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Diskussion zur Popförderung in Stuttgart Ein Cro fällt nicht vom Himmel

Von Björn Springorum 

Tut die Stadt genug für ihre Popmusik? Braucht Stuttgart ein neues Festival? Das und mehr haben das Popbüro und kopfhoerer.fm am Montagabend mit Vertretern der Musikwirtschaft lebhaft diskutiert - und laden demnächst zur zweiten Runde mit prominenter Beteiligung.

Die Pandamaske steht für in Stuttgart gemachten popmusikalischen Erfolg. Wie man den Nachwuchs fördern kann, darüber diskutiert das Popbüro an drei Abenden. Foto: Chimperator
Die Pandamaske steht für in Stuttgart gemachten popmusikalischen Erfolg. Wie man den Nachwuchs fördern kann, darüber diskutiert das Popbüro an drei Abenden. Foto: Chimperator

Stuttgart – Es ist was faul im Städtle Stuttgart. Musiker finden keinen Proberaum, ein Liveclub nach dem anderen verschwindet, das Geld für Konzerttickets sitzt nicht mehr so locker. Keine besonders rosigen Aussichten für Nachwuchsmusiker und Newcomer, zumindest nicht auf ein Rock‘n‘Roll-Leben in Saus und Braus. Wer heute von seiner Musik leben will, muss entweder großes Glück haben – oder geringe Ansprüche. Hart arbeiten muss man in beiden Fällen, denn ein Cro fällt nicht vom Himmel.

Was also kann eine wohlhabende Stadt wie Stadt für ihre Musiker tun? Das wurde in den letzten Jahren oft und verbissen debattiert. Deshalb haben das Popbüro und kopfhoerer.fm, die Popkolumne der Stuttgarter Zeitung, am Montagabend zu einer ersten von drei geplanten Diskussionsrunden zum Thema „Musikförderung nach Plan“ geladen.

Schwielen am Hintern

Ort des Geschehens ist die neue Gutbrod-Lounge der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart. Das Ziel: Handlungsbedarf erkennen, Maßnahmen erarbeiten, das Für und Wider von Musikförderung besprechen. Auf der Bühne sitzen vier Vertreter der örtlichen Musikwirtschaft: Carlos Coelho (Keller Klub), Jonas Teryuco (Eau Rouge), Michael Fiedler (Annagemina) und der Booker und Musiker Steffen Haussteiner. Dazu etliche Musiker, Veranstalter, Journalisten oder Blogger aus der Stadt.

Sie alle hören erst dem Popbüro-Leiter Peter James zu, diskutieren nach anfänglicher Zurückhaltung bald sehr lebhaft. Schnell wird klar: Es gibt gar nicht nur ein Problem, das man lösen muss und dann läuft alles wie am Schnürchen. Stattdessen holt man sich, wie Peter James sagt, Schwielen am Hintern - zum Beispiel, wenn man von Sitzung zu Sitzung zieht, um klarzumachen, dass Popmusik ebenso viel wert ist wie klassische Musik oder Jazz.

Eine Stadt ist kein Museum

Wer Bands nicht fördert, erstickt den Nachwuchs im Keim. Wer Clubs nicht fördert, vergrault ortsfremde Bands aus der Stadt. „Ich weigere mich, in diesem Zusammenhang von Subkultur zu sprechen“, betont James, „denn das klingt so, als wäre sie weniger wert.“ De facto ist sie das aber immer noch. Einig sind sich alle, dass Hochkulturinstitutionen wie Oper und Staatstheater ordentlich gefördert werden müssen, dass Geld für die Museen da sein soll. „Aber eine Stadt“, so James, „ist nun mal kein Museum.“

Carlos Coelho, wie immer wortgewandt und ziemlich witzig, sieht noch ein anderes Problem: Er bekomme so viele Anfragen von Bands, dass er einen Großteil absagen müsse, zudem stünden entsprechend wenige Slots für lokale Bands zur Verfügung. Läden von der Größe des Keller Klubs, da sind sich alle einig, gibt es zu wenige in der Stadt. Das lenkt die Diskussion auf den Club Zentral, den es seit zehn Jahren gibt - der aber, sagen mehrere Diskutanten, stärker und aktiver ins Konzertgeschehen einsteigen.

Schnell steht fest: einfache Antworten gibt es nicht. Zu diffus ist das Problem, zu vielfältig die möglichen Hindernisse. Die Stadt darf keine gewinnorientierten Einrichtungen fördern. Wer jedoch Gewinn machen muss, kann nicht immer nur eine Bühne für lokale Bands bieten. In andere Städte zu schauen, hilft dabei nur bedingt. Jede Stadt funktioniert anders, jede Stadt hat ihre eigenen Regeln. Noch eine Idee von Carlos Coelho: mit dem arbeiten, was in Stuttgart zur Verfügung steht. Coelho kommt auf den lose gefassten Plan eines Clubfestivals in Stuttgart zu sprechen. Wie einst das Popnotpop, aber eben für alle musikalischen Schattierungen des Kesselsounds. Für die Außenwirkung, aber auch für die eigene Identität.

Gegen Ende des Abends werden noch einige Beispiele gelungener Popmusikförderung genannt. Eau Rouge etwa spielten erst kürzlich auf dem Lollapalooza in Berlin, Antiheld werden derzeit massiv gepusht. Das ist natürlich kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen und sich um andere Dinge zu kümmern. Aber es sollte Motivation genug sein, nicht aufzugeben. Und einfach immer weiter Musik zu machen. Denn das muss letztlich auch jedem Musiker klar sein: Von nichts kommt nichts.

Die zweite Diskussionsrunde, bei der es um konkrete Fördermaßnahmen gehen soll, findet am Montag, 9. Oktober statt. Beginn ist um 19 Uhr in der neuen Gutbrod-Lounge der Wirtschaftsförderung, Friedrichstraße 10, Stuttgart-Mitte. Julian Knoth (Die Nerven) wird auf dem Podium sitzen.