| Zeitungsgruppe Stuttgart |Donnerstag, 23. Februar 2012
Kultur regional
Artikel weiterempfehlen

Sternstunden auf dem Schlossplatz Placebo und Onkel Jared in Stuttgart

Marc Hippler, vom 12.08.2011 15:30 Uhr
vorherige Bild 1 von 50 nächste
Placebo-Sänger Brian Molko beim Konzert auf dem Schlossplatz. Foto: Christof Elben
Placebo-Sänger Brian Molko beim Konzert auf dem Schlossplatz. Foto: Christof Elben
Weitere Artikel
zum Thema

Stuttgart - Plötzlich stehen sie alle gemeinsam auf dem Schlossplatz. Die Teenager, die zum Kreischen bereit sind, die Banker, die nach Feierabend noch Anzug tragen, die gemäßigten Punkrocker, die familienorientierten Mittdreißiger und die Menschen, die "Wackeeen!" rufen, sobald es mal wieder Gitarrenmusik und Bier unter freiem Himmel gibt. Es ist also eine etwas eigenartige Atmosphäre, die sich an diesem Donnerstagnachmittag auf Stuttgarts prächtigstem Platz langsam ausbreitet. Irgendwo zwischen Sommerfest und richtigem Rockfestival.

Als "The Words" aus England die ersten Songs spielen, ahnen schon ein paar von über 30.000, dass es nicht so ganz einfach werden wird, gut zu sehen und gut zu hören in eine friedliche Koexistenz zu bringen. Wer ganz vorne steht, sieht und hört gut. Wer in der Mitte oder hinten angekommen ist, war entweder zu spät da, oder es ist ihm egal. Schließlich gab es die Eintrittskarten für nur 15 Euro, weil Mercedes mit den Stuttgarter Sternstunden sich selbst und der Stadt ein Geschenk zum 125. Geburtstag des Autos machen will. Da ist es schon mal halb so tragisch, wenn eine Säule den Blick verstellt oder Techniktürme den Schall schlucken wie ein Schwamm das Wasser.

Keine Fotos aus der Nähe

Ganz vorne stehen die Teenager. Überwiegend sind es Mädchen. Und die geraten das erste Mal so richtig ins Kreischen, als die Moderatorin 30 Seconds to Mars ankündigt. Deren Frontmann Jared Leto ist ganz klar der Star der Band. Auch, wenn er schon mal böse wird, wenn Veranstalter mit ihm, dem Hollywoodschauspieler, für dessen Band werben. Dabei ist die darstellende Kunst des Herrn Leto in der Bühnenshow mindestens so wichtig wie die Musik.

Sehr schlank, aber muskulös, in schwarzer weiter Hose, mit schwarzen Handschuhen ohne Finger und einem Oberteil zwischen Schlafanzug und Umhang steht Leto auf der Bühne. Die genaue Beschreibung ist leider nötig. Denn aus der Nähe wollte sich Jared Leto von der Presse nicht fotografieren lassen. Obwohl der Mann, der auch als Model arbeitet, sich das doch leisten könnte. Oder eben auch nicht. Wenn Aussehen auch Kapital ist.

"No! No! No! No!"

Ziemlich pünktlich und fast so gewaltig legen "30 STM" los. Jareds Bruder Shannon macht am Schlagzeug ordentlich Krach, Stroboskope zucken. Nur leider hat bloß das erste Drittel auf dem Schlossplatz so richtig was davon. In der Mitte ist der Sound einfach zu leise. Und so gerät das Publikum selbst bei "Hurricane" oder dem Kracher "Closer to the Edge" nicht so richtig in Fahrt. Nur ganz vorne recken sich Fäuste zu "No! No! No! No!" in die Luft. Zwischen den Songs werden Letos Moderationen immer länger. Bis sie einfach zu lang sind.

Dann holt er Männer, Frauen und auch zwei Kinder auf die Bühne. Das wirkt familiär und spätestens bei "Kings & Queens", als Dutzende Fans auf der Bühne stehen,  ist die Veranstaltung zu so etwas wie ein "Rockkonzert mit Onkel Jared" geworden.

Doch je mehr sich der Schlossplatz bei deutlich über 20 Grad auch am Abend noch füllt, desto fantastischer wird die Kulisse. Das sieht wohl auch die Band so, die ein Foto von der Bühne aus macht und es über Twitter verbreitet.

Hinten die Sonne, vorne die LED-Wand

Am Abend ist dann der Boden für Placebo bereitet. Nach einem Intro mit gewaltigem Bassgewummer kommen die Musiker um Brian Molko auf die Bühne. Und plötzlich ist es so, als habe jemand einen Schleier weggezogen. Auf einmal ist der Klang auch in der Mitte des Platzes gut, die Gitarren klarer, das Schlagzeug kräftiger, die Töne der Gesangsstimme präziser. Sie beginnen mit "For what it's worth" und der ganze Platz scheint plötzlich zu springen, zu singen und zu klatschen. Riesige LED-Flächen tauchen die Innenstadt in sämtliche Farben. Hinten geht die Sonne unter, über dem Schloss geht der Mond auf. Die Stimmung, sie könnte jetzt besser kaum sein.

Klar, Placebo konzentrieren sich bei ihrem einzigen Open-Air-Konzert in diesem Jahr auf die Hits, spielen kaum etwas vom aktuellen Album "Battle for the Sun". Aber von diesen haben sie mehr, als jemandem, der kein großer Fan ist, auf Anhieb einfällt. "Infrared", "Bitter End" oder auch das ruhige "Follow the Cops back home" und das Cover "Running up that Hill" werden gefeiert.

Schlossplatz macht eine exzellente Figur

Sänger Molko reduziert seine Ansagen angenehm und sympathisch, gedenkt der verstorbenen Amy Winehouse und sagt auch was zu den Krawallen in London. Schließlich kommt seine Band von dort.

Auch "Every you, every me" spielen sie. Ziemlich am Anfang. Der Song ist so etwas wie ihr "Wonderwall". Sie wissen, dass sie den ihrem Publikum schuldig sind. Auch, wenn der Eintritt nur 15 Euro gekostet hat. Das Placebo-Konzert fühlte (und hörte) sich hochwertiger an. Und der Schlossplatz hat dabei eine exzellente Figur gemacht.

Weitere Artikel
Kommentare (12)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
AUG
15
22:41 Uhr, geschrieben von Ines
Foto(s)
Auf dem letzten Foto bin ich auch mit drauf, allerding guck ich etwas genervt wegen den polnischen Mädels. Sie meinten, das sie von ach wer weiß wie weit angereist worden seien, dabei tu'n es die 50km von mir dann auch nicht mehr. Habe auch für die Sternenstunden extra 9h Zugfahrt in Kauf genommen und würde es immer wieder tu'n für diese zwei Bands. Danke Stuttgart!!!
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
3
Kommentar bewerten
AUG
13
20:04 Uhr, geschrieben von Sunflower
Irgendwie nicht das Wahre.....
Ich selber war auch da, zwar erst etwas nach Einlass, aber das ist ja nicht schlimm dachte ich mir. Von wegen, man kam in den ersten Bereich nur rein, wenn man so ein grünes Bändchen bekam, links bei den Ordnern, als man nach so einem Bändchen fragte wurde man nach rechts zu den anderen geschickt und von denen wieder zurück. Dann haben dieses silbernen Teile wp der Sound drin war, sehr die Sicht auf die Bühne genommen, wenn man weiter hinten stand. Leider waren auch die Leinwände sehr klein, man hätte aich für die Leute die weiter hinten standen noch eine Leinwand aufbauen können. Das lag wohl auch daran, dass die Bühne direkt auf dem Schloßhof stand, wo leider nur der erste Drittel gut sehen und auch hören konnte. Da der Sound zumindest am Anfang sehr schlecht war, man hätte das auch vorher proben können. Ich fand die Organisation generell irgendwie mies.... Ich war schon auf mehr Konzerten auf dem Schlossplatz, da war die Bühne nicht so weit hinten, man konnte egal wo man stand gut sehen und hören. Von daher für mich sehr enttäuschend.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
3
Kommentar bewerten
AUG
13
14:12 Uhr, geschrieben von jaybo
Sound
@MusicSound: Es war für jede Band ein eigenes Mischpult da daher kann man doch als Besucher erwarten finde ich das jede Band einen guten Sound hat. Hätten Sie jetzt nur ein analoges Mischpult gehabt geb ich dir völlig recht aber es standen pro Band 3 Digitalmischpulte da.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
1
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  4
nächste
 
Anzeige
 

Sie suchen ein neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement