Wasserversorgung in Stuttgart EnBW will beim Wasser im Boot bleiben

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Die Stadt Stuttgart plant, die Leitungsnetze zurückzukaufen und wieder selbst zu betreiben. Doch: wie "böse" sind die privaten Versorger wirklich?

Lebenselixier Wasser: im Südwesten ist die Versorgung eine kommunale Aufgabe. Foto: dpa
Lebenselixier Wasser: im Südwesten ist die Versorgung eine kommunale Aufgabe. Foto: dpa

Stuttgart - Die Rolle der Bösewichte ist klar zugeteilt: In "Fremde Wasser", dem Krimi des Stuttgarter Autors Wolfgang Schorlau rund um die Geldhaie der Wasserversorgung, zünden die Mitarbeiter der privaten Firma VEB freudestrahlend kubanische Cohibas an, als sie erfahren, dass sie die Hamburger Wasserwerke übernehmen können. Das Programm zur Gewinnmaximierung startet sofort. Alle Investitionen in das Leitungsnetz werden gestoppt, die Forschung wird eingestellt, alle Immobilien werden verkauft, und der Wasserpreis steigt um 30 Prozent: "Hamburg wird ein riesiges Geschäft."

Tatsächlich haben viele Menschen ein mulmiges Gefühl, wenn das mit Abstand wichtigste Lebensmittel in die Hände von Privatfirmen gerät. Auch die Stadt Stuttgart wird ihren Fehler, die Wasserversorgung im Jahr 2002 an die Energie Baden-Württemberg (EnBW) verkauft zu haben, jetzt rückgängig machen - auch auf Druck des Stuttgarter Wasserforums, das vergangenes Jahr 27.000 Unterschriften gesammelt hatte. Doch wie sieht die Wirklichkeit auf dem Wassermarkt in Deutschland aus?

 Private Unternehmen bei der Wasserversorgung auf dem Vormarsch

Stuttgart ist eigentlich ein Unikat im Südwesten. Denn hierzulande gibt es kaum eine Kommune, deren Bürger ihr Trinkwasser von einem Privatunternehmen erhalten. Vielmehr überwiegt die kommunale Struktur: Die beiden größten Wasserlieferanten - die Bodensee- und die Landeswasserversorgung - sind öffentliche Zweckverbände; und auch die Verteilung erfolgt fast ausschließlich über kommunale Stadtwerke. Maria Quignon, die Sprecherin der Bodenseewasserversorgung, lobt diese Struktur: "Am Niveau der kommunalen Versorgung sieht man, dass das Wasser in guten Händen ist."

Richtig ist aber, dass die privaten Unternehmen auf dem Vormarsch sind. Im Jahr 1993 waren 78 Prozent der Versorger noch öffentlich-rechtliche Einrichtungen, heute sind es noch etwa 58 Prozent. Zu den privaten gehören jedoch auch viele Stadtwerke, die aus betriebswirtschaftlichen Gründen als GmbH firmieren. Die EnBW ist im Südwesten jedenfalls der einzige Privatkonzern auf dem Wassermarkt, nur in Stuttgart aktiv und seit dem Ausstieg der Électricité de France nicht einmal mehr richtig privat. Die EnBW leitet daneben einige Wasserbetriebe, die Zweckverbänden gehören, wie etwa die Filderwasserversorgung.