Handel Weniger Kunden auf der Königstraße

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Der massive Zuwachs an Handelsfläche in der Innenstadt hat Folgen: Während die Besucherfrequenz auf der Königstraße deutlich nachlässt, freut sich das Milaneo über großen Andrang.

Veranstaltungen wie die Lange Einkaufsnacht sollen mehr Menschen zum Einkaufen in die Innenstadt locken. Foto: Heinz Heiss
Veranstaltungen wie die Lange Einkaufsnacht sollen mehr Menschen zum Einkaufen in die Innenstadt locken.Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Der massive Zuwachs an Handelsfläche in der Innenstadt scheint nicht ohne Folgen zu bleiben. Gleich zwei Untersuchungen von renommierten Immobilienunternehmen kommen zu dem Ergebnis, dass die Besucherfrequenz auf der Königstraße deutlich nachlässt. Während die Händler der City auf den Standort vertrauen, berichtet das Management des Milaneo von anhaltend großem Andrang.

Traditionell rangiert die Königstraße bei den Untersuchungen der Immobilienbüros und Maklerfirmen zumeist unter den Top Fünf der deutschen Einkaufsstraßen. Die jüngste Zählung von BNP Paribas Real Estate sieht die Königstraße aktuell ­allerdings nur noch auf Rang 22 mit Blick auf die gemessene Passantenfrequenz pro Stunde. In den Vorjahren kam die Königstraße bei der Untersuchung von BNP ­Paribas jeweils auf Platz zehn. Die Gewerbemakler von Jones Lang Lasalle kommen zu einem ähnlichen Schluss. Auch sie ­verzeichnen in ihrem aktuellen Marktbericht einen deutlichen Rückgang der Besucherzahlen. Im ersten Quartal 2015 lag die Passantenfrequenz pro Stunde sogar ­deutlich unter dem Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre. Die Besucherfrequenz ist in Handelskreisen eine wichtige Größe. Die Zahl ist einer der entscheidenden Faktoren bei der Berechnung der ­jeweiligen Miete am Standort.

Umsätze der Innenstadthändler sind durch die Bank gut

Die Händler in der Innenstadt geben sich jedoch trotz der Ergebnisse positiv ­gestimmt. „Wir sind mit dem Verlauf des Geschäftsjahres zufrieden“, sagt etwa Christoph Achenbach. Er ist Geschäftsführer von Lederwaren Acker am Schlossplatz und Sprecher des Arbeitskreises Handel bei der City-Initiative. Generell sei ein ­gewisser Rückgang der Frequenz jedoch zu spüren. „Es ist dabei aber zu kurz gesprungen, das allein an den neuen Einkaufs­zentren festzumachen“, sagt Achenbach. ­Faktoren wie der weiter stark wachsende Onlinehandel oder die große Zahl an ­Baustellen in der Innenstadt tragen aus Sicht des Geschäftsführers nicht zu einer Belebung der Königstraße bei. Zwar seien die Umsätze der Innenstadthändler durch die Bank gut, allerdings würden die ­Geschäfte im Bereich Junge Mode die ­Eröffnung des Milaneo mit Anbietern wie Primark und anderen deutlich spüren. „Insgesamt muss es uns gelingen, den Standort Stuttgart als Ganzes zu stärken. Das geht nur im Schulterschluss mit den Centern“, erklärt Achenbach weiter.

Speziell im Milaneo scheint man mit der aktuellen Entwicklung extrem zufrieden zu sein. Centermanagerin Andrea Poul berichtet von durchschnittlich 28 000 bis 30 000 Besuchern pro Tag in ihrem Center. Auch die Umsätze der einzelnen Mieter seien gut, so Poul weiter. Als wichtigster Besuchermagnet im Milaneo gilt die umstrittene Billigmodekette Primark. Die Stuttgarter Filiale gilt nach Medienberichten als einer der besten Standorte der Marke in Deutschland und soll sogar zu den profitabelsten Primark-Filialen weltweit zählen.

City-Managerin sieht keinen Grund zur Sorge

Das Milaneo zielt vor allen Dingen auf Kunden aus dem Umland. „An den Werktagen kommen 29 Prozent unserer Besucher weder aus Stuttgart noch aus der Region, sondern von weiter weg“, sagt Andrea Poul. An den Wochenenden steigt diese Quote auf bis zu 40 Prozent. „Das haben ausgie­bige Befragungen im Center ergeben“, ­erklärt die Managerin. Dazu passt, das sogar Händler in Ulm berichten, dass ihr Geschäft von der massiven Zahl an Neueröffnungen in Stuttgart beeinflusst werde.

Für Stuttgarts City-Managerin Bettina Fuchs ist der Rückgang der Passantenfrequenz auf der Königstraße nach eigener Aussage noch kein Anlass zur Sorge. „Eine gewisse Verlagerung der Kundenströme war zu erwarten“, sagt sie. So viele Neueröffnungen auf so engem Raum, wie sie derzeit in Stuttgart stattfinden, stärken nach Meinung von Bettina Fuchs den Einkaufsstandort Stuttgart als Ganzes. Auf die Eröffnungen der beiden Einkaufszentren Gerber und Milaneo sowie des Outdoor-Ausrüsters Globetrotter an der Tübinger Straße im vergangenen Jahr folgt im kommenden Jahr die Eröffnung des Dorotheen-Quartiers, das derzeit unter der Regie des Warenhausunternehmens Breuninger am Karlsplatz gebaut wird.

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10 Kommentare Kommentar schreiben

Komisch:: irgendwann im Mai/Juni 2015: sehr heißer Tag; beide Einkaufszentren somit bereits einige Zeit in Betrieb - die Königstraße brechend voll. Und den Tag halte ich durchaus für respäsentativ. Und was ich allgemein nicht verstehen kann: warum wird über Parkplatzgebühren in Stuttgart gemeckert. Welche Großstadt in Deutschland bietet denn kostenlose Parkplätze an? Wohl keine, weil keine Autoverkehr in ihrer Innenstadt haben will. In der Region sieht es häufig kaum anders aus (fahre man doch mal in Innenstädte von LB, WN etc), vielleicht ein wenig günstiger, das war's dann aber auch. Ist übrigens auch in Ordnung. Bei den momentanen Temperaturen zahle ich gerne fürs Parkhaus.

@Herr Best: Haben Sie mit Tatsache ei Proble ? Bin ich die ei Zuge die vieles in Stutgart an Problematik vorfindet? Gewiss nicht. Sicherlich sie kön ten Recht haben der Zustand in Stuttgart macht eine krank, denn erholen kann an i Feinstaubhausenm mit ständigen Sirenen von Rettungswägenm Überfällen, Staus und die damit verbundenen Ümleitungen, Park Platz Problemen, Baustellenlärm, rasenden Autofahrern, betrunkenen und randalierendem Volk am Abend doch nicht wirklich. Gefällt Ihnen den Zustand zur Zeit und macht Ihnen überhaupt nichts aus? Keinen Ansatz von Neurosen? Stets gelassen? Glaub i ned! Gruß vom neurosegeplagten und stets freundlichen und mit Ironie behafteten Motzkigele

konfuse Stadplanung: Da holt man mehr Verkehr in den Kessel - "Das Milaneo zielt vor allen Dingen auf Kunden aus dem Umland" - und jammert über die hohen Feinstaubwerte.

Ich freue mich schon darauf...: ...wenn es ab Oktober rund um die Schuttgarter Innenstadt keine kostenlosen Parkplätze mehr geben wird. Das wird die Königsstraße und angrenzende Einkaufsviertel sicher Kunden kosten; ob Milaneo und insbesonders das kränkelnde Gerber davon profitieren können, ist nicht ausgemacht. Denn auf dem Weg zu den Kästen steht man ja weiterhin im Stau, wer aus dem Umland mit dem Auto kommt, findet in Ludwigsburg, Leonberg, Böbelfingen etc. genug Alternativen. Mag ja sein, daß momentan Primark noch ein Grund ist, explizit nach Schuttgart (präzise: ins Milaneo) zu fahren. Aber je mehr Filialen die in Deutschland eröffnen, desto weniger Grund gibt es, ausgerechnet die in Schuttgart zu besuchen.

Wenn das Milaneo sagt das alles toll ist: muss man das nicht wirklich glauben. Das Milaneo zieht Leute an die sonst keiner haben will. Sollte das Fahrverbot kommen werden nur noch solche Leute in Stuttgart wohnen die Klamotten kaufen für die man sich echt schämen muss.

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