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Villa Berg in Stuttgart Ein Schmuckstück verfällt

Jürgen Brand, 04.02.2013 11:40 Uhr

S-Ost - Die Villa Berg könnte zurzeit die perfekte Kulisse für Gruselfilme oder deprimierende Melodramen sein. Hohe Absperrzäune umgeben das einstmals prächtige Anwesen, „Baustelle. Betreten verboten! Eltern haften für ihre Kinder!“ steht auf Schildern und Plakaten an dem Metallgitter. Gebaut wird aber nicht. Vor den Türen und Fenstern im Erdgeschoss hängen Pressspanplatten, die Mauern an den Treppenaufgängen bröckeln, die Laternen davor sind zerschlagen, große Glasscherben hängen noch in den Fassungen. Über das Wasserspiel davor ist außer Regen schon lange kein Wasser mehr geplätschert. Die großen Schachspielfelder sind verwaist – aber die Partie um die Zukunft der Villa ist noch lange nicht beendet, Ausgang offen.

Seit mehr als fünf Jahren verfällt die Villa zusehends. 2007 verkaufte der Südwestrundfunk die Villa und die Fernsehstudios im Park an die Häussler-Gruppe. Der Investor Rudi Häussler wollte anstelle der Studios Wohnungen bauen, in der Villa sollte ein Wirtschaftsclub etabliert werden, inklusive exklusiver Gastronomie.

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Anfragen nach dem Stand der Dinge bleiben unbeantwortet

Daraus wurde bekanntlich nichts, weil die Häussler-Gruppe 2010 in die Insolvenz ging. Dem Insolvenzverwalter gelang es, die Villa und die ausgedienten Studiogebäude an die Düsseldorfer Projektentwickler PDI Property Development Investors GmbH zu verkaufen. Die Kaufverträge wurden Ende Dezember 2011 unterzeichnet. In den öffentlichen Diskussionen über das Thema – beispielsweise im Bezirksbeirat Stuttgart-Ost – wurde im vergangenen Jahr immer wieder betont, dass die Verträge eine Frist bis 31. Dezember 2012 enthielten, innerhalb derer der Kauf tatsächlich vollzogen werden musste.

Die PDI will die Studiogebäude innerhalb ihrer Bestandsmauern umbauen und umnutzen, zum Beispiel für Wohnzwecke. Für die Villa selbst war zuletzt immer wieder die Rede von einer Nutzung beispielsweise als Varieté-Theater. Die politische Mehrheit in der Stadt hat allerdings andere Pläne. Sie würde die Gebäude am liebsten möglichst günstig vom Insolvenzverwalter übernehmen, die leer stehenden Studios abreißen und dort die historische Parkanlage wieder herstellen. Die Villa soll öffentlich genutzt werden. So würde der Verein Neues Kommunales Kino Stuttgart aus der Villa gerne ein Haus für Film- und Medienkunst machen, andere Stimmen fordern eine ganz öffentliche Nutzung mit Gastronomie und Veranstaltungsräumen.

Die erwähnte Frist ist inzwischen verstrichen, ohne dass etwas passiert ist. Während der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost, Martin Körner, davon ausgeht, dass die Stadtverwaltung nun aktiv wird, gehen dort andere Gerüchte um. Demnach sollen der Insolvenzverwalter und die PDI sich auf eine Fristverlängerung geeinigt haben. Allerdings hat es nach Angaben von Baubürgermeister Matthias Hahn schon seit Wochen keinen direkten Kontakt mehr zwischen der Stadt und Insolvenzverwalter oder Investor gegeben. Auch Anfragen dieser Zeitung dort nach dem Stand der Dinge blieben bisher unbeantwortet.

 
 
Kommentare (24)
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FEB
06
Steuerzahler, 13:07 Uhr

@Quintilius

Die Kräfte des marktes waren nicht das Problem. Sondern die Tatsache, dass die Villa zu einem Ensemble mit den alten Studiobauten des SWR gehört. Und die Investoren können die Villa samt zugehörigem Park nur dann restaurieren, wenn sie wie in der ursprünglichen Planung auf der Fläche der ehemaligen SWR-Bauten eine andere Nutzung umsetzen können. z.B. eben eine Wohnbebauung im höherpreisigen Segment. Die Stadt Stuttgart hat es in den letzte Jahren ja nicht mal geschafft, den Teil des parks in einem vernünftigen Zustand zu halten, für den sie verantwortlich ist. Mir ist deshalb schleiehaft, wie die Stadt die Abbruchkosten für die alten SWR-Bauten, die Kosten für eine Restaurierung und den dann laufenden Unterhalt der Villa und die Restaurierung und den laufenden Unterhalt der Außenanlagen (incl. Wasserspiele) und des Parks finanzieren will. Alles das wäre von privater Hand finanziert worden, wenn man einfach akzeptiert hätte, dass dort wo der SWR bisher seine Gebäude stehen hat(t)e jetzt eben Wohnungen gebaut werden. Und das wollten die ökologisch bewegten nicht mit der Folge, dass es kein Gesamtkonzept für den Park gab. Ach ja. Die Villa ist übrigens innen drin zwischenzeitlich so runtergekommen, dass da auch mit Denkmalschutz des alten Saales etc. nicht mehr viel zu holen ist... Noch 1-2 Winter in dem Zustand, und das fällt von selbst zusammen.

FEB
05
karle, 11:27 Uhr

stuttgart unfähigkeit für ästhetik

es zeigt leider nur nun offensichtlich, dass stuttgarts gemeinderat, stadtplaner und der ob kein bewusstsein für historische gebäude mit ihrer geschichte haben. ebenso auch kein ästhetikempfinden hier liebevolle gebäude und plätze und parks zu errichten. die villa berg ist ein symbol für den sträflichen und fahrlässigen umgang mit historischen denkmälern, die eine geschichte erzählen. stattdessen liegt der fokus in stuttgart auf geschichtslose stadtautobahnen und austauschbare industriearchitektur mit flachdachbauten. so kann man kein angenehmes stadtklima und lebensgefühl mehr erzeugen. es wird zwingend eine wende notwendig.

FEB
04
bekien, 19:02 Uhr

Kostbarkeiten die ungeachtet dahinfaulen

Das verhält sich hier, als würde die 'Mona Lisa im Kartoffelkeller' abgehängt werden. Ist bestimmt bald die Abrissbirne bestellt, oder ohne dass man es als Bürger weis, unter der Hand verzockt. Die Macher und Verantwortlichen gehören verhaftet (EX-CDU)! Mein Stuttgart fault vor sich hin und nutzloser Dreck wird überschuldet aus dem Fußboden gestampft!

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