VfB Stuttgart Realismus ist Trumpf beim VfB

Von Gregor Preiß 

„Wir sind nicht in Fantasialand“ – Sportchef Michael Reschke hängt die Erwartungshaltung beim VfB Stuttgart vor den verbleibenden Spielen bis zur Winterpause nicht allzu hoch.

VfB-Trainer Hannes Wolf (li.), Manager Michael Reschke: Träumen sollen andere. Foto: Baumann
VfB-Trainer Hannes Wolf (li.), Manager Michael Reschke: Träumen sollen andere. Foto: Baumann

Stuttgart - Die 1:3-Niederlage aus Hamburg ist verdaut, der Ärger über den Videoschiedsrichter verraucht. Auch wenn es die Kicker mit dem roten Brustring natürlich immer noch wurmt, ohne Zählbares aus dem hohen Norden heimgekehrt zu sein. Wenigstens ein Pünktchen hätte der Bilanz des VfB Stuttgart gut zu Gesicht gestanden. So aber bleibt es bei 13 Punkten aus elf Spielen.

Gerade so ausreichend, rechnet man den bisherigen Punkteschnitt (1,18) auf die gesamte Spielzeit hoch. Dann käme der Aufsteiger auf jene 40 Zähler, die am Ende gemeinhin für den Klassenverbleib in der Bundesliga reichen. Mit 40 Punkten ist noch keine Mannschaft abgestiegen. Auch wenn angesichts der vermeintlichen Ausgeglichenheit der Liga im Mai 2018 sicher mehr Punkte benötigt werden als in den Vorjahren. Auf alle Fälle mehr als die 32, mit denen sich der VfB am Ende der Saison 2013/14 auf Platz 15 rettete (und der Hamburger SV mit 27 in die Relegation).

Mit Blick auf die restlichen sechs Spiele bis zur Winterpause hat nun Sportvorstand Michael Reschke den Rechenschieber ausgepackt. „Wenn wir sechs Punkte holen, wäre das top“, findet Reschke. Mehr als sechs sogar „richtig klasse“.

Sechs Punkte aus sechs Spielen

Sechs Punkte aus sechs Spielen. Top? Klasse? So mancher VfB-Fan wird nun die Stirn runzeln und dagegenhalten: Darf’s nicht ein bisschen mehr sein?

Zur Erinnerung: der VfB trifft bis zur Winterpause noch auf Borussia Dortmund (14. November/20.30 Uhr). Danach folgen zwei Auswärtsspiele in Hannover und Bremen, ehe die Partien gegen Bayer Leverkusen (zu Hause), 1899 Hoffenheim (auswärts) und das Heimspiel gegen den FC Bayern München auf dem Programm stehen.

Zwei Siege sind da eine durchaus realistische (Selbst-)Einschätzung. Die Frage ist nur, ob sie – ausgesprochen vom Sportchef – auch als Mutmacher für die Mannschaft dient. Reschke verteidigt seine konservative Kalkulation: „Wir sind nicht in Phantasialand. 13 Punkte sind eine gute Bilanz. Wir dürfen nicht vergessen, woher wir kommen und dass wir bislang für jeden gewonnenen Punkt einen hohen Aufwand leisten mussten.“ Das Restprogramm habe es nun mal in sich. Dass der VfB in den Heimspielen gegen den BVB, Leverkusen und die Bayern Außenseiter sei, steht für den Sportvorstand außer Frage. „Oder soll ich mich hinstellen und sagen, wir holen da neun Punkte?“ Auch Hoffenheim sieht der 60-Jährige seine Mannschaft nicht im Sturm erobern. Die Truppe von Julian Nagelsmann hat Reschke beim jüngsten Auftritt gegen den 1. FC Köln schwer beeindruckt: „Mein lieber Schwan!“ Bleiben Hannover und Bremen – zwei Teams auf Augenhöhe mit dem VfB. So viel zur Sechs-Punkte-Rechnung.

Geht nicht noch ein bisschen mehr?

Nun könnte man sagen: Reschke bleibt seiner Linie treu. Als Realist. Als Tiefstapler. Vielleicht sogar als Zweckpessimist. Als die Fans nach dem ordentlichen Saisonstart schon von Platz acht träumten, gab Reschke die Spaßbremse: „Platz 15 am Ende würde ich sofort unterschreiben.“ Vor dem Heimspiel gegen den Tabellenletzten aus Köln bekannte er offen, selten vor einem Spiel solche Bauchschmerzen gehabt zu haben. „Wir halten lieber den Ball flach“, argumentiert Reschke, der nach fast 40 Jahren das Geschäft ganz gut zu kennen glaubt. Der VfB sei nicht mehr der VfB wie vor 20 Jahren. Auch wenn das vielleicht noch nicht bei jedem angekommen ist. Dass er mit seiner Erwartungshaltung bei der Mannschaft den falschen Nerv treffen und ihr ein Alibi für weitere Niederlagen liefern könnte, hält der Manager für Quatsch. „Wer so etwas glaubt, schätzt unsere Spieler falsch ein. Die Mannschaft ist nicht 0,1 Prozent weniger motiviert, weil ich so etