Stuttgart 21 Tunnelbohrmaschine sitzt noch im Startloch

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Die im Juli vergangenen ­Jahres getaufte Tunnelbohrmaschine, die den 9468 Meter langen Fildertunnel für Stuttgart 21 bauen soll, hat noch keine hundert Meter zurückgelegt. Die Bahn verweist auf noch laufende Justierungsarbeiten an der Maschine.

Die Tunnelbohrmaschine steckt in der rechten der in der Bildmitte zu erkennenden Röhren. Zwischen der Baugrube auf den Fildern und der City liegen 9468 Tunnelmeter. Foto: Manfred Storck
Die Tunnelbohrmaschine steckt in der rechten der in der Bildmitte zu erkennenden Röhren. Zwischen der Baugrube auf den Fildern und der City liegen 9468 Tunnelmeter.Foto: Manfred Storck

Stuttgart - Die gigantische Maschine, mit der der Fildertunnel für Stuttgart 21 gebohrt werden soll, kommt nicht so recht in die Gänge. Projektgegner nehmen das als Omen für den aus ihrer Sicht schleppenden Umbau des Stuttgarter Bahnknotens, die Bahn hingegen erklärt den Stillstand mit noch zu erledigenden „Einstellungen und Feinjustierungen“ am Gerät. Diese würden üblicherweise auf den ersten 100 Metern des Betriebs vorgenommen. Soweit ist der 2000-Tonnen-Koloss aber noch gar nicht gekommen.

Im Juli vergangenen Jahres unter Beisein von allerhand Prominenz in einer Baugrube beim Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost offiziell in Betrieb genommen, zogen sich weitere vorbereitende Arbeiten an ihr bis in den Herbst hin. Erst am 28. November vermeldete die Bahn, dass sich die Maschine nun ans Werk gemacht habe. Seitdem hat sie 81,4 Meter geschafft – so die letzte Wasserstandsmeldung des Kommunikationsbüros am vergangenen Montag. Im noch jungen Jahr 2015 hat sich die Maschine demnach gar nicht bewegt. Denn den bisherigen Vortrieb hatte sie bis zur Weihnachtspause bewerkstelligt. Seit 7. Januar sind die Stuttgart-21-Baustellen wieder in Betrieb. Seitdem seien die Experten damit beschäftigt, die 5700-PS-starke Anlage „auf die örtlichen Gegebenheiten einzustellen. Das ist bei jeder TVM so und kein S-21-spezifischer Sachverhalt“, versichert die Bahn, wobei das Kürzel TVM für Tunnelvortriebsmaschine steht. Der Hersteller des Bohrers, die badische Firma Herrenknecht, erklärt, es gäbe keine Faustformel für den Vorlauf, ehe ein Dauerbetrieb möglich ist. Man arbeite da „projektspezifisch“. Beim Anfahren der Maschine gelte es, die Baustellenlogistik zu beachten und natürlich auch die geologischen Begebenheiten, in denen man sich bewege.

Transport der Betonteile ruht

Da es vorne derzeit nicht weitergeht, muss hinten auch die Materialversorgung neu organisiert werden. Im Falle des Fildertunnels geht es dabei um die sogenannten Tübbinge, Betonfertigteile, aus denen die Tunnelinnenwand hergestellt wird. Sieben Einzelteile bilden einen Ring im Tunnelinneren. 43 dieser Ringe hat die Maschine auf ihrem kurzen Weg unter dem Filderboden bisher aufgebaut. Die Segmente werden in einem Werk in Neumarkt in der Oberpfalz gefertigt und dann per Zug nach Altbach (Kreis Esslingen) und von dort mit Lastwagen auf die Filder transportiert. Wegen des Stillstands im Tunnel ist mittlerweile das Lager am Filderportal gefüllt. Ein in Altbach abgestellter Zug harrte Mitte der Woche der Entladung. Weitere auf Halde produzierte Betonteile müssen beim Hersteller im Nordosten Bayerns zwischengelagert werden.

Die Unterbrechung der Transporte könnte der Bahn zupass kommen. Schließlich verhandelt das Unternehmen weiterhin mit der Stadt und dem Regierungspräsidium über eine separate Baustellenzufahrt von der A 8. Die würde das Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost von Lastwagenverkehr entlasten. Rund 50 000 Tübbinge müssen auf die Filder gebracht werden. „Die Bahn ist im konstruktiven Dialog mit allen Beteiligte, um eine den Projektzielen förderliche Lösung im Blick auf Zeit, Kosten und Belastungen für die Anrainer zu finden“, teilt ein Sprecher des Kommunikationsbüros mit.

16 Meter Vortrieb am Tag sind geplant

Zumindest was den Zeitplan angeht, gibt sich die Bahn noch gelassen. Und das, obwohl die noch ruhende TVM den Bau des mit 9468 Metern drittlängsten Tunnels in Deutschland vor sich hat. Einmal auf Hochtouren soll sie laut Bahn-Zeitplan durchschnittlich 16 Meter am Tag zurücklegen. Wann genau der Dauerbetrieb aufgenommen werden soll, vermochte der Sprecher nicht zu sagen. Damit muss sich die auf das Akronym Suse – Stuttgart-Ulm schneller erreicht – getaufte Maschine weiter den Spott aus dem Internet gefallen lassen: Dort wird sie schon als „Transuse“gehandelt.

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104 KommentareKommentar schreiben

Suse : ich glaube dass Suse zu schwer ist (1200 Tonnen), Suse versinkt im weichen Untergrund der Fildern aus diesem Grund muss Nachjustiert werden! S21 steht sich selber im Wege!

soweit ich weiß: 2000 tonnen. macht aber bei 100 m länge und ein paar m breite nicht viel je m². ich hab mal was von 4 bis 5 t/m² gelesen. die kann man wenn nötig durch einen geeigneten unterbau noch verkleinern.

Suse: 2000 Tonnen ist Richtig Frau Theissen, warten wir es einmal ab!

Transport der Tübbinge: Die Tübbinge könnten theoretisch sogar bis fast zur Baustelle auf der Schiene gefahren werden. Allerdings hat die SSB das Infrastrukturgleis in Vaihingen abgebaut. Dort gab es nämlich mal einen direkten Übergang von der Güterabfertigung des Bahnhofs zum Netz der SSB. Und da wurden immer die Wagen mit den von Düwag angelieferten Triebwagen abgestellt und entladen. Das mündete kurz unterhalb des Opelhändlers in das Gleis Richtung Wallgraben. Von dort kann man praktisch direkt die Wagen bis zum Fasanenhof fahren. Da dort der Weiterbau zur messe vorgesehen ist, könnte man da das vorziehen und den Abzweig von runden 100m zur Baustelle machen. Einziges Problem: Auf der Stadtbahn müssen die Wagen etwas schmaler sein (2,65m) und evtl darf die Achslast nicht so hoch sein (Stadtbahn hat 14t). zumindest in den betriebspausen könnte man das da fahren. Dann muss halt eine der Lokomotiven der SSB das fahren.

kann sein: Wenn man sauber geplant hätte dann hätte man die Gleise zum Fildertunnel von Wendlingen her zuerst gelegt.

C. Maier: und erst 3 Jahre warten bis diese Strecke fertig wäre? Dachte immer den Gegnern kann´s nicht schnell genug gehen ;)

Zeit war genug: Herr Bacher der relevante Bauabschnitt wurde am 30.04.2008 planfestgestellt.Es waren also mehr als 3 Jahre Zeit zumindest Baugleise zu legen.

C. Maier: Zu dem Zeitpunkt war der Fildertunnel ist ebenfalls bereits planfestgestellt. Ihre Idee, so gut diese im Prinzip ja ist, hätte also den Fildertunnel um weitere drei Jahre verzögert.

Herr Bacher: Wann genau wurde die Tunnelbohrmaschine eingefahren ? Bei guter Planung hätte es zu diesem Zeitpunkt schon Baugleise geben können.

C. Maier: Nun, das behaupten Sie. Ihre "Beweisführung" ist, der Zeitpunkt an dem die jeweiligen Planfeststellungen erteilt wurden. Da der Tunnel ca. drei Jahre vor der Anbindung genehmigt wurde, könnte laut Ihrer "das geht ja alles schnell"-Theorie der Tunnel auch schon fast fertig sein. Und das völlig ohne Gleisanbindung. Ihre Argumente paßen nicht so recht zu Ihren Anschuldigungen. Und schon gar nicht taugen sie als Nachweis einer schlechten Planung.

Optimistische Planung: 2008 war die Planfeststellung, 2009 jedoch wurde erst der Finanzierungsvertrag geschlossen. Danach musste noch die Vergabe sowie die Ausführungsplanung erfolgen. Interessant ist dann aber noch die Streckenführung: Tübbinge sollen also von Wendlingen zum Fasanenhof gebracht werden. Die Strecke führt also auch über den noch nicht genehmigten PFA 2.1, entweder über die Wendlinger Kurve (Tunnel) oder über die Güterzuganbindung mit Kehrtmachen im Albvorlandtunnel. Dann weiter über die gerade erst im Rohbau fertig gestellte Sulzbachtalbrücke, und den noch zu erstellenden Tunnel Denkendorf/A8 (Bauzeit 3 Jahre), am Ende landet man im noch nicht planfestgestellten PFA 1.3. Es ist also zu einfach, der Bauabschnitt wäre 2008 planfestgestellt, dies betrifft ausschlielich den PFA 1.4.

PFA's sind nicht gottgegeben: Zu einer guten Planung gehört es auch die PFA's sinnvoll aufzuteilen und dann die Bauabschnitte in der optimalen Reihenfolge auszuführen und genau daran mangelt es.

Transuse: Die Suse ist halt mal für gut eine Woche gelaufen. Seither wird sie feinjustiert, gestreichelt und es wird mit kosmetischen Schweissnähten an ihr rumgedocktert . Aber irgndwie scheint sie etwas zickig zu sein.

Liebe Kopfbahnhofgegner,: müssten Sie nicht (ggf. auch zähneknirschend) zugeben, dass Ihr heißgeliebter Phantom-Tiefbahnhof, das sogenannte bestgeplanteste Projekt aller Zeiten, nichts anderes als eine riesengroße Lüge war. Sich selbst eingestehen, dass nichts, aber auch gar nichts voran geht, anstatt mantraartig zu wiederholen, dass der Tiefbahnhof ja quasi schon fertiggebaut ist (so geschehen vergangenen Samstag bei einem Infostand!) und die sich häufenden massiven Probleme zu verleugnen. Bitte gestehen Sie sich endlich ein, dass bei Stuttgart 21 schief läuft, was auch nur schief laufen kann, weil das Projekt von Anfang an fehlgeplant wurde. Es ist unser aller Geld, dass mit jedem weiteren Tag, an dem dieser Murks gewaltsam am Leben erhalten wird, sinnlos verschwendet wird. Deshalb ist es unserer aller Aufgabe dieses zerstörerische, milliardenverschlingende Projekt schnellstmöglich dorthin zu verfrachten, wo es längst hingehört: In den Orkus der Geschichte!!!

M. Füller: Wieso sollte man so etwas zugeben? Weil es Ihnen auf einmal nicht schnell genug geht? Es ist doch wohl eher so, dass die Gegner bisher mit allen Zahlen, Klagen und Versuchen das Projekt zu stoppen, gescheitert sind. Müßten Sie das nicht ganz offen zugeben, falls Ihnen etwas an "Transparenz" liegt?

Die Murksskala ist nach oben offen: Auf Grund unerwarterter Verzögerung von TVM Suse scheint der Hersteller der Tübbinge Max Bögl wohl Lagerungsprobleme zu haben und wird seine Produktion deshalb warscheinlich erst mal unterbrechen müssen müssen, weil keine Lagerflächen vorhanden sind. Die Angaben der Vorhabenträgerin in Punkto zeitlichen Bedarfs an Tübbingen sind auf Grund von Fehlplanungen unzuverlässig. Die Bahn musste ihren Urplan, von unten nach oben zu bohren aufgeben, weil sie nicht im Stande ist, den Nesenbachdüker zu bauen, aber auch mit Suse scheinen die Bahnfachleute aus einem bisher nicht bekanntem Grund überfordert zu sein, das einzig Positive an diesem Projekt ist die abschreckende Wirkung, diesen Schwachsinn wird auf der ganzen Welt niemand nachbauen.

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