Tagesticket stark verbilligt VVS setzt auf das Geschäft mit Handytickets

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Der Käufer des zehnmillionsten Handytickets erhält vom VVS eine VfB-Eintrittskarte. Aber auch die übrigen Kunden profitieren: Zum Jubiläum gibt es Anfang Mai das Tagesticket übers Handy stark verbilligt.

Heiner Siegloch hat den zehnmillionsten Fahrschein übers Handy gekauft. Foto: Lg/Verena Ecker
Heiner Siegloch hat den zehnmillionsten Fahrschein übers Handy gekauft. Foto: Lg/Verena Ecker

Stuttgart - Der Verkauf von Fahrscheinen über das Mobiltelefon hat sich beim VVS längst als wichtiger Vertriebskanal etabliert. Zehn Millionen Handytickets wurden seit der Einführung im April 2012 verkauft. Zum Jubiläum gibt es für alle Kunden vom 1. bis 5. Mai das Tagesticket übers Handy zu 5 statt 15,30 Euro. „Ein Knallerpreis“, sagt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler, der sicher ist, dass der Vertriebsweg noch an Bedeutung gewinnen wird. Allein dieses Jahr sollen fünf Millionen Handy-Fahrscheine mit 15 Millionen Euro Umsatz verkauft werden.

Der Jubiläumskäufer darf zum VfB

Von dem Jubiläum proftieren mit dem Mai-Angebot nicht nur alle VVS-Kunden, sondern ganz besonders Heiner Siegloch: Der 28-Jährige hat Mitte April das zehnmillionste Handyticket gekauft. Stefanie Haaks, kaufmännische Vorständin der SSB, und Stammler überreichten ihm nun als Jubiläumsgeschenk zwei Eintrittskarten für das Spitzenspiel VfB Stuttgart gegen Union Berlin am Montagabend. Siegloch hat schon mehr als 200 Handytickets gekauft – zweimal in der Woche fährt er bis Geislingen/Steige, aber auch für Fahrten in Stuttgart erwirbt er die Fahrscheine übers Handy. Dafür müsse er nicht am Schalter anstehen und brauche kein Wechselgeld wie am Automaten. „Und wenn ich auf der App schaue, wann der Zug fährt, kann ich gleich das Ticket kaufen“, sagt er. Zudem sind Handytickets preiswerter, es gilt der Rabatt wie beim Viererticket.

Diese Vorteile überzeugen immer mehr Kunden. Seit dem April 2012 wird der Kauf mit dem internetfähigen Mobiltelefon für Einzel- und Tagesfahrscheine angeboten, Ende 2015 wurde das Angebot auf Wochen- und Monatstickets ausgedehnt. Abgewickelt wird der Verkauf über den SSS-Ticketshop, der diese Dienstleistung für die Verkehrsunternehmen erbringt. „Wir sind gewissermaßen der Generalunternehmer“, sagt Haaks. Das Handy sei neben den Fahrkartenautomaten und dem Verkauf beim Busfahrer der wichtigste Vertriebskanal, die SSB verkaufe darüber sogar mehr Fahrscheine als in den Bussen direkt. Stammler: „Das ist kein Nischenprodukt mehr“. Zumal über die VVS-mobil-App auch fast drei Viertel der Fahrplanauskünfte erteilt würden. „Wir werden diese App weiter verbessern, um am Markt erfolgreich zu sein“, sagt Stammler.

E-Ticketing-Markt vor Liberalisierung

Dies sei schon deshalb notwendig, weil der Markt des Ticketverkaufs liberalisiert werde und deshalb auch andere Anbieter über Apps Fahrkarten anbieten könnten, wofür die Verkehrsbetriebe dann Provision bezahlen müssten. „Wir dürfen von diesen Anbietern nicht abhängig werden“, sagt Stammler mit Verweis auf „das Schreckgespenst Hotellerie“, wo zahlreiche Buchungsportale die Branche im Griff haben und hohe Provisionen verlangen. „Der Traffic muss bei uns bleiben, damit wir unsere Vertriebskosten in der Hand haben“, sagt Haaks.

Um die eigene Marke zu stärken, tritt der VVS momentan auch nicht dem neuen Angebot Ticket2Go bei, das auf Basis des von der Bahn eingestellten Systems Touch&Travel funktioniert und seit 1. April von 13 Verbünden in Baden-Württemberg angeboten wird. Im VVS gilt es nur für S-Bahn und Regionalzüge. „Da dieses Angebot gerade für Menschen ohne Tarifkenntnis attraktiv ist, sollte der VVS daran teilnehmen“, fordert Matthias Lieb vom Verkehrsclub Deutschland. Doch für Stammler steht „momentan die Weiterentwicklung unseres eigenen Produkts im Vordergrund“.

VVS-Tickets werden von Mitte Mai an aber auch über den DB-Navigator verkauft werden, das sei „gerade für Kunden von außerhalb attraktiv“, meint er. Wie attraktiv das E-Ticketing ist, erlebt momentan auch das Land, das für das neue Baden-Württemberg-Ticket ein eigenes Lizenzierungsverfahrenen macht, für das sich viele Anbieter interessieren – darunter sind VVS und SSB, aber auch Branchenfremde, die auf einkömmliche Provisionen hoffen.

Naheliegenderes beschäftigt Heiner Siegloch. Der VfB-Fan tippt auf einen 3:1-Sieg am Montag gegen Union Berlin – und dann auf die Rückkehr in die Bundesliga.