Der VfB-Sieg in Hoffenheim Kleiner Schrittmit großer Wirkung

Marko Schumacher, 18.02.2013 17:05 Uhr

Hoffenheim - Eine schlechte Nacht liegt hinter Martin Harnik – trotz des Sieges in Hoffenheim oder gerade deshalb. Er habe wenig geschlafen, berichtet der VfB-Angreifer, weil ihn zum einen schwere Beine geplagt hätten und zum anderen „noch zu viel Adrenalin“ in seinem Körper gewesen sei. Verständlich, denn Harnik musste lange warten, bis er sich wieder einmal als strahlender Sieger ins Bett legen durfte.

Der 1:0-Sieg am Sonntagabend bei der entsetzlich schwachen TSG 1899 Hoffenheim, den der Österreicher mit seinem frühen Treffer sichergestellt hat – er bringt dem VfB die größtmögliche Erleichterung. Es war zwar alles andere als eine berauschende Leistung, die die Stuttgarter boten; es war nicht mehr als „ein erster ­kleiner Schritt in die richtige Richtung“, wie der Manager Fredi Bobic resümiert. Umso größer ist dafür die Wirkung dieses nicht besonders schön anzusehenden Auswärtssieges.

Der Abstiegskampf ist wieder beendet

Nach zuvor fünf Niederlagen hintereinander drohte der VfB mitten in den Abstiegsstrudel hineingezogen zu werden. Bis auf sechs Punkte hätte Hoffenheim den Lokalrivalen an den Relegationsplatz heranholen können. Stattdessen beträgt der Abstand auf Rang 16 nun stolze zwölf Zähler. Der Abstiegskampf ist somit wieder beendet, noch ehe er so richtig begonnen hat. „Wir sind zwar noch nicht durch, aber das ist ein schönes Polster“, sagt Harnik: „Wir haben uns wieder ins Mittelfeld abgesetzt.“

Zwar hinkt der Verein auch als Zwölfter den eigenen Ansprüchen weit hinterher, und von dem attraktiven Offensivfußball, den der Trainer Bruno Labbadia gerne propagiert, ist seit geraumer Zeit wenig bis nichts zu sehen. Doch hat der VfB das Glück, noch im DFB- und Europapokal vertreten zu sein. Und die neue Tabellensituation erlaubt es nun, sich vorerst ganz auf diese beiden Wettbewerbe zu konzentrieren, in denen der VfB die Chance hat, diese Saison der vielen Tiefen zu retten. Das ist der zweite positive Nebeneffekt des ersten Sieges in diesem Kalenderjahr.

Am Donnerstag geht es in Genk weiter

„Wir haben zwei Riesenmöglichkeiten, das muss uns bewusst sein“, sagt Harnik. Morgen macht sich die Mannschaft auf die Reise nach Belgien, wo sie am Donnerstag gegen den KRC Genk das Rückspiel im Sechzehntelfinale der Europa League bestreitet. Das späte Gegentor zum 1:1 in der vergangenen Woche hat zwar die Chancen zum Weiterkommen deutlich verringert, das Erfolgserlebnis in Hoffenheim aber hat den Spielern den Glauben daran zurückgegeben, trotzdem in die Runde der letzten 16 Teams einzuziehen. „Wenn wir auch dort so kompakt stehen und so wenige Fehler machen, werden wir es schaffen“, sagt der Mittelfeldspieler Christian Gentner. Und es dürfte nicht zum Nachteil des VfB sein, dass sich Jelle Vossen, der Kapitän und beste Spieler der Belgier, am Knöchel verletzt hat und daher ausfallen wird.

Von noch größerer Bedeutung als die Europa League ist für den VfB der DFB-Pokal. Gegen den Zweitligisten VfL Bochum besitzen die Stuttgarter nächste Woche die große Chance, in das Halbfinale einzuziehen. Nur ein weiterer Sieg wäre dann noch nötig, um nach Berlin zu kommen – und sich unter Umständen erneut für die Europa League zu qualifizieren, was auf dem normalen Wege sehr unwahrscheinlich ist. Der Finaleinzug würde dafür schon reichen, wenn dort entweder die Bayern oder Borussia Dortmund der Gegner sind, die sich bereits im Viertelfinale duellieren.

„Jeder hat sich den Hintern aufgerissen“

Gerade rechtzeitig vor diesen wichtigen Pokalspielen hat der VfB seinen freien Fall also gestoppt – und zumindest gezeigt, dass die Mannschaft trotz aller Probleme intakt ist. Schon vor dem Anpfiff ging sie geschlossen in den Fankurve, um sich und dem eigenen Anhang Mut zu machen. Und auch im Spiel ließ sie keinen Zweifel daran, diesmal fest entschlossen zu sein, die Negativserie zu beenden. „Eine Mannschaft, die sich aufgegeben hat, sieht anders aus“, sagt Bobic: „Man hat schon in der Kabine gespürt, dass sie den Bock unbedingt umstoßen will. Jeder hat sich den Hintern aufgerissen.“

„Es war nur eine Frage der Zeit, dass wir da rauskommen“, sagt Harnik, einer von jenen, die in Hoffenheim ihr wochenlanges Formtief zumindest vorübergehend beendet haben. Man habe innerhalb der Mannschaft nie Hektik aufkommen lassen, es sei ganz wichtig gewesen, „dass die Führungsspieler die Ruhe bewahrt haben“. Und ein Dankeschön schickt der Österreicher auch an die sportliche Leitung, die sich in den Tagen vorher demonstrativ vor ihn gestellt hatte: „Es tut gut zu wissen, dass man auch mal schlechtere Phasen haben darf.“