Kommentar zu LBBW-Immobilien Die Spur führt nach Brüssel
Michael Heller, 14.02.2012 12:15 Uhr
Die Stadt Stuttgart geht beim Verkauf der Wohnungen zunächst leer aus Foto: dpa
Die Stadt Stuttgart geht beim Verkauf der Wohnungen zunächst leer aus Foto: dpa

Stuttgart - Die Entscheidung konnte wohl nicht anders fallen: Das börsennotierte Immobilienunternehmen Patrizia erhält den Zuschlag für die etwa 21.500 LBBW-Wohnungen. Dabei ist es gewiss nicht so wie die LBBW behauptet, dass der höhere Kaufpreis angesichts des ansonsten inhaltlich gleichwertigen Angebots den Ausschlag gegeben hat. Es hat zwischen den Angeboten der beiden Konsortien sehr wohl Unterschiede gegeben, sie sind aber nicht zugunsten des Konsortiums rund um die Stadt Stuttgart und die Wohnungsbaugesellschaft GWG gewertet worden. Da die gebotenen Barpreise der beiden Konsortien dem Vernehmen nach um lediglich 30 Millionen Euro auseinander lagen, ist die Vermutung naheliegend, dass es auf Seiten der LBBW ein starkes Interesse daran gab, Patrizia den Zuschlag zu erteilen.

Der Grund liegt auf der Hand. Die LBBW braucht die Zustimmung der Brüsseler EU-Kommission zu dem Geschäft. Denn der Verkauf der Wohnungen ist Teil der Bedingungen für die Genehmigung umfangreicher Finanzhilfen, die das Kreditinstitut erhalten hat. Brüssel achtet mit Argusaugen darauf, dass bei Verkäufen nicht gemauschelt wird. Niemand kann behaupten, dass dies bei Abschluss des Geschäfts mit dem Konsortium rund um die Stadt der Fall gewesen wäre. Aber da die Stadt auch Miteigner der Bank ist, hätte der Verdacht aufkommen können, hier mache jemand ein Geschäft mit sich selbst. Diesen möglichen Verdacht hätte LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter in Brüssel ausräumen müssen, und das hätte ihn viel Arbeit gekostet, die er sich mit dem Zuschlag für Patrizia erspart hat.

Nun ist es verständlich, dass die Entscheidung in Stuttgart auf keine große Begeisterung stößt. Im Interesse der Mieter muss der Blick aber nun nach vorne gerichtet werden. Immerhin bieten die Augsburger der Stadt eine Beteiligung an dem Konsortium an. Das ist eine Gelegenheit, mehr für die Rechte der Mieter zu tun, als der Käufer zumindest bisher zubilligen wollte.

Kommentare (6)
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FEB
15
Anti-Wutbürger, 07:03 Uhr

Wenn man keine Ahnung hat....

Es wäre besser, dass diese ewigen Miesepeter und Wutbürger endlich mal aufhören, ständig mit ihrem gefährlichen Halbwissen alles nur ins Negative zu ziehen. Letztendlich steckt hinter dem Käufer kein Finanzmarkt- oder Hedgefonds. Es handelt sich um ein Konsortium aus in- und (europäisch) ausländischen Versicherungen, Pensionskassen, Rentenfonds usw.. Patrizia selbst ist lediglich mit 15 Mio. an der Verkaufsmasse beteiligt und spielt lediglich den Manager gegenüber dem Käuferkonsortium. D.h. dieses Konsortium ist aufgrund seiner Struktur auf eine langfristige Geldanlage und einen gepflegten, werthaltigen Gebäudebestand aus, um langfristig stabile (!) Renditen zu erzielen. Die wollen sicherlich nicht wie ein Hedgefonds innerhalb von 3 Jahren das Maximum rausholen und dann wieder verkaufen. Das würde die Sozialcharta auch nicht hergeben. Vermutlich wird sich nicht viel ändern, nur dass eben nicht mehr LBBW der Vermieter ist.

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FEB
14
Gerhard, 17:08 Uhr

Auf keinen Fall verkaufen

Schaut nach Österreich da hat man auch 60.000 Wohnungen der BUWOG verkauft. Dann wisst ihr was euch blüht. Schönen Gruß aus Vorarlberg.

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FEB
14
Nicole, 16:17 Uhr

Gigantischer Reibach

Kaufpreis: 1,4 Mrd. Euro für 21.500 Wohnungen, macht durchschnittlich rund 65.000 Euro je Wohnung. Bei 4% Zins plus 2% Tilgung ergibt sich pro Jahr und Wohnung ein Aufwand von 3900 Euro oder rund 325 Euro pro Monat. Wetten, dass die Durchschnittsmiete je Whg., vor allem wenn sie "sozialverträglich" ist, weitaus höher liegt? Patrizia reibt sich die Hände - und Stuttgarts Finanzbürgermeister, selbsternannter "Immobilienprofi", beweist, dass er mal wieder nicht rechnen kann. Die dümmsten Bauern ernten eben nicht immer die größten Kartoffeln...

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