Stuttgart 21 Strafanzeige gegen Bahn-Chefs Lutz und Pofalla

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Die Juristen Loeper und Reicherter werfen der neuen DB-Spitze fortgesetzte Untreue zum Schaden des Staatskonzerns vor. Die Staatsanwaltschaft Berlin prüft bereits ähnliche Vorwürfe gegen die Ex-Manager Grube und Kefer sowie Aufsichtsratschef Felcht.

Ronald Pofalla ist im Bahnvorstand für S 21 zuständig. Nun hat er eine Anzeige am Hals. Foto: dpa
Ronald Pofalla ist im Bahnvorstand für S 21 zuständig. Nun hat er eine Anzeige am Hals. Foto: dpa

Berlin - Der neue Bahnchef Richard Lutz und sein Stellvertreter Ronald Pofalla müssen den Weiterbau von Stuttgart 21 womöglich bald gegenüber der Justiz rechtfertigen. Der Staatsanwaltschaft Berlin, die bereits Untreue-Vorwürfen gegen die früheren Topmanager Rüdiger Grube und Volker Kefer sowie Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht nachgeht, liegt seit diesem Freitag eine weitere umfangreiche Strafanzeige gegen die amtierende Bahn-Spitze vor.

Die Anzeigen haben Rechtsanwalt Eisenhart von Loeper sowie der ehemalige Richter Dieter Reicherter verfasst. Die beiden Juristen werfen nun auch dem neuen Führungsduo der Bahn fortgesetzte gemeinschaftliche Untreue vor. Die Begründung: S 21 werde trotz extremer Mehrkosten, fehlender Wirtschaftlichkeit, kaum beherrschbarer Bau- und Betriebsrisiken sowie ungesicherter Finanzierung zum Schaden des größten Staatskonzerns weitergeführt. Dabei sei der Bahn-Spitze längst bekannt, dass es billigere, effizientere und weniger riskante Alternativen für den Umbau des Bahnknotens am Neckar gebe.

Die Strafanzeige umfasst 25 Seiten

Die 25-seitige Strafanzeige der S-21-Kritiker liegt unserer Redaktion vor, als Beweise sind 29 Anlagen beigefügt. Loeper erwartet, dass gegen alle Beschuldigten vertiefte Ermittlungen eingeleitet werden. „Der drohende Schaden für die Konzern durch den Weiterbau von S 21 ist unstrittig und durch neue externe Gutachten und Prüfungen mehrfach belegt“, so der Anwalt. Loeper verweist auf die Gutachten des Bundesrechnungshofs (BRH). Die Kontrollbehörde warnte vorigen Herbst die Bundesregierung vor weiteren Kostensteigerungen, unterbewerteten Bau- und Betriebsrisiken sowie Gesamtkosten von fast zehn Milliarden statt der bisher vom Konzern genannten 6,5 Milliarden Euro.

Zum anderen habe der DB-Aufsichtsrat selbst die Risiken, Kosten- und Terminangaben der DB-Spitze extern überprüfen lassen. Dieser kritische Prüfbericht von KPMG/Basler, den die Kontrolleure und der DB-Vorstand seit Herbst 2016 kennen, liste ebenfalls seitenweise Bau- und Kostenrisiken auf. Besonders eindringlich werde vor den Langzeitgefahren für die fast 60 Kilometer langen S-21-Bahntunnel gewarnt, die mehr als 15 Kilometer durch schwierigen Gipskeuper (Anhydrit) führen sollen, der sich bei Wasserkontakt schnell bis zu 60 Prozent ausdehnen und Tunnelwände zerstören kann.

Die Kläger halten Stuttgart 21 für unwirtschaftlich

Die alte und neue Bahn-Spitze habe fortgesetzt gegen die Pflicht verstoßen, einen Umstieg auf günstigere oberirdische Alternativen zu prüfen, um den Schaden zu minimieren, kritisieren die Juristen. Dadurch würden dem Konzern Vermögensschäden zugefügt, die bis zu fünf Milliarden Euro betragen könnten, wenn die Kostenprognose des BRH eintreffe. Der Eigenanteil der Bahn für S 21 habe sich nach den bisherigen Kostenexplosionen bereits auf 3,5 Milliarden Euro fast verdreifacht. Damit sei das politisch gewollte Projekt seit Jahren für die bundeseigene Aktiengesellschaft komplett unwirtschaftlich.

Dennoch verfolge auch die neue Bahn-Spitze das Projekt weiter, begründet Loeper die Strafanzeige gegen Lutz und Pofalla. Beide Manager hatte der Anwalt als Sprecher des Aktionsbündnisses gegen S 21 Anfang April angeschrieben, auf die Risiken verwiesen und vergeblich um Antwort bis Ende April gebeten. Stattdessen habe Lutz auf der Bilanz-Pressekonferenz am 23. März angekündigt, er sei „finster entschlossen, das Projekt zu Ende zu bringen“. Der Jurist sieht darin eine „treupflichtwidrige Schädigung“ des Vermögens der DB AG nach dem Aktiengesetz und nach dem Strafgesetzbuch.

