ExklusivNeubau in Stuttgart Innenministerium wird von außen beheizt

Von  

Im erst vor knapp zwei Jahren bezogenen Neubau des Innenministeriums an der Willy-Brandt-Straße schwächelt die innovative Heizanlage. Abhilfe soll eine vorübergehend im Schlossgarten abgestellte externe Heizung schaffen.

500 Kilowatt Leistung entfaltet die Heizungsanlage im Schlossgarten (oben). Das warme Wasser gelangt über Leitungen an die Ministeriumsrückwand. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
500 Kilowatt Leistung entfaltet die Heizungsanlage im Schlossgarten (oben). Das warme Wasser gelangt über Leitungen an die Ministeriumsrückwand.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Wieder bereitet ein Bauprojekt des Landes Sorgen. In dem vor knapp zwei Jahren bezogenen Neubau an der Willy-Brandt-Straße funktioniert die Heizung nur so eingeschränkt, dass von außen zusätzlich Wärme zugeführt werden muss. Dafür steht eine sogenannte „mobile Heizzentrale“ im Mittleren Schlossgarten. Die Bauverwaltung des Landes war auch schon mit dem pannenbehafteten Umbau des Kleinen Hauses sowie mit dem Neubau des Menschenaffenhauses in der Wilhelma in die Schlagzeilen geraten. Beim Bau an der Willy-Brandt-Straße gab es zuvor immer wieder Verzögerungen.

Auf der Webseite wird das Energiekonzept noch gelobt

An warmen Worten für den 65 Millionen Euro teuren Bau mangelt es nicht: „Das Gebäude setzt Maßstäbe mit seinem nachhaltigen Energiekonzept“, heißt es auf der Internetseite des Innenministeriums. Und weiter: „Innovativ ist vor allem, dass zur Beheizung und Kühlung des Neubaus das städtische Abwasser energetisch genutzt wird“. Doch gerade dieser technische Kniff bereitet nun die größten Probleme. Die Anlage zur Abwärmenutzung funktioniere noch nicht, erklärt eine Sprecherin des für die Landesimmobilien zuständigen Wirtschafts- und Finanzministeriums auf Anfrage. Man bemühe sich in Absprachen mit den Baufirmen um Mängelbeseitigung. Regressforderungen hat das Land aber noch nicht gestellt. Der Gesprächsstoff dürfte dabei nicht ausgehen. Denn nicht allein die Wärmezufuhr aus dem Abwasserkanal des Nesenbachs will nicht so recht klappen. Die Ministeriumssprecherin erwähnt ganz allgemein „aktuell noch vorhandene Mängel im Bereich der Heizungstechnik.“

2,3 Tonnen schwere Anlage im Park

Damit die Ministerialen auch in der kalten Jahreszeit arbeitsfähig bleiben, steht ein 2,3 Tonnen schweres Heizgerät im Mittleren Schlossgarten. Das Land als Eigentümer des Parks konnte sich selbst die Genehmigung zum Aufstellen und zum Betrieb erteilen. Nach dem Ende der Heizperiode soll der Anhänger wieder verschwinden und die eigens für ihn geschotterte Fläche wieder in Rasen umgewandelt werden. Die Anlage, die aus einem eigenen 1500 Liter Heizöltank gespeist wird und warmes Wasser produziert, ist nicht allein für das Raumklima an der Willy-Brandt-Straße zuständig. Das Gebäude ist auch an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen. Wegen der von der Maschine ausgestoßenen Abgase versichert die Ministeriumssprecherin, dass „hinsichtlich der Schadstoffwerte alle gesetzlichen Anforderungen“ erfüllt werden. Wie viel Geld das Land für den Betrieb der 500-Kilowatt-Anlage investieren muss, lasse sich noch nicht abschließend sagen. Das hängt von der Mietdauer und der Menge an verfeuertem Heizöl ab.

