Skepsis Man darf sich nie zu sicher sein

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Nicht gleich alles glauben, gelegentlich Zweifel anmelden – das ist immer eine gute Idee. Nicht nur in der Esoterik, sondern auch in der Wissenschaft.

Der Denker von Auguste Rodin war Teil eines psychologischen Experiments. Foto: dpa
Der Denker von Auguste Rodin war Teil eines psychologischen Experiments.Foto: dpa

Stuttgart - Bitte schauen Sie sich das Bild der Denkerfigur von Auguste Rodin an. Einfach so, eine halbe Minute sollte genügen. Anschließend notieren Sie bitte, wie sehr Sie an Gott glauben: auf einer Skala von null Punkten, also gar nicht, bis 100, mit ganzem Herzen. – Fertig? Dann kommen wir zur Auswertung dieses kleinen psychologischen Experiments. Es geht dabei um diese Frage: Hat Sie der Denker in Ihrem Glauben beeinflusst? Haben Sie vielleicht ein paar Punkte weniger notiert, weil das rationaler wirkt und das Bild doch an Ihren Verstand appelliert hat?

Das können Sie sich vermutlich nicht vorstellen, denn Sie werden keine Veränderung in Ihrem Glauben an Gott gespürt haben. Psychologen halten es trotzdem für möglich, denn es wäre nicht das erste Mal, dass sich das Denken und Fühlen durch eine scheinbare Belanglosigkeit wie das Bildnis eines nachdenklichen Mannes manipulieren lässt. Der Geist arbeitet meist schneller, als man ihm folgen kann. Oft ist das praktisch: wenn es zum Beispiel darum geht, Gesichter oder Wörter zu erkennen. Doch er ist dabei leider anfällig für Fehler.

Manche machen den Zweifel zu ihrem Markenzeichen

Für die Skeptiker, die sich mit Engagement gegen esoterische Umtriebe wenden, ist die Verführbarkeit des Geistes eine Wurzel des Übels. Man dürfe sich seiner Sache nie völlig sicher sein, war kürzlich auf dem Weltkongress der Skeptiker in Berlin wieder zu hören. Am besten vertraue man der wissenschaftlichen Methode und lasse sich durch ihre Ergebnisse gelegentlich eines Besseren belehren. Die Wissenschaft kann eine persönliche Erfahrung entzaubern, so wie es die nur neunjährige Emily Rosa in den 90er Jahren getan hat: Sie prüfte in einem Schulprojekt, ob selbst ernannte Heiler das Energiefeld ihrer Hand wahrnehmen können, ohne die Hand zu sehen.

15 Heiler bekamen je zehn Versuche. Emily warf in jedem Durchgang eine Münze und entschied so, über welche Hand des Heilers sie ihre Hand halten würde. Die Heiler lagen in 47 Prozent der Fälle richtig – diese Quote hätten sie auch durch Raten erreicht. Emily schaffte es mit ihrem Bericht in das Fachjournal der US-amerikanischen Medizinervereinigung.

Doch sich durch die Wissenschaft belehren zu lassen ist leichter gesagt als getan. Denn die Assoziationen des Geistes sind überzeugend. Viele aus der Branche der Heiler dürften an ihre besonderen Fähigkeiten glauben – und deren Kunden sowieso. Und es gibt noch eine zweite Schwierigkeit: Die Wissenschaft mag verlässlicher sein als manch persönliche Erfahrung, doch auch auf vermeintlich exaktem Terrain muss man auf der Hut sein.

Nicht jedes Experiment lässt sich wiederholen

Das betrifft schon den Klassiker unter den Verführungsexperimenten, der auf den US-Psychologen John Bargh von der Yale-Universität zurückgeht. Bargh ließ Mitte der 90er Jahre seine Versuchspersonen Knobelaufgaben mit Wörtern lösen. Einige Probanden bekamen dabei Begriffe wie „vergesslich“ oder „Falte“ vorgelegt, die sie subtil an das Älterwerden erinnern sollten. Das blieb nicht ohne Folgen: Für den knapp zehn Meter langen Weg vom Versuchsraum bis zum Fahrstuhl am Ende des Ganges brauchten diese Probanden eine Sekunde länger als die anderen Versuchsteilnehmer.

Doch der junge Psychologe Stéphane Doyen von der Freien Universität Brüssel hat diesen Test kürzlich mit seinen Studenten wiederholt und keinen Effekt gefunden. Im Online-Fachmagazin „Plos One“ gestehen Doyen und seine Mitarbeiter zwar zu, dass inzwischen zu viele ähnliche Effekte nachgewiesen worden seien, als dass man sie rundheraus zurückweisen könne. Doch die durchweg kleinen Effekte werden ihrer Ansicht nach gelegentlich überbewertet – und das Experiment von John Bargh sei ein Beispiel dafür. John Bargh hat daraufhin in einem Blogeintrag dem Journal „Plos One“ vorgeworfen, nicht die hohen Qualitätsstandards einzuhalten, die in der Wissenschaft üblich seien. Ein für wissenschaftliche Verhältnisse nicht gerade üblicher Wutausbruch.

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