Der VfB-Sieg in Hoffenheim Kleiner Schrittmit großer Wirkung

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Große Erleichterung beim VfB: der 1:0-Sieg in Hoffenheim ermöglicht dem Club, sich vorerst ganz auf die Pokalwettbewerbe zu konzentrieren.

Christian Gentner (links) und Martin Harnik dürfen wieder jubeln. Foto: dpa 17 Bilder
Christian Gentner (links) und Martin Harnik dürfen wieder jubeln.Foto: dpa

Hoffenheim - Eine schlechte Nacht liegt hinter Martin Harnik – trotz des Sieges in Hoffenheim oder gerade deshalb. Er habe wenig geschlafen, berichtet der VfB-Angreifer, weil ihn zum einen schwere Beine geplagt hätten und zum anderen „noch zu viel Adrenalin“ in seinem Körper gewesen sei. Verständlich, denn Harnik musste lange warten, bis er sich wieder einmal als strahlender Sieger ins Bett legen durfte.

Der 1:0-Sieg am Sonntagabend bei der entsetzlich schwachen TSG 1899 Hoffenheim, den der Österreicher mit seinem frühen Treffer sichergestellt hat – er bringt dem VfB die größtmögliche Erleichterung. Es war zwar alles andere als eine berauschende Leistung, die die Stuttgarter boten; es war nicht mehr als „ein erster ­kleiner Schritt in die richtige Richtung“, wie der Manager Fredi Bobic resümiert. Umso größer ist dafür die Wirkung dieses nicht besonders schön anzusehenden Auswärtssieges.

Der Abstiegskampf ist wieder beendet

Nach zuvor fünf Niederlagen hintereinander drohte der VfB mitten in den Abstiegsstrudel hineingezogen zu werden. Bis auf sechs Punkte hätte Hoffenheim den Lokalrivalen an den Relegationsplatz heranholen können. Stattdessen beträgt der Abstand auf Rang 16 nun stolze zwölf Zähler. Der Abstiegskampf ist somit wieder beendet, noch ehe er so richtig begonnen hat. „Wir sind zwar noch nicht durch, aber das ist ein schönes Polster“, sagt Harnik: „Wir haben uns wieder ins Mittelfeld abgesetzt.“

Zwar hinkt der Verein auch als Zwölfter den eigenen Ansprüchen weit hinterher, und von dem attraktiven Offensivfußball, den der Trainer Bruno Labbadia gerne propagiert, ist seit geraumer Zeit wenig bis nichts zu sehen. Doch hat der VfB das Glück, noch im DFB- und Europapokal vertreten zu sein. Und die neue Tabellensituation erlaubt es nun, sich vorerst ganz auf diese beiden Wettbewerbe zu konzentrieren, in denen der VfB die Chance hat, diese Saison der vielen Tiefen zu retten. Das ist der zweite positive Nebeneffekt des ersten Sieges in diesem Kalenderjahr.

Am Donnerstag geht es in Genk weiter

„Wir haben zwei Riesenmöglichkeiten, das muss uns bewusst sein“, sagt Harnik. Morgen macht sich die Mannschaft auf die Reise nach Belgien, wo sie am Donnerstag gegen den KRC Genk das Rückspiel im Sechzehntelfinale der Europa League bestreitet. Das späte Gegentor zum 1:1 in der vergangenen Woche hat zwar die Chancen zum Weiterkommen deutlich verringert, das Erfolgserlebnis in Hoffenheim aber hat den Spielern den Glauben daran zurückgegeben, trotzdem in die Runde der letzten 16 Teams einzuziehen. „Wenn wir auch dort so kompakt stehen und so wenige Fehler machen, werden wir es schaffen“, sagt der Mittelfeldspieler Christian Gentner. Und es dürfte nicht zum Nachteil des VfB sein, dass sich Jelle Vossen, der Kapitän und beste Spieler der Belgier, am Knöchel verletzt hat und daher ausfallen wird.

Von noch größerer Bedeutung als die Europa League ist für den VfB der DFB-Pokal. Gegen den Zweitligisten VfL Bochum besitzen die Stuttgarter nächste Woche die große Chance, in das Halbfinale einzuziehen. Nur ein weiterer Sieg wäre dann noch nötig, um nach Berlin zu kommen – und sich unter Umständen erneut für die Europa League zu qualifizieren, was auf dem normalen Wege sehr unwahrscheinlich ist. Der Finaleinzug würde dafür schon reichen, wenn dort entweder die Bayern oder Borussia Dortmund der Gegner sind, die sich bereits im Viertelfinale duellieren.

