Fossilien im Löwentor-Museum Reise 150 Millionen Jahre zurück

Von Eva Funke 

Cristina Gasco präpariert im Museum am Löwentor versteinerte Fichsaurier. Die Millimeterarbeit kann Monate in Anspruch nehmen.

  Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
  Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

S-Nord - Ganz oben auf der To-do-Liste von Cristina Gasco steht ein Ausflug nach Nusplingen auf der Schwäbischen Alb. Die 29-jährige Spanierin restauriert fürs Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart im Löwentormuseum Fossilien, die ihre Kollegen aus dem Steinbruch dort mitbringen, und sie würde dort selbst gern die Zeugen aus den Urzeiten der Geschichte in dem Plattenkalk entdecken. In Nusplingen war vor vielen Millionen Jahren eine Lagune. Gefunden wurden dort versteinerte Meerengel, Meereskrokodile, Krebse und Fische, die bis zu 150 Millionen Jahre alt sind.

Gascos Werkstatt im Löwentormuseum hat Ähnlichkeit mit einer Zahnarztpraxis: Mit einem Druckluftstichel, der aussieht wie ein Bohrer und genau so unangenehm surrt, legt sie die in dem Kalk für die Ewigkeit konservierten Gräten eines etwa 135 Millionen Jahre alten Fisches frei. Nach der Bearbeitung mit dem Druckluftstichel wird mit unterschiedlich feinen Nadeln die Struktur des Fisches mit viel Geduld in Millimetearbeit freigelegt. Bricht etwas ab, klebt es Gasco mit Sekundenkleber ganz vorsichtig wieder fest – eine Sisyphusarbeit, die genaues Hingucken und sehr viel Zeit erfordert. „Es dauert Wochen, ja oft sogar Monate, bis ein Objekt vollständig restauriert ist“, sagt Gasco.

Präparationskurs für Kinder

Studiert hat die Spanierin Kunst, dann ihren Schwerpunkt auf die Restauration von Fossilien gelegt. Ihr Lieblingsobjekt ist im Keller des Museums: Dort unten bekommt man eine Ahnung von der Flüchtigkeit des Lebens: In einer riesigen Halle hängt bei konstanten 20 Grad Raumtemperatur der zwei Meter lange Steneosaurus bollensis. Das Meereskrokodil ist etwa 182 Millionen Jahre alt. Daneben der riesige Plesoisauroidea, eine etwa gleichalte Paddelechse, und Gascos Lieblingssaurier, der Stenopterygius uniter. Den ebenfalls gut zwei Meter langen Fischsaurier hat sie in mühevoller Kleinarbeit aus dem Kalk herausgearbeitet. Wie die anderen Saurier wurde er bei Holzmaden im Kreis Esslingen gefunden.

„Weltweit hat jedes große Naturkundemuseum so eine Fossilie aus Holzmaden“, sagt Gasco. In dem Kellerraum des Naturkundemuseums hängen rund 150 Fundstücke aus der Vorzeit. Anhand der Funde lassen sich Rückschlüsse auf Klima, Flora und Fauna vor 150 Millionen Jahren ziehen. Oben, in den Schauräumen des Museums am Löwentor, ist der Lebensraum im Kleinen nachgebildet.

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