In einem Jahr eröffnen die beiden neuen Einkaufszentren Milaneo und Gerber in Stuttgart. Dort soll wohl auch ein Apple-Store einziehen. Während die Einzelhändler vor einem Abwandern der Kunden warnen, befürchtet OB Fritz Kuhn mehr Verkehr in der City.

Stuttgart - Stuttgarts zwei zusätzliche Shopping-Center wachsen in den Himmel. Das Milaneo an der Ecke Heilbronner und Wolframstraße und das Gerber zwischen Tübinger Straße und Paulinenbrücke sollen im Herbst 2014 eröffnen. Ein Jahr vor diesem Termin stechen auffallend viele Gemeinsamkeiten zwischen den Projekten ins Auge. City-Initiative und Handelsverband beurteilen die Einkaufszentren hingegen sehr unterschiedlich.

 

„80 Prozent der Einkaufsflächen sind schon jetzt vermietet.“ Dieser Satz stammt sowohl von Frank Lebsanft als auch von Christian Stamerjohanns. Erster ist Pressesprecher beim Projektentwickler Phoenix, der Zweite ist der Sprecher der ECE. Lebsanft spricht über das Gerber, Stamerjohanns vom Milaneo. Beide sind mit dem aktuellen Stand ausgesprochen zufrieden. „Im Vergleich mit anderen Projekten ist das ein sehr guter Wert“, betont Stamerjohanns.

Großes Geheimnis um die Mieterliste

Doch damit enden die Gemeinsamkeiten noch nicht. Beide Konzerne machen um die Namen neuer und hochkarätiger Mieter ein Geheimnis. Beide betonen, der gleiche Eröffnungstermin sei keine Absicht und lediglich den Abläufen auf der Baustelle geschuldet. Außerdem sehe man sich nicht als Konkurrenz.

Dabei liegen die Unterschiede auf der Hand. Das Milaneo wird das größte Einkaufszentrum der Region – 200 Ladengeschäfte und Lokale sollen darin Platz finden. Dagegen wird es im Gerber 85 Geschäfte geben. Und: „Wir zielen stark auf Kunden aus dem Umland“, sagt Christian Stamerjohanns. Das Milaneo wird als Einkaufszentrum für Menschen mit Auto geplant. „Wir bauen 1680 Parkplätze“, so Stamerjohanns, „davon gehen dann einige Hundert für die Bewohner des Quartiers sowie die Hotelgäste und Büronutzer ab.“

„Unser Einzugsbereich ist zum einen das Heusteig- und das Gerberviertel“, erklärt dagegen Frank Lebsanft, „außerdem sehen wir die Marienstraße künftig als Verlängerung der Königstraße, und die führt vor das Gerber.“ Zwar werden auch dort insgesamt 850 Stellplätze – 700 davon unterirdisch – geschaffen, doch rechnen die Planer mit deutlich mehr Kunden, die zu Fuß in der Innenstadt unterwegs sind, als das beim Milaneo der Fall ist.

OB Fritz Kuhn sieht die Entwicklung kritisch

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sieht die beiden Einkaufszentren kritisch: „Ich habe immer meine Zweifel geäußert, ob das wirklich sinnvoll ist. Für den Einzelhandel in den traditionellen Einkaufsstraßen in der City wird sich der Druck erhöhen. Die müssen an Attraktivität mithalten, wenn nicht besser werden. Nichts wäre schlimmer als eine verwaiste Innenstadt, aber dafür Autoschlangen vor den Einkaufszentren.“

Kritik kommt ebenfalls vom Handelsverband Baden-Württemberg. Die Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann fragt: „Wo soll die zusätzliche Kaufkraft denn herkommen?“ Sie stellt folgende Rechnung auf: „Gerber und Milaneo haben zusammen knapp 70 000 Quadratmeter Einkaufsfläche. Im Schnitt rechnet man bei ECE mit einem Umsatz von 3000 Euro pro Quadratmeter im Jahr. Das ergibt 210 Millionen Euro“, betont Hagmann.

„Wir haben uns immer gegen das Milaneo gewehrt“, sagt die Chefin des Handelsverbands, „jetzt müssen sich die Händler in der Stadt eben entsprechend vorbereiten, denn wir wollen die Kunden in der City halten.“ Die Angst der Einzelhändler bringt Hagmann auf folgende Formel: „Wer mit dem Auto ins Milaneo fährt, bleibt dort und macht sich kaum noch in die Innenstadt auf.“ Das Gerber hält Hagmann hingegen für besser in den Stadtbezirk und die Innenstadt eingebunden.

City-Managerin fordert neue Angebote

Ähnlich beurteilt Stuttgarts City-Managerin Bettina Fuchs die Situation: „Die obere Königstraße und die Marienstraße werden aufgewertet“, sagt sie, „das Gerber sehen wir nicht kritisch.“ Das Milaneo bezeichnet Fuchs dagegen als „Solitär vor den Toren der Stadt“.

Die City-Managerin will über die langfristigen Chancen der beiden Einkaufszentren allerdings nicht vorschnell urteilen: „Die Kunden müssen schlussendlich entscheiden, wo es ihnen am besten gefällt.“ Ein entscheidendes Kriterium sei, neue Angebote zu schaffen. „Wir brauchen nicht immer wieder dasselbe in Stuttgart“, sagt Fuchs. In diesem Zusammenhang nennt die City-Managerin dann aber noch ein Argument, das für das Milaneo spricht – und gewährt einen kurzen Blick auf die eigentlich streng geheime Mieterliste: „Dort soll wohl ein Apple-Store einziehen“, sagt sie.