Leitungen sehen aus wie fürs Grundwassermanagement

Auf das Geld wurde auf jeden Fall bei der Montage geachtet. Die gut 20 Meter Abstand zwischen dem Standort im Park und den Löchern in der rückwärtigen Ministeriumsmauer am Reithausweg werden von blauen Rohren überbrückt, die auffallend jenen ähneln, die für das Grundwassermanagement (GWM) beim Bahnprojekt Stuttgart  21 Verwendung finden. Der Eindruck trügt nicht. „Aus Kostengründen“ habe man die selbe Firma mit den Arbeiten betraut, die auch das GWM betreibt. Und aus „logistischen Gründen“ sei das selbe Material zum Einsatz gelangt.

Der Neubau für das Innenministerium, das sein Domizil bis 2013 an der Dorotheenstraße hatte und wegen des dort neu entstehenden Einkaufsquartiers wich, stand unter keinem guten Stern. Immer wieder kam es zu Verzögerungen beim Bau des 207 Meter langen Riegels, der Platz für 500 Büros bietet. Erst anderthalb Jahre nach dem ursprünglich angepeilten Einzugstermin konnte das Land zur Eröffnungsfeier für den vom Berliner Architekten Volker Staab geplanten Bau bitten. Vertreter des Generalunternehmers, der den Bau am Rande des Schlossgartens hochzog, standen damals nicht auf der Gästeliste.

Experten für Energieeffizienz sitzen im Haus

Heute rückt dem Gebäude jene Baustelle auf die Pelle, auf der die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) ihre Haltestelle Staatsgalerie neubauen – was dem Durchgangsbahnhof von Stuttgart 21 geschuldet ist.

Doch in dem Bau an der Willy-Brandt-Straße ist nicht nur das Innenministerium untergebracht. Es teilt sich das Gebäude mit Abteilungen anderer Ministerien, wie etwa dem für den Ländlichen Raum oder dem Umweltministerium. Dieses hat auch sein Referat 62 dort hin ausgelagert – zuständig für Energieeffizienz von Gebäuden.

  Artikel teilen
12 Kommentare Kommentar schreiben

Schilda 21:: Diese Stadt geht so langsam mitsamt ihrem VFB den Nesenbach runter! Neureich und dann auch noch Komplexe gegenüber München...da zerstört man gerne doch mal die wenigen historischen Bauten die man hat, und läßt sich von durchgeknallten Architekten für teures Steuergeld das eine oder andere Beton-Baudesaster hinstellen.

Abschaffen und Privatisieren!: In bester Tradition des BER: Die staatliche Bauverwaltung bildet sich ein, die Aufgaben von Spezialisten übernehmen zu können. Und heraus kommt wieder der klassische Murks, so wie in Berlin auch. Es wäre ein toller Beitrag zur Privatisierung, wenn man diese Ämter ersatzlos auflösen würde und ihre Aufgaben in die freie Wirtschaft vergeben würde. In der Folge würden Gebäude zum geplanten Termin fertig und darüber hinaus sogar funktionieren!

Deutschland braucht Fachkräfte: Cool, die die da sind, wurden mundtod und handlungsunfähig ins Eck geschoben, da zu teuer und die, die nun zu entscheiden haben, haben von tuten keine Ahnung, nein, jene bekommen jetzt Frostbeulen, die schrägen Fenster und Türen nicht auf und im Kässle die Schwindsucht. Herrlich! Mensch, ned dass dene no die Decke auf den Kopf fällt, aber bei der Problematik, die ja eigendlich keine ist (man würde sich vorher erst auf die Zunge beissen!), kann, oder könnte nichts passieren. Ich brech na! Innenministerium, die Villa Kunterbund von Stuggihausen?

Historischer Garten unter Denkmalschutz: Wir erinnern uns, wie Ingo Rust (Staatssekretär im Finanzministerium) 2012 nach der Zerstörung des Mittleren Schlossgartens die Aufstellung des Kunstpavillons im Oberen Schlossgarten abgelehnt hat und meinte: "Der Schlossgarten dient als Repräsentationsfläche des Landes und als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Er steht als ein Kulturdenkmal ersten Ranges und historischer Garten unter Denkmalschutz." "Auch einen anderen Standort im Schlossgarten kann ich Ihnen nicht in Aussicht stellen."

Meine Güte...: das wird ja immer peinlicher! Millionenbauten in Stuttgart: Innenministerium, zu kleine Heizungsanlage, Bücherei-zu wenige und zu kleine Aufzüge, zu enge Treppen oben und massive Türprobleme gleich zu Beginn, Millaneo-zu wenig Klos, Milliardenprojekt Stuttgart 21: Tief(punkt)haltestellenbahnhof-zu klein dimensioniert..... aber immerhin, mit den höchsten Feinstaubwerten können wir in Stuttgart punkten:-).... Paris, Stuttgart, Warschau - sie werden in 15 Jahren zu Europas Städten mit der dicksten Luft gehören. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/feinstaub-prognose-die-schmutzigsten-staedte-europas-a-1019510.html Nur traurig, dass viele Menschen darunter vergessen werden, die immer kränker werden.

Stuttgart und die Neubauten: Ja, wir leben doch in einem sehr wundersamen Wandel, in dem Korruption, Planungslosigkeit und Knausrigkeit sich die Hand geben. Es wird gebaut auf Teufel komm raus, von Satansbraten Verträge ausgehandelt, von Tieffliegern ausgeführt und von Möchtegerns die Bauabnahmen vollzogen. Bei allen sind die Einnahmen ......oh, ich will´s nicht wissen, beachtlich mit Sicherheit. Die Qualität? Nun, was wollen wir haben? Neuerungen, die Freude bereiten? Die die nächsten Jahre keine Sorgen bereiten? Das bekam man vielleicht noch zur guten alten DM-Zeit und dafür waren wir weltweit bekannt. Heute? Dumpinglohn, Dumpingqualität. Der Artikel könnte auf so mancher Witzseite gar 15€ einbringen, denn gelacht habe ich beim Lesen auf alle Fälle heftig. Keine Wohnungen für den Mittelstand und die Bedürftigen, aber schräge Tempel, die die Heizung moderner Weise nun vor der Hütte haben. Wenn nun noch Dixi-Hütten den Garten verschönern, dann würde ich sagen, hätte ein Graffity Wettbewerb einen Anreiz, hier noch ehrenamtlich für Glanz zu sorgen. Meine Herren, es ist unfassbar........teuer.

Ich kam...: ... ehrlich, ganz ehrlich, aus dem Lachen nicht mehr raus, als ich diesen Artikel lesen durfte. Der "Neubau" des IM ist nämlich ein Wunder, fast zu perfekt um real zu sein. Denn: mit dieser Mischung aus Inkompetenz, übergroßen Ansprüchen, Opportunismus/"Zweckpragmatismus" und Ausflüchten in Worthülsen wirkt er wie eine Manifestation der Grün-Roten Regierungszeit. Am allerbesten: die Tatsache, dass der "ganz große Wurf" mit der Nachhaltigen Kloaken-Energiespeisung nun dazu führt, dass unsere ökosoziale Volksvertretung am Ende tausende Liter Heizöl und somit entsprechend viel Feinstaub in die Atmosphäre jagen. Ganz, ganz ganz großes Kino! Bitte nicht mehr davon! Soll ja schließlich 2016 noch was zum Regieren übrig sein...

Kunst am Bau: Die Gebäude befanden sich zum Zeitpunkt des Regierungswechsels bereits im Bau. Für die Planungen, wie auch für das offensichtlich erheblich überforderte Personal der Bauverwaltung des Landes - ich tippe da mal, wie auch aus anderen Landesbehörden bekannt, auf einen hohen Prozentsatz von CDU-Mitgliedern - zeichnet insofern noch Ihre hochchristliche Vereinigung zu gegenseitiger Förderung individuellen Fortkommens verantwortlich. Immer noch lustig?

Energie: Zu Beginn der Planungen konnte ja noch niemand ahnen, dass die Stuttgarter ihre Energie statt in den Nesenbachkanal allmontaglich in den Abendhimmel absondern. Energie ist halt mal nicht erneuerbar, allen Parteiprogrammen zum Trotz. Aber im Ernst: es frieren die Richtigen.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.