„Jeder hat sich den Hintern aufgerissen“

Gerade rechtzeitig vor diesen wichtigen Pokalspielen hat der VfB seinen freien Fall also gestoppt – und zumindest gezeigt, dass die Mannschaft trotz aller Probleme intakt ist. Schon vor dem Anpfiff ging sie geschlossen in den Fankurve, um sich und dem eigenen Anhang Mut zu machen. Und auch im Spiel ließ sie keinen Zweifel daran, diesmal fest entschlossen zu sein, die Negativserie zu beenden. „Eine Mannschaft, die sich aufgegeben hat, sieht anders aus“, sagt Bobic: „Man hat schon in der Kabine gespürt, dass sie den Bock unbedingt umstoßen will. Jeder hat sich den Hintern aufgerissen.“

„Es war nur eine Frage der Zeit, dass wir da rauskommen“, sagt Harnik, einer von jenen, die in Hoffenheim ihr wochenlanges Formtief zumindest vorübergehend beendet haben. Man habe innerhalb der Mannschaft nie Hektik aufkommen lassen, es sei ganz wichtig gewesen, „dass die Führungsspieler die Ruhe bewahrt haben“. Und ein Dankeschön schickt der Österreicher auch an die sportliche Leitung, die sich in den Tagen vorher demonstrativ vor ihn gestellt hatte: „Es tut gut zu wissen, dass man auch mal schlechtere Phasen haben darf.“

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20 KommentareKommentar schreiben

@Craigmaster -: Sie sprechen mir aus der Seele. Danke! Der Unterschied zwischen bspw. BVB, Freiburg, Mainz und dem VfB sind nicht die schlechteren Spieler, sondern das Führungspersonal, dass die Spieler nicht nur aufstellt, sondern auch einstellt. Stichworte: Motivation, Selbstvertrauen, Spielkonzept etc. Hier in den Kommentaren werden z.B. Okazaki, Harnik, Molinaro, Sakai, Kvist etc. (die Liste kann beliebig fortgesetzt werden) oft hart kritisiert. Diese Spieler haben aber ausnahmslos stark begonnen als sie zum VfB kamen. Tasci war mal im erweiterten N11-Kreis. Klar, einzelne Spieler haben immer und in jedem Verein auch mal ein Leistungsloch. Aber es können doch nicht alle gleichzeitig das Fussballspielen völlig verlernt haben. Hier stimmt doch etwas grundsätzliches nicht. Ich behaupte, auch im Fussball wird ein Großteil der Leistung im Kopf entschieden. In Freiburg hat es C. Streich geschafft, ein postitives Umfeld zu schaffen und den Spielern Selbstvertrauen zu geben. Das wirkt sich aus. Beim VfB empfinde ich aber überwiegend 'negative Schwingungen' (Aussagen zu fehlender Qualität; für Erfolg brauchen wir neue/erfahrene Spieler; Jungspieler sind derzeit nicht besser; nur wenn wir Leistungsgrenze erreichen, bleiben wir oben etc. etc.). Hier muss m.E. zwangsläufig das Selbstvertrauen und die Motivation sinken. In einzelnen Phasen (bspw. Rückrunden) haben Siegesserien geholfen, aus denen die Spieler dies schöpfen konnten. Wie gut ein Führungssystem ist, zeigt sich aber erst, wenn es mal nicht so läuft...

@ Rote Lanze: Mit Verlaub, aber ich bin skeptisch ob Vergleiche mit dem BVB zielführend sind. Denn wenn Sie sich freuen, dass unsere nicht tauglichen Nachwuchsspieler noch Geld aus Hoffenheim und sonstwoher bringen, sollten Sie sich überlegen, wohin die nicht tauglichen Fussballer des BVB u.a. gegangen sind (Hajnal). Und zum Thema 'Fussballer aus Polen' wollte ich sie kurz erinnern, dass die gar nicht mehr nach Stuttgart kommen (Milik). Der BVB hat ein Konzept und ist auf der Höhe der Zeit (bspw. den Footbonauten), das ist kein Zufall, dass die so gut sind, auch wenn der BL wahrscheinlich bis heute darauf hofft. Mein Punkt ist allerdings ein ganz anderer: Man hat sich beim VfB eine sehr teure Truppe zusammengeholt. Das Ergebnis ist in Relation hierzu sehr bescheiden. Ich will z.B. dem Vedad Ibisevic seine Qualität nicht absprechen aber was er davon derzeit abruft ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel. Die Laufwege stimmen nicht, die Chancenauswertung ist seit vielen Spielen mies und wie er gegen Hoffenheim am Sonntag in der zweiten Halbzeit gefühlte Ewigkeiten im Abseits steht und dann auch noch den Ball fordert treibt eine vor dem Fernseher zur Verzweiflung! Der Unterschied zu Freiburg, Mainz, Hannover, etc. ist nicht wie BL immer behauptet die Qualität der Spieler (Holzhauser ist ein toller Fussballer) sondern der Umgang mit ihnen und die Frage ob die Mannschaft einen Plan hat. Der SC Freiburg hatte den gegen Bremen eindeutig. Beim VfB fehlt mir dieser bereits seit geraumer Zeit. Da wird der Ball quer gespielt oder zurückggelegt. Und da sich diese taktischen Defizite von BL überall rumgesprochen haben, weiss die mittlerweile jeder Gegner zu nutzen. Denken Sie nur an die Drei-Ecken-drei-Tore-Nummer gegen Hannover und die Aussagen von Slomka hierzu nach dem Spiel

VfB nicht 1. Liga-reif?: Liebe Kommentatoren, die ihr diese erstaunliche These vertretet, wann habt ihr zuletzt ein 2. Liga-Spiel oder ein anderes niederklassiges Amateur-Fußballspiel live gesehen? Ich konnte (musste) mir am Montag bei der Partie St.Pauli vs. 1. FC Köln live vor Ort ein Bild davon machen, was es heißt, wenn Ballannahme und Schüsse in etwa das gleiche Ergebnis liefern. Aus familiären Gründen schaue ich zudem häufiger Landesliga, also auch nicht unbedingt die niedrigste Amateurklasse. Aber auch zwischen dem dort gezeigten und dem, was unser VfB spielt, liegen Welten. Ich möchte das Spiel zweier schwacher Bundesligisten vom Sonntag wirklich nicht schön reden, aber manchmal habe ich Zweifel an der fußballerischen Kompetenz einiger Kommentatoren.

@craigmaster: Man bekommt hier den Eindruck man müsste beim VfB nur unsere nachwuchsspieler spielen lassen und schon wäre alles in Ordnung. Die Ex-VfB-Nachwuchsspieler Beck, Rudy, Weisz, Schipplock, etc. spielen ja auch alle so unheimlich erfolgreiche bei Hoffenheim. Wir dagegen haben blöderweise diesen Söldner Ibisevic geholt, der ja schon in der Vorrunde versagt hat. Auch Dortmund setzt ja einzig auf die Jugend und kauft keine Profis aus Polen oder sonstwo her. Bei Freiburg läufts jetzt gerade (die haben auch keine große andere Wahl) das muss aber nicht immer so laufen. Nachwuchsspieler aus der eigenen Jugend sind nicht das Allheilmittel und langfristig wird man mit diesem Konzept international keinen Erfolg haben.

@craigmaster und Sundown: Ich besitze keine dunkelrote Brille. Weder so noch so. Aber: nach den letzten Niederlagen haben sich hier teilweise über 100 Kommentatoren verewigt in teilweise kruder, verachtender und respektloser Art und Weise. Nach dem gewonnenen Hoffenheim-Spiel sind es gerade einmal noch 10 - 15% , die sich hier zu Wort melden. Teilweise auch kritisch, was übrigens völlig ok ist. Und den restlichen 85% fällt halt nix ein, der VfB hat ja schließlich gewonnen (nebenbei: das sind die mit der von Ihnen, Sundown, bezeichneten dunkelroten Brille). Das hat 'Jackie' meiner Ansicht nach mit seinem Kommentar klar machen wollen. Das es vielen einfach nur darum geht, zu motzen, sich 'Luft zu verschaffen'. Aber noch kurz zur Aufstellung: wenn ich den vielen Kritikern hier folge (ich habe das Spiel am Sonntag nicht gesehen), war der VfB so schwach wie immer, Hoffenheim aber noch schwächer. So betrachtet lag es wohl weniger an der veränderten Formation, als an der Schwäche des Gegners. Ich will es aber mal positiv betrachten und dann kann es tatsächlich sein, dass der VfB durch die Veränderungen ein bisschen mehr Sicherheit im Spiel hatte, die ausreichte, um das Spiel zu gewinnen. Ja, und dann noch das große Thema 'Nachwuchs'. Es ist unerschöpflich. Aber ich finde auch, dass Labbadia hier zu zaghaft agiert. Er könnte schon mehr Mut beweisen. Aber: ich finde auch, dass Vergleiche mit Freiburg und der Nachwuchsarbeit dort viel zu kurzsichtig sind und deswegen einfach nicht greifen. Freiburg befindet sich als Mannschaft und als Verein in einer völlig anderen Situation. Niemand erwartet von Freiburg einen internationalen Startplatz. Die Fans und Verantwortlichen des VfB schon - zumindest bis vor Kurzem. Niemand weiss, ob Freiburg nächste Saison nochmal so gut spielt oder ob es die Gnade eines hervorragenden Jahrgangs war. Das Ziel von Freiburg ist es, in jedem Jahr einen gesicherten Mittelfeldplatz zu erreichen. Das sagen alle Verantwortlichen in Freiburg immer wieder. Und das ist keine Koketterie. Das Ziel des VfB ist es aber, regelmäßig unter die ersten fünf, sechs Mannschaften zu kommen. Aber dafür muß der Verein anders vorgehen, anders investieren und anders denken. Das dabei nicht alles Richtig gemacht wird stimmt schon. Und das Kritik berechtigt ist, stimmt auch. Aber das, was hier teilweise an 'Kritik' geboten wird und wurde, ist einfach nur unterirdisch.

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