Nahverkehr OB will Feinstaubticket fördern

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Eigentlich sollte es bei einer Tagung des Verkehrsministeriums um Mobilitätsprojekte der Zukunft in der Region gehen. Bei einer Podiumsdiskussion kamen aber Verkehrsminister Winfried Hermann und OB Fritz Kuhn nicht am Thema Feinstaub vorbei.

Damit noch mehr Leute bei Feinstaubalarm auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, müsse das Angebot besser vermarktet werden, mein Stuttgarts OB Fritz Kuhn. Foto: dpa
Damit noch mehr Leute bei Feinstaubalarm auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, müsse das Angebot besser vermarktet werden, mein Stuttgarts OB Fritz Kuhn.Foto: dpa

Stuttgart - Kaum jemand, der in diesen Tagen über Mobilität in dieser Stadt spricht, kommt am Thema Feinstaub vorbei. So ging es auch Landesverkehrsminister Winfried Hermann, OB Fritz Kuhn (beide Grüne) und Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU), die bei der Tagung „Nachhaltige Mobilität in der Region Stuttgart“ auf dem Podium saßen. Den Blick von außen brachten in die von StZ-Redakteur Thomas Durchdenwald moderierte Runde der Freiburger Baubürgermeister Martin Haag sowie Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin, Mitbegründer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sowie des Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Kuhn will ÖPNV-Kompetenz der Bevölkerung steigern

„Es war gut, dass wir den Alarm ausgelöst haben“, sagte Kuhn im Blick auf den Appell, das Auto wegen der dicken Luft in der Stadt stehen zu lassen. Die vergünstigten Tickets für den Öffentlichen Nahverkehr, die es während der Alarmtage gab, möchte Kuhn künftig besser vermarkten. „Das war noch zu kompliziert.“ Der Aufschrei, den es gegeben habe, sei nur ein Vorgeschmack auf die Proteste, die ein Fahrverbot nach sich zöge, sagte er. Er beschäftige sich nicht mit jenen, „die nur maulen, weil sie Auto fahren möchten, sondern mit denen, die Gründe vorbringen, warum ein Umstieg auf den Nahverkehr schwierig ist.“ Es gelte, die „ÖPNV-Kompetenz in der Bevölkerung zu erhöhen“. Der OB hat dabei all jene im Blick, „die seit der Schule nicht mehr mit dem Nahverkehr gefahren sind und nicht wissen, wie gut der ist“.

Das war das Stichwort für Winfried Hermann. Der Minister warnte davor, Bus und Bahn schlechter zu reden, als sie seien. Er setzt darauf, den Nahverkehr benutzerfreundlicher zu machen. Dazu sollen auch die bei der Tagung im Hospitalhof vorgestellten Projekte beitragen. Investitionen in intelligentere Informationssysteme gebe er den Vorzug vor Ausgaben für Beton. „Nicht nur die Treppe verhindert die Barrierefreiheit, die wir brauchen, sondern auch unverständliche Systeme, Tarifgebilde und Fahrpläne“, sagte Hermann.

In Zeiten des E-Bikes zählen alte Ausreden nicht mehr

Regionalpräsident Bopp, angesprochen auf seine Vision von der Mobilität in zehn Jahren, will das Auto nicht in Vergessenheit geraten lassen. „Die Menschen werden künftig eine größere Zahl an Verkehrsmitteln benutzen“, sagte er. „Dazu gehört auch, dass wir mehr Autoverkehr bekommen“. Er plädierte dafür, „in die Infrastruktur aller Verkehrsträger zu investieren“. Dazu könnten auch Radwege zählen. Haag und Bracher erinnerten wiederholt an die geringe Radlerquote im Stuttgarter Verkehrsmix. OB Kuhn verwies auf die im jüngsten Etat gestiegenen Mittel für den Radwegausbau. „Mit den E-Bikes zieht die Ausrede nicht mehr, es sei hier zu steil zum Radeln.“

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4 KommentareKommentar schreiben

Bopp: Verantwortliche aber immer ahnungslose Politiker die ihren Posten wohl eher guten Beziehungen verdanken müssen durch unabhängige und sachorientierte Menschen ersetzt werden. Ich denke da vor allem an Herrn Bopp. Oder wer ist für die fahrlässige ÖPNV-Störungs -Misere verantwortlich und ein Nahverkehrskonzept das sich vor allem auf Ulm und Bratislava konzentriert?

SC HEINDISKUSSION: Ja, der ÖPNV ist gut. Aber die Herangehensweise ist mal wieder typisch grün, denn wo bitte sollen denn die ganzen Leute, würden sie denn tatsächlich umsteigen, befördert werden? Der ÖPNV ist doch schon an normalen Tagen an der Kapazitätsgrenze. Ganz abgesehen davon dass es sich finanziell schlicht nicht lohnt mit dem OPNV zu fahren. Ohne Ausbau, vorallem Entlastungsstrecken wie die Panoramabahn, einer Taktverdichtung und einer deutlichen Preissenkung (am besten natürlich einem kostenlosen ÖPNV) wird da nix draus. Ich habe kein Auto, aber auch mir graut es vor einem Fahrverbot da der ÖPNV dann wohl komplett zusammenbrechen würde. Aber vermutlich brauchts sowas damit OB Kuhn und die Gemeinde- und Regionalräte endlich mal handeln und Geld in die Hand nehmen anstatt nur schöne Reden zu schwingen.

Autoverkehr ist zu stark: Es sind zu viele Autos in Stuttgart, das kann man ernsthaft nicht bestreiten. Der öff. Nahverkehr ist gut, vor allem die Stadtbahn. Wir brauchen aber natürlich dringend mehr Züge, hier muss schnell gehandelt werden. Das Geld dafür ist doch da. Bei S21 geht es ja auch. Die U1 und auch einige andere Linien müssen zukünftig als 60 oder 80m-Züge verkehren.

Ich kann diese an den Haaren herbeigezogenen Diskussionen nicht mehr hören. Der ÖPNV kann gar nicht mehr Kunden befördern, auch nicht mit einem komischen "Feinstaubticket". Man sollte endlich dafür sorgen, dass der Autoverkehr flüssiger läuft und künstliche Staus vermeiden. Statt dessen herrscht STILLSTAND auf Straßen - und in Köpfen.

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