Stuttgart-Degerloch Stuttgarter nennen Ideen zur Bekämpfung des Klimawandels

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Citymaut? Mehrwegbecher? Mehr Fahrradwege? Beim ersten Klimaschutz-Forum in der Alten Scheuer in Degerloch äußerten Bürger Ideen, wie Stuttgart bis zum Jahr 2050 zur klimaneutralen Stadt werden kann.

Plastik vermeiden, aufs Auto verzichten und Mehrwegbecher: Auf Puzzleteilen konnten Schlagwörter notiert werden. Davon machten auch kleine Besucher Gebrauch. Foto: Julia Bosch
Plastik vermeiden, aufs Auto verzichten und Mehrwegbecher: Auf Puzzleteilen konnten Schlagwörter notiert werden. Davon machten auch kleine Besucher Gebrauch. Foto: Julia Bosch

Degerloch - „Die Konversionswetterlage, die uns in den vergangenen Monaten einen so lange andauernden Feinstaubalarm verschafft hat, kam nicht von ungefähr“, stellte Peter Pätzold, der Stuttgarter Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, gleich zu Beginn klar. „Und wer sich mit Förstern unterhält, der erfährt auch, dass es den Nadelbäumen in unseren heimischen Wäldern in den kommenden 15 bis 20 Jahren zu warm wird.“ Den Klimawandel zu leugnen – wie dies beispielsweise auch Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) tun – sei unvernünftig.

Um dem Klimawandel entgegenzutreten und die Erwärmung der Erde möglichst gering zu halten, hat die Landeshauptstadt Stuttgart den sogenannten „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ aufgesetzt. In diesem Rahmen lädt die Verwaltung zu zwei Bürgerforen ein, bei denen die Stuttgarter Vorschläge diskutieren, wie die Stadt bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden könne.

Das ehrgeizige Ziel lautet: Im Vergleich zum Jahr 1990 soll der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent reduziert werden. Am Montagabend machten die Bewohner der südlichen Stadtbezirke in der Alten Scheuer in Degerloch den Anfang und sprachen über verschiedene Handlungsansätze. Am Mittwoch, 21. Juni, gibt es ein solches Forum auch für die Bewohner der nördlichen Stadtbezirke in Feuerbach.

Sporthalle auf der Waldau ist klimaneutral

Als positives Beispiel nannte Pätzold die geplante neue Sporthalle auf der Waldau, die voraussichtlich im Jahr 2020 in Betrieb gehen soll. Diese soll ihren Strombedarf selbst decken. Ein Mix aus Abwärme aus der an die Halle angebundenen Eiswelt, Geothermie und Fotovoltaik-Elementen auf dem Dach machen dies möglich.

Jürgen Görres, der Leiter des Amts für Umweltschutz, regte an, dass sich die Bürger einige Fragen stellen sollten: Brauchen wir zwei Autos, oder reicht eins? Wie viel Fleisch möchte ich essen – täglich oder lieber ab und an ein richtig gutes Steak? Und wie viel Wohnraum brauche ich? „Im Jahr 1960 lag der Durchschnitt bei 20 Quadratmetern Wohnraum pro Person– heute sind es 45 Quadratmeter pro Person“, sagte Görres. Dazu komme, dass viele Gebäude eine extrem schlechte Energiebilanz hätten – durch undichte Fenster, schlechte Wärmedämmung an der Fassade oder uralte Heizungen.

Mehr als die Hälfte der Stuttgarter besitzt ein Auto

Und auch beim Thema Autos seien die Stuttgarter kein Vorbild: Insgesamt hätten von 1000 Bürgern 559 ein eigenes Auto, was ein Spitzenwert in Deutschlands sei. Besonders prekär sei auch, dass im Durchschnitt die Auslastung eines Pkw im Berufsverkehr lediglich 1,2 Personen betrage. „Da muss sich dringend etwas tun“, so Görres.

Im Anschluss konnten die Bürger an verschiedenen Stationen mit Experten diskutieren, Ideen einbringen sowie Vorschläge machen, an welcher Stelle die Stadt aktiv werden könne. So schlug ein Bürger am Stand Mobilität vor, dass Kleinbusse zwischen Wohngegenden und großen Firmen eingesetzt werden könnten – zum Beispiel zwischen dem einwohnerstarken Stuttgarter Westen und Daimler in Sindelfingen. Ein anderer Stuttgarter wünschte sich eine Citymaut, den Ausbau von Fahrradwegen und flexiblere Arbeitszeiten in Firmen, so dass sich der Berufsverkehr besser verteile.

Keine weiteren Einkaufszentren mehr in der Stadt

Am Stand Konsum schlug eine Bürgerin vor, dass sich die Stadt für Mehrwegbecher stark machen solle. Außerdem sollten sich die Bürger gegen gebündelte Werbung wehren, die mit Plastik umhüllt in die Briefkästen geworfen werden. Ein anderer Vorschlag lautete, dass es nun, nachdem am Dienstag das Dorotheenquartier in der Innenstadt eröffnet hat, keine weiteren Einkaufszentren mehr geben solle. Der Bedarf sei mehr als gedeckt, mahnte der Bürger. Beteiligung
Wer Ideen zum Klimaschutz in Stuttgart einbringen möchte, kann dies beim nächsten Bürgerforum am Mittwoch, 21. Juni, um 18.30 Uhr im Musikzentrum Feuerbach tun. Alternativ kann man Vorschläge auch unter www.stuttgart-meine-stadt.de einreichen.

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