Verein wieder die Möglichkeiten bekommt, die dieser Traditionsverein beabspruchen kann. Aus meiner Sicht hat dieser Vorstand nicht das Zeug dazu. Er beschäftigt sich lieber mit der Ausgliederung der Profiabteilung zum Schnäppchenpreis für die Sponsoren.

richtig: Wir können zwar nicht immer einer Meinung sein - aber in diesem Fall schon.

Diese "Vogelperspektiven" der VfB-Verantwortlichen: ist bemerkenswert. Sie sollen nicht so eine "Vogelperspektive" annehmen, sondern dafür sorgen, daß die Mannschaft "alles gibt in jedem Spiel". Wenn Sie das nicht können, sind sie fehl amPlatze, so einfach ist das. Das Geschwafel hinterher ist doch albern, als ob diese Protagonisten an dieser Misere nicht selber schuld sind, tun sie so schwafeln, als ob es eine "andere Mannschaft" betrifft. So wird das nie etwas mit diesem Verein. Kein Mumm,Keine Willenskraft,keine Siegermentalität,Schönwetter-Kuschelfussballer sind das. Und 55 00 Zuschauer sind so dämlich dafür auch noch "Unmengen von Euros" dafür rauszuwerfen...

Herr Wiesinger: mit solchen Fans wie Sie und Ihrer Vogelperspektive wird es ganz bestimmt nichts. Haben Sie überhaupt schon mal ein VfB-Spiel live im Stadion gesehen??? Mein lieber Herr Wiesinger: es ist sehr anmaßend, 55000 Leute als dämlich zu bezeichnen!!!

Ich war...: gegen Vizekusen im Stadion. Davor noch unter Zorniger gegen Gladbach 7ter Spieltag glaub ich. Jeder mag mich für einen "Vollpfosten " halten ist mir schnurz. Aber das Abwehrverhalten empfand ich doch sehr vergleichbar. In der Offensive habe ich "gefühlt" bei A.Zorniger mehr gesehen, was aber schlussendlich nicht erfolgreicher gestaltet wurde seitens des VfB. Gut, Ginzcek war damals auch mit dabei. Insgesamt hat der VfB eben eine Mannschaft, die wenn vom Gegner aggressiv gegen den Ball gearbeitet wird, massive Probleme mit dem Spielaufbau bekommt. Vizekusen hat das klug gemacht. Und ich bin sicher, Darmstadt stellt sich keinen Deut schlechter an. Die Einwechslungen gegen Vizekusen erinnerten mich bis auf mit Abstrichen Maxim an Talentsichtung mit dem Ergebnis, das die Reife für die erste Liga eben nicht nur dadurch besser wird, das man mitspielt. Also ich hoffe auf einen gut erspielten Punkt in Darmstadt. Der VfB hat aus meiner Sicht noch 4 Spieltage, an denen er punkten kann. Mit einem positiven Ausrutscher gegen Bayern, Dortmund oder Wolfsburg. "Semmr zuversichdlich". Und nur noch eines zu Timo Werner. Lasst den spielen. Das ist ein Guter.

Ja, lasst ihn spielen und in Ruhe!: Es gibt hier im Forum eben Leute, die Optimalisten sind und von jedem Spieler immer das Tollste, Beste, etc. verlangen. Ich hab nix gegen Kritik, aber auch die hat ihre Grenzen. Schon gleich, wenn diese in wüste Beschimpfung ausartet (siehe diese Woche, als ein "Forist" die Mannschaft als "Mentalitätsgesindel" bezeichnete. Völlig daneben. So artikuliert sich nur ein "Ich-bin-ein-echter VfB-Fan-Simulant" und/oder selbsternannter Fußball-Guru. Trotzdem - schöne Ostern !!

wir wollen festhalten...: gegen Leverkuser, das war eine unterirdische Leistung von hinten bis vorn! Ich gehe einfach mal davon aus, dass die sportliche VfB-Führung das erkennt - und die richtigen Schlüsse daraus zieht. Denn ein weiter so kann es nicht geben!

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