Energiewende in Stuttgart Aufsichtsrat spricht Machtwort zum Stadtwerke-Kurs

Von Josef Schunder 

Die Linie steht nun fest: Die Stadtwerke Stuttgart, eine Tochter der Stadt Stuttgart, wird weiterhin Blockheizkraftwerke mit Erdgaseinsatz anpeilen. Damit setzen die Stadtwerke nicht mehr nur auf Windkraft.

Die Stadtwerke orientieren sich um:  weg von der Idee Windkraftwerke hin zu Stromerzeugung in kleinen Einheiten. Foto: Achim Zweygarth
Die Stadtwerke orientieren sich um: weg von der Idee Windkraftwerke hin zu Stromerzeugung in kleinen Einheiten. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Stadtwerke Stuttgart (SWS) werden weiter auf erdgasbetriebene Kleinkraftwerke zur Produktion von Heizwärme und Strom setzen, um die Energiewende zu ermöglichen. Das hat der Aufsichtsrat der städtischen Tochter am Dienstag in einer Sondersitzung zwar nicht endgültig entschieden, aber auf den Weg gebracht. Die „Strategie der SWS“ soll am 26. Juni in einer regulären Sitzung beschlossen werden. „Es wurde geklärt, dass die SWS weiter Lösungen sowohl mit Blockheizkraftwerken in Einzelobjekten oder bei Wohnquartieren anbieten als auch in die erneuerbaren Energien konsequent investieren“, ließ Fritz Kuhn (Grüne) am Mittwoch mitteilen.

Zwischen dem OB und Aufsichtsratschef und dem Gremium einerseits sowie Geschäftsführer Olaf Kieser andererseits hatte es lange Diskussionsbedarf gegeben. Kieser hatte zum Verzicht auf erdgasbetriebene Blockheizkraftwerke (BHKW) geraten, um den Ökoanspruch des Unternehmens nicht zu verwässern. Hintergrund: Beim Klimaschutzgipfel 2015 in Paris wurde die Dekarbonisierung der Energieerzeugung als Ziel ausgemacht, also der Verzicht auf fossile Energieträger, die Kohlendioxid freisetzen.

Im Moment scheint Erdgas nötig

Doch im Moment ist Erdgas schwer ersetzbar. Neben der Bürgerinitiative Kommunale Stadtwerke hatte kurz vor der Aufsichtsratssitzung daher auch das Stuttgarter Wasserforum gemahnt, die im städtischen Energiekonzept vorgesehenen BHKWs nicht zu kippen. Man brauche dezentrale Wärme- und Stromkonzepte. Setzte man auf zentrale Kraftwerke, müsste dort schmutzigere Kohle verbrannt werden oder auch Erdgas, das dann nicht so effizient genutzt würde.

Auch Volker Kienzlen, Chef der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg, hatte einen Brandbrief an die SWS und ins Rathaus gesandt. Tenor: Die SWS müssten die Wärmewende – eine zeitgemäße und effiziente Wärmeversorgung der Gebäude – als zentrale Aufgabe annehmen. Die Energiewende könne es in Stuttgart ohne Niedrigtemperatur-Nahwärmenetze nicht geben. Im Moment sei Erdgas nötig. Künftig könnten die BHKWs auch anders befeuert werden, etwa mit Gas, das mit Wind- oder Solarstrom erzeugt wird. Der Aufsichtsrat sah es ähnlich, und Sitzungsteilnehmer berichten, Kieser habe den Auftrag angenommen: „Ich bin der Angestellte. Sie sind der Besitzer der SWS.“

Stromerzeugung erfolgt in kleinen Einheiten

Deren Kurs soll nun so abgesteckt werden: keine weiteren Windkraftprojekte, Stromerzeugung in kleinen Einheiten, regionale Projekte, integrierte Mobilitätskonzepte. Mit Partnern wollen die SWS auch Strom verkaufen, dessen Produktion Kohlendioxid verursacht, in eigener Regie wollen sie Strom auf den Dächern produzieren, effizienten Energieeinsatz und das Energiesparen befördern. Wichtig ist Aufsichtsräten wie Alexander Kotz (CDU), dass die SWS niemand abweisen, der bei ihnen Lösungen fürs Haus sucht.

Hans H. Pfeifer (SPD) fand, man sei nun auf einem guten Weg. Hannes Rockenbauch (SÖS) dagegen sprach von einem „Formelkompromiss“, mit dem ein Dissens beseitigt wurde. Rockenbauch vermisst eine klare Vision für das Jahr 2050, eine klare Wegbeschreibung, wirkliche Strategien und Schwerpunkte – überhaupt das große Klotzen für die Energiewende. Das liege sehr an OB Kuhn.