Designmesse „Blickfang“ in Stuttgart Eine alte Jeans wird zum schmucken Binder

Ralf Recklies, 15.03.2013 21:00 Uhr

Stuttgart - Neue Krawatte gefällig? Bei Volkan Akbiyik können Besucher der 21. Auflage der Stuttgarter Designmesse Blickfang am Wochenende ihre alte Jeans zu einem schmucken Binder umarbeiten lassen. „Wer mir nach 15 Uhr seine Jeans bringt, bekommt eine daraus gefertigte Krawatte“, sagt der Stuttgarter Designer Akbiyik, der seine Kreativität üblicherweise für Industriekunden einsetzt.

Weil er aber zur Teilnahme an der Designmesse aufgefordert worden ist und dort etwas für die Besucher machen wollte, kam ihm die Idee, aus alten Jeans „sportliche Krawatten zu fertigen“. Und weil aus einer Hose zwei Krawatten entstehen, behält er eine. „Die verticke ich dann an andere Interessenten für 48 Euro“, sagt der Designer lachend und ergänzt: „So haben alle was davon.“

Schon länger macht sich der Stuttgarter Designer, der im Schaubereich „blickfang local“ mit vier weiteren Designprojekten aus der Landeshauptstadt zu entdecken ist, Gedanken, wie perfektes Recycling funktionieren und durch das sogenannte Upcycling Altes zu Neuem werden kann. „Mein Ziel ist es, eines Tages alle Bestandteile der Jeans zu verwerten“, sagt Akbiyik.

Liederhalle wird zum Designkaufhaus und Ideenlabor

Er ist mit dieser Idee alles andere als allein. Auch Martin Hirth hat sich der Idee des Upcyclings verschrieben. Der in Offenbach studierende Gestalter hat Stühle aus alten Gestellen und Stoffen entwickelt und wurde für diese Idee bei der Blickfang in Basel in der vergangenen Woche mit einem Preis ausgezeichnet. „Eine tolle Bestätigung“, sagt Martin Hirth.

Über einen Preis können sich aber auch die beiden Stuttgarter Designer Philipp Hinderer und Ina Woelk freuen. Sie haben für ihre inspirierenden Ideen den von der Stuttgarter Zeitung gestifteten Publikumspreis erhalten. Woelk und Hinderer entwickeln unter anderem neue Sitzmöbel mit klassischen Holzverbindungen. „Die Stühle sind leicht und stabil“, erklärt Hinderer, dem es wichtig ist, „Althergebrachtes neu zu interpretieren“.

Die Liederhalle gleicht seit Freitagmittag wieder einem großen Designkaufhaus und Ideenlabor, in dem bisweilen zusammenfindet, was augenscheinlich nicht immer zusammengehört. So können die Besucher zum Beispiel einen Balkontisch erwerben, der durch das Wegrollen der als Tischplatte dienenden Holzlatten zu einem Wäscheständer mutiert. Und aus Fahrradschläuchen und Einwegpaletten werden in Kombination mit Eisenwinkeln zusammenfaltbare Regale.

Klasse statt Masse ist das Credo

„Ein Drittel aller Aussteller kommen aus der Region Stuttgart“, sagt Anne Schneider, die Projektleiterin der Stuttgarter Designmesse. Nachdem im vergangenen Jahr rund 21 000 Besucher die kreativen Ideen in der Liederhalle bewundert und teils auch kräftig eingekauft haben, hofft Schneider darauf, dass die Zahl in diesem Jahr etwas höher liegt. Sie selbst ist ganz begeistert von den präsentierten Angeboten und trägt ein Kleid der noch jungen Stuttgarter Modemarke k.makarova.

Hinter dem Label steckt Kristina Kehm. Die Schöpferin der hochwertigen Textilien aus Schurwolle und Seide ist zum ersten Mal auf der Blickfang vertreten und hofft mit ihrer Mode, die in Kleinserie komplett in Baden-Württemberg gefertigt wird, auf den Durchbruch. Bisher haben die Blusen und Kleider in zweieinhalb Jahren nur einen kleinen Käuferkreis erreicht.

Nicht weniger ansehnlich ist die im Bikinischnitt gehaltene Unterwäsche der Karlsruher Designerin Gabriele Meinl. Sie hat „sexy Unterwäsche“ für Frauen geschaffen, „die eine eher kleine Oberweite haben“, wie sie sagt. Sie ist überzeugt: das Noch-Nischenprodukt hat das Zeug, viele Kundinnen zu finden. Denn so etwas gebe es in dieser Qualität bisher nicht, sagt sie. Klasse statt Masse, das wird beim Rundgang deutlich, ist eh das Credo der meisten Gestalter, die sich mit ihren Möbeln, Textilien und mit vielerlei Schmuck bei der Blickfang dem Publikum vorstellen. Dieses strömte am Freitag schon kurz nach der Eröffnung in die Hallen.