Wilhelma Villa der Gorillas wird noch teurer

Von  

Der Zoo setzt große Hoffnungen ins neue Menschenaffenhaus. Derzeit bereitet die Anlage erneut Sorgen. Sie verteuert sich – nicht zum ersten Mal.

Das Affenhaus nimmt Gestalt an. Foto: Achim Zweygarth
Das Affenhaus nimmt Gestalt an.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Wenn in der Stuttgarter Wilhelma ein Tier des Jahres gewählt würde, hätte die Wühlmaus auch in diesem Jahr gute Chancen auf den Titel. Unterhalb des Schaubauernhofs dominiert eine gewaltige Baustelle den zoologisch-botanischen Garten: Wo noch im Herbst die beiden Elefantendamen rüsselwippend durch ihre Außenanlage liefen, haben nun Bagger alles umgegraben – bis April soll aus der Baugrube die neu gestalte Freiluftanlage emporwachsen: Die Besucher bekommen eine Tribüne, die Elefantendamen einen Pool und neue Pflanzen aus ihrer asiatischen Heimat.

Doch während bei dieser Baumaßnahme, die letztendlich rund 1,2 Millionen Euro kosten soll, alles weitgehend wie geplant läuft, ist gleich nebenan die Problembaustelle der Wilhelma zu besichtigen: Hier entsteht das neue Menschenaffenhaus mitsamt der Außenanlage, durch die eigentlich schon längst Gorillas und Bonobos turnen sollten. Doch beim neuen Haus für afrikanische Menschenaffen knirscht es gewaltig – und erneut deutet sich an, dass die Kosten noch höher ausfallen könnten, als jene 17 Millionen Euro, von denen zuletzt die Rede war.

Noch teurer als 17 Millionen Euro

Bei der Jahresbilanzpressekonferenz der Wilhelma am Donnerstag wand sich der Zoodirektor Dieter Jauch vor einer Stellungnahme: „Die Menschenaffenanlage ist eine Baumaßnahme, die nicht von uns durchgeführt wird“, sagte Jauch und verwies auf das für den Zoo zuständige Finanzministerium und die Bauverwaltung. Ein Sprecher des Finanzministeriums räumte auf Anfrage der StZ ein, dass der Neubau offensichtlich noch teurer wird als 17 Millionen Euro. Eine genaue Zahl wollte er nicht nennen. Der Sprecher verwies auf die anstehenden Haushaltsberatungen des Landes, bei denen auch über diesen Etatposten entschieden werde.

Es könnten schwierige Gespräche werden: Ursprünglich hatte Dieter Jauch 13 Millionen Euro als Schmerzgrenze bei den Baukosten angegeben. Als 2009 die Finanzierung endgültig gesichert war, sollte das Projekt 14,5 Millionen Euro kosten. Dann stieg die Kostenschätzung auf 15 und schließlich auf 17 Millionen Euro. Die Angelegenheit geriet nur deshalb nicht aus den Fugen, weil der Förderverein des Zoos immer mehr Geld zusagte. Derzeit beläuft sich die Co-Finanzierung aus den Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen auf 9,5 Millionen Euro. Der Betrag war unlängst noch einmal um eine Million aufgestockt worden, doch eine weitere Aufstockung schließt Georg Fundel, der Vorsitzende des Fördervereins, aus: „Wir stopfen keine weiteren Löcher.“

  Artikel teilen
9 KommentareKommentar schreiben

Das ist systembedingt: Die Kosten können bei keinem Großprojekt eingehalten werden, da die Berechnung zu niedriger Kosten im System der Ausschreibungen zugrunde liegt. Um Korruption zu minimieren, soll diejenige Firma den Auftrag bei öffentlichen Ausschreibungen erhalten, welche das beste Kostenverhältnis in Bezug auf die Leistungen bietet. Letztendlich wird dies immer reduziert auf den Preis. Also bietet man halt einfach mal günstiger an, um die Konkurrenz zu unterbieten. Später findet sich dann immer etwas, das die höheren Kosten legalisiert (Verzögerungen am Bau, Inflation, etc. etc.). Der totale Blödsinn und Auswuchs des kelinkarierten Regulierungswahns unter so mancher Regierung (ich schätze mal das wird zu rot-grünen Zeiten passiert sien). Also: ich hätte viel lieber wieder ein wenig 'Beziehungswirtschaft', aber dafür Bauten, die nicht zu Unfällen führen (U-Bahn Köln) und eingehaltene Kosten.

Auch hier: der 'point of no return' ist überschritten.: Und jetzt kann es kosten, was immer es will. Aufhören kann man nicht mehr. Hier sind es Millionen - bei der Elbphilharmonie auch. Bin neugierig, wie viele Milliarden es bei Stuttgart 21 mehr sein werden!

mein Vorschlag:: Hört auf zu planen. Schon die Planerei kostet sehr viel Geld. Das kann laut der Honorarordnung für Arch und Ing HOAI leicht über 20 % der Bausumme ausmachen. Lasst die ganze Kalkuliererei einfach weg. Bei der öffentlichen Hand liegen die tatsächlichen gegenüber den kalkulierten Baukosten schon mal mind. 50% bis zu mehr als 200% höher (Elbphilharmonie). Lasst so ein Projekt bitte Profis bauen. Wenn Daimler ein Motorenwerk baut, dann wird das zum geplanten Zeitpunkt zu fast den geplanten Kosten fertig. Das Meisterstück entsteht z. Zt. am Bahnhof. Wer Plant 3,2 Mio m3 Wasserentnahme, wenn jetzt über 6 Mio gefordert werden? Wer sagt mir, dass nach dem ersten Baggerloch niemand kommt und sagt: Wir brauchen 15 Mio. m3 ? Grabt ein Loch, aber groß genug, dass man die ganze Bande angefangen bei Grube hineinjagen kann. Dann bauen wir eine Tribüne und verkaufen das Ganze als die Aussenstelle der Wilhelma mit dem Gehege für Menschenaffen. Wäre win - win!

Fachleute fehlen.: Diese Projekt hätte die Bahn planen und bauen sollen. Die hält die Kostenobergrenze garantiert ein.

Was will man mehr?!?: Wo sind sie denn jetzt?!? Die Anti-Demokraten vom Bahnhof. Hier wäre doch auch Grund für eine Demo !!!!!! Ein Großprojekt das aus dem Ruder läuft!!! Da hätten alle was davon - Sittler, Rockenbach und Co haben weiter was zu tun - die Wihelma hätte durch die vielen Berufsdemonstranten klasse Einnahmen und wenn man es genau betrachtet ist es ja auch ein grünes Projekt!!! Also was will man mehr????

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.