Wilhelma Villa der Gorillas wird noch teurer

Erik Raidt, 13.01.2012 15:43 Uhr

Stuttgart - Wenn in der Stuttgarter Wilhelma ein Tier des Jahres gewählt würde, hätte die Wühlmaus auch in diesem Jahr gute Chancen auf den Titel. Unterhalb des Schaubauernhofs dominiert eine gewaltige Baustelle den zoologisch-botanischen Garten: Wo noch im Herbst die beiden Elefantendamen rüsselwippend durch ihre Außenanlage liefen, haben nun Bagger alles umgegraben – bis April soll aus der Baugrube die neu gestalte Freiluftanlage emporwachsen: Die Besucher bekommen eine Tribüne, die Elefantendamen einen Pool und neue Pflanzen aus ihrer asiatischen Heimat.

Doch während bei dieser Baumaßnahme, die letztendlich rund 1,2 Millionen Euro kosten soll, alles weitgehend wie geplant läuft, ist gleich nebenan die Problembaustelle der Wilhelma zu besichtigen: Hier entsteht das neue Menschenaffenhaus mitsamt der Außenanlage, durch die eigentlich schon längst Gorillas und Bonobos turnen sollten. Doch beim neuen Haus für afrikanische Menschenaffen knirscht es gewaltig – und erneut deutet sich an, dass die Kosten noch höher ausfallen könnten, als jene 17 Millionen Euro, von denen zuletzt die Rede war.

Noch teurer als 17 Millionen Euro

Bei der Jahresbilanzpressekonferenz der Wilhelma am Donnerstag wand sich der Zoodirektor Dieter Jauch vor einer Stellungnahme: „Die Menschenaffenanlage ist eine Baumaßnahme, die nicht von uns durchgeführt wird“, sagte Jauch und verwies auf das für den Zoo zuständige Finanzministerium und die Bauverwaltung. Ein Sprecher des Finanzministeriums räumte auf Anfrage der StZ ein, dass der Neubau offensichtlich noch teurer wird als 17 Millionen Euro. Eine genaue Zahl wollte er nicht nennen. Der Sprecher verwies auf die anstehenden Haushaltsberatungen des Landes, bei denen auch über diesen Etatposten entschieden werde.

Es könnten schwierige Gespräche werden: Ursprünglich hatte Dieter Jauch 13 Millionen Euro als Schmerzgrenze bei den Baukosten angegeben. Als 2009 die Finanzierung endgültig gesichert war, sollte das Projekt 14,5 Millionen Euro kosten. Dann stieg die Kostenschätzung auf 15 und schließlich auf 17 Millionen Euro. Die Angelegenheit geriet nur deshalb nicht aus den Fugen, weil der Förderverein des Zoos immer mehr Geld zusagte. Derzeit beläuft sich die Co-Finanzierung aus den Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen auf 9,5 Millionen Euro. Der Betrag war unlängst noch einmal um eine Million aufgestockt worden, doch eine weitere Aufstockung schließt Georg Fundel, der Vorsitzende des Fördervereins, aus: „Wir stopfen keine weiteren Löcher.“