VfB Stuttgart Krise ist nicht gleich Krise

Thomas Haid, 08.02.2013 10:38 Uhr

Stuttgart - Es ist wieder mal so weit. Der VfB Stuttgart steckt in der Krise – ein Zustand, mit dem der Club an sich zuletzt ja schon genügend Erfahrungen gesammelt hat. „Diese Talfahrten sind wir inzwischen leider gewöhnt“, sagt der Mittelfeldspieler Martin Harnik (25) deshalb. Bisher ist es der Mannschaft immer gelungen, den freien Fall zu stoppen, woran sich auch jetzt wieder die Hoffnungen knüpfen. „Das ist nichts Neues für uns, sondern etwas, mit dem wir umgehen können“, sagt der Trainer Bruno Labbadia – und Harnik ergänzt: „Es ist ein Vorteil, dass wir uns mit solchen Situationen auskennen.“ Aber ist der aktuelle Absturz auch wirklich vergleichbar mit dem, was in den Jahren zuvor passiert ist?

Der VfB hat nun schon vier Niederlagen nacheinander kassiert – gegen Mainz, Wolfsburg, Bayern und Düsseldorf. Eine schwärzere Serie gab es in der langen Stuttgarter Bundesligageschichte erst dreimal. Den Negativrekord bilden übrigens die sieben Pleiten, die das Team unter dem Trainer Egon Coordes an den letzten sieben Spieltagen der Runde 1986/87 kassierte.

Diese Krise ist anders

Zudem zeigt der Blick zurück, dass sich die herrschende Krise etwas anders darstellt und anfühlt als ihre Vorgängerkrisen seit 2009. Denn bisher sind die Dinge stets in einem früheren Abschnitt der Saison aus dem Ruder gelaufen, als der VfB noch reagieren konnte. So führten die regelmäßigen Herbstdepressionen dazu, dass sich der Club in der Winterpause entweder erheblich verstärkt oder zuvor seinen Trainer ausgetauscht hat. Dadurch konnten die Weichen in der Vorbereitung auf die Rückrunde noch einmal anders gestellt werden. In all diesen Punkten sind dem VfB nun jedoch die Hände gebunden.

Zum einen ist der Transfermarkt geschlossen. Bis zum Sommer sind Korrekturen im Kader nicht mehr möglich. Der Verein hat im Januar zwar nachgebessert und Spieler verpflichtet – aber Federico Macheda (21) und Alexandru Maxim (22) benötigen laut Aussage des Managers Fredi Bobic noch ein bisschen Zeit, um an die Bundesliga herangeführt zu werden. Diese Meinung vertritt auch Labbadia.

Kaum Handlungsmöglichkeit in der Trainerfrage

Mittelfristig sind die Verpflichtungen der beiden Talente vielleicht der richtige Ansatz, doch wenn die Verantwortlichen die kurzfristige Entwicklung schon Anfang Januar 2013 geahnt hätten, wären sie eventuell anders vorgegangen und hätten Spieler geholt, die mit höherer Wahrscheinlichkeit sofort geholfen hätten – wie im Januar 2012 Vedad Ibisevic (28) oder im Januar 2011 Tamasz Hajnal (31) und Shinji Okazaki (26). Es folgte jeweils eine sehr ordentliche zweite Saisonhälfte.

Zum anderen kann der VfB zumindest in den nächsten Wochen auch in der Trainerfrage kaum handeln – selbst wenn er da plötzlich einen akuten Handlungsbedarf erkennen würde. Denn der Vertrag mit Labbadia wurde erst vor einer Woche um zwei Jahre bis 2015 verlängert – was den Spielraum des Vereins jetzt zwangsläufig gewaltig einschränkt. In diesem Konstrukt ist der VfB gefangen, im Gegensatz zu früheren Zeiten, als die Trainerentlassungen von Markus Babbel oder Jens Keller mitentscheidend für die Wende gewesen sind.

Demnach ist Krise nicht gleich Krise. Das heißt nicht, dass es dieses Mal nicht gut gehen kann. Es bedeutet nur, dass heute vieles anders ist als 2009, 2010, 2011 oder 2012. „Wir müssen jetzt gucken, dass wir in die Spur kommen“, sagt Labbadia noch.