Die Anzeigen gegen Grube und Kefer werden noch geprüft

Bereits Ende Februar hatten Loeper und Reicherter eine umfangreiche Strafanzeige mit 30 Anlagen gegen Ex-Bahnchef Grube und seinen Vize Kefer erstattet. Die Staatsanwaltschaft Berlin erklärte nun nach mehrfacher Anfrage unserer Redaktion, diese Strafanzeige (Az.: 242 Js 258/17) werde weiterhin auf ihre Stichhaltigkeit geprüft. „Die zuständige Staatsanwältin hat unter anderem die Deutsche Bahn AG um Stellungnahme und weitergehende Informationen zu den Vorwürfen gebeten“, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Martin Steltner. Das Prüfverfahren sei noch nicht abgeschlossen, der Ausgang derzeit offen.

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"Bahnhasser Wüpper" (Zitat, F. Maier). Meine Frage nun: wer hasst die Bahn mehr. -1- Derjenige, der die Bahn aus irgendwelchen Gründen dazu verpflichtet etwas zu bauen, was für die angeblich eigenwirtschaftlich agierende DB AG eindeutig unwirtschaftlich sein wird oder -2- derjenige, der NUR darüber berichtet, dass Verantwortliche, welche dieses, für die DB AG definitiv unwirtschaftliche, Projekt weiterverfolgen, von Kritikern des Projektes eine Strafanzeige erhalten haben. ---- Es ist schon erstaunlich, auf welche Dinge sich manche S21-Befürworter hier versteigen um die Realität weiterhin ignorieren zu können. Da werden Journalisten als "Bahnhasser" bezeichnet, Professoren für Bahnhofs- und Streckenleistungen als Nichtexperten, ... . Fragt man dann, welche konkreten "Experten" bei S21 eigentlich zählen, so gibt es KEINE konkrete Antwort.

KONKRET: wurden Sie schon länger gefragt, wie Sie sich zu der Haltung versteigen können, die Kritik von Herrn Hansen sei "fundiert". Sind Sie Experte? Kennen Sie den Ansatz und die Daten von Herrn Hansen en detail und können das auch fachlich beurteilen? Zum Thema Juchtenkäfer genügte Ihnen ja ein banales "bin kein Biologe, also keine Meinung" warum dann hier so laut daherkrähen? Nur weil es halt gegen S21 geht?

Danke für die Strafanzeige: Die ansonsten arbeitslose dauerverlierende Rechtsanwälte mit Spendengeldern naiver S21 Gegner in Lohn und Brot setzt und das Rechstsystem mit offensichtlich sinnlosen Prozesshanseleien belästigt.

Oh je... III: sind ihnen eigentlich die Themen ausgegangen, oder warum wiederholen Sie ständig diese Albernheiten? Ihnen muss ja ganz schön langweilig sein. Suchen doch endlich mal die Belege für das was hier zum x-ten Male. Dann haben Sie wenigstens was zu tun und müssen sich nicht auf peinliche Art und Weise über fiktive Spenderhonorare auslassen.

Danke für die Strafanzeige: Die Namen der Angezeigten verdeutlichen, wer hinter der abstrakten Bezeichnung "Bahn" für diesen Volksbetrug 21 verantwortlich ist.

Was bislang nicht berücksichtigt wurde: WER den Artikel verfasst hat, Bahnhasser Wüpper, der auch z.B. vor jeder Aufsichtsratssitzung der Bahn die sich mit S21 befasste, das nahe Ende des Projekts menetekelte. Also mal wieder viel Wind um nichts.

Wutbürger: Maier in Hochform. Nun müssen auch noch persönliche Angriffe gegen den Redakteur her. Bitte wüten Sie weiter auf diesem Tiefbahnhofsniveau. Das passt ja zu diesem Deppen-Projekt..

Lustig ++++++: Da liest man nach geraumer Zeit mal wieder in diesem Onlinebereich der StZ und man stößt auf den guten Herr Spitzer, der ja nur alle Projektverantwortlichen , Firmen und deren Arbeiter verunglimpft und selber" persönliche Angriffe fährt", aber regt sich über andere User auf ! Wie peinlich +++++ Herr Spitzer sie haben nach 7 Jahren dagegen sein, immer noch keine vernünftige Argumente,somit nichts neues hier !

Alles klar: "Der Hansen hat gesagt" ist jetzt die Sprachregelung der gegner. Tut mir leid, dass ICH mich daran halte was man gemeinsam in der Schlichtung vereinbart hat: Einen Stresstest durch eine von den Gegnern gewünschte Organisation. Das der Schuß nach hinten losgegangen ist und jetzt wie bei der verlorenen VA jahrelang beleidigt nachgekartet wird ist nun wirklich euer Problem.

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