Medien bei der Landtagswahl Ganz Deutschland guckt am Wahlsonntag auf Stuttgart

Von jub 

Für die Fernsehsender ist bei der Landtagswahl am Sonntag Großkampftag: Rund sechshundert Medienleute sind für das Politikspektakel im Neuen Schloss angemeldet. Sogar eine beliebte Satiresendung hat sich in Stuttgart angekündigt.

Seit knapp zwei Wochen bauen die Fernsehteams ihre mobilen Studios auf dem Schlossplatz auf. Am Wahlsonntag wird der Bereich von der Polizei komplett abgesperrt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Seit knapp zwei Wochen bauen die Fernsehteams ihre mobilen Studios auf dem Schlossplatz auf. Am Wahlsonntag wird der Bereich von der Polizei komplett abgesperrt.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Werbebanner auf den Lastwagen, die bereits seit mehreren Tagen auf dem Schlossplatz geparkt sind, verraten es schon: ARD, ZDF oder SWR steht da in bunten Farben aufgedruckt. Hinter den Lastwägen sind die mobilen Studios der Fernsehsender aufgebaut. Noch wird innendrin an den Moderatorenpulten geschraubt oder die Belichtung optimiert. Doch man erkennt schon deutlich, was die Zuschauer am Sonntagabend sehen werden, wenn sie ihre Fernsehgeräte einschalten: Der runde Stehtisch für die sechs Spitzenkandidaten, die sich nach den ersten Prognosen unterhalten werden. Der klassische Wahlhintergrund, ergänzt mit Symbolbildern von Stuttgart. Und hinter bodenhohen Glasfenstern der Blick auf den Schlossplatz.

Wenn an diesem Sonntag in Baden-Württemberg gewählt wird, guckt ganz Deutschland auf Stuttgart: Insgesamt fünfzig Zeitungen, Zeitschriften, Presseagenturen und Onlinemedien berichten, außerdem zehn Radioanstalten und zwanzig Fernsehsender. „Wir haben rund sechshundert Akkreditierungen von Medienleuten und Technikern erhalten“, sagt ein Sprecher des Landtags. Sogar Sender aus Frankreich, Spanien und Russland hätten sich angekündigt, sowie die Satiresendung „heute-show“. Insgesamt rechne man im Landtag mit rund 1400 Gästen – das sind etwa gleich viel wie bei der Landtagswahl vor fünf Jahren.

Sogar das zentrale Wahlstudio des ZDF zieht nach Stuttgart

In diesem Jahr stehen die Mitarbeiter des Landtags aber vor einer besonderen Herausforderung: Da das Parlamentsgebäude bereits seit Herbst 2013 saniert wird, findet das Politikspektakel in diesem Jahr im Neuen Schloss und dessen Innenhof statt. „Wir haben dort etwa gleich viel Platz wie im Landtag, allerdings sind die Räumlichkeiten weiter voneinander entfernt“, erläutert der Sprecher.

Obwohl auch in Sachsen-Anhalt und in Rheinland-Pfalz Landtagswahlen anstehen, steht zumindest für die großen Fernsehanstalten die Wahl in Baden-Württemberg im Fokus. Sogar das zentrale Wahlstudio des Mainzer ZDF zieht für diesen Tag nach Stuttgart, obwohl auch in Rheinland-Pfalz die Menschen zum Urnengang aufgefordert sind. Von Stuttgart aus wird dann zu den Wahlstudios in Mainz und Magdeburg geschaltet. „Da bei der Wahl in Baden-Württemberg im Vergleich die meisten Wahlberechtigten zum Urnengang aufgerufen sind, war das ausschlaggebend dafür, das zentrale Wahlstudio in Stuttgart einzurichten“, erläutert ein Sprecher des ZDF.

Die Stuttgarter Mitarbeiter reichen nicht aus

Dafür reichen die Mitarbeiter des Stuttgarter ZDF-Landesstudios aber nicht aus: „Zur Unterstützung der Kollegen vor Ort reisen weitere Mitarbeiter aus Mainz an“, sagt Hagedorn. Ebenfalls anreisen muss die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios Bettina Schausten und der„Politikbarometer“-Moderator Matthias Fornoff, die durch den Wahlabend führen werden.

Viele Fernsehmitarbeiter, die am Sonntag in Stuttgart sind, waren bereits bei der Landtagswahl 2011 in Stuttgart im Einsatz – und erinnern sich noch gut an den Moment als die Prozentpunkte der Grünen bekannt gegeben wurden: „Kretschmann hatte alle überrascht und als er dann um kurz vor 19 Uhr ganz entspannt zu Fuß in den Landtag kam, wurde er natürlich von einer Traube an Reportern, Kameraleuten und Tonassistenten empfangen“, berichtet der ZDF-Sprecher. „Unser Kameramann hatte alle Mühe, eingequetscht auf der Treppe die ersten Worte des neuen Ministerpräsidenten bildlich und tonlich sauber herüberzubringen.“

Allein das ZDF bringt zwanzig Tonnen Material

Um die Übertragung an diesem Sonntag für alle Medien so stressfrei wie möglich zu gestalten, kommen noch bis Sonntag insgesamt 34 Lastwagenladungen mit technischer Ausrüstung am Schlossplatz an: Kabel, Laptops, Kameras und Papier werden dort abgeladen. Allein die Materialien vom ZDF mit Bühne, Technik und Kabel ergeben zusammen rund zwanzig Tonnen Material. Das sei nötig, da am Sonntag insgesamt vierzig  verschiedene Signale gleichzeitig verarbeitet werden müssen, erläutert der Sprecher des ZDF.

Auch für die ARD und deren Landessender SWR ist am Sonntag Großkampftag: „Es sind insgesamt dreihundert  Menschen im Einsatz“, sagt der SWR-Produktionsleiter Thorsten Pfaff. Diese teilten sich auf zwischen Stuttgart, Berlin, Mainz, Ravensburg, Freiburg und Mannheim. „Bereits in den vergangenen Tagen sind zwischen dreißig  und vierzig  Kilometer Kabel verlegt worden“, sagt eine SWR-Sprecherin: Insgesamt sind der SWR und die ARD mit mehr als dreißig  Fernsehkameras am Wahlsonntag unterwegs – im Neuen Schloss, bei Wahlparties im Land und in Berlin. Für die Wahl in Sachsen-Anhalt berichtet aus Magdeburg die ARD mit dem MDR.

Wohl keine Aftershow-Party für die Medienleute

Damit am Wahlabend alles reibungslos funktioniert, stehen hinter den mobilen Fernsehstudios der Fernsehsender mehrere Übertragungswägen in dem Innenhof des Schlosses, außerdem Schnittmobile und Bürocontainer für die Redakteure und Techniker. Bei der Beschaffung dieser Container sind die drei Fernsehteams ins Schwitzen gekommen: „Es hat uns überrascht, wie schwierig es derzeit ist, Container zu mieten“, gibt Pfaff zu. Der Großteil würde derzeit nämlich für Flüchtlingsunterkünfte benötigt.

Auch die Beschaffung der Catering-Zelte sei alles andere als einfach gewesen, ergänzt eine Kollegin des ZDF. Wird dann am Sonntag nach der Wahl gefeiert? Nein, meint sie. „Die meisten Kollegen sind froh, wenn sie nach der anstrengenden Vorbereitungszeit und dem langen Wahlsonntag dann einfach nach Hause fahren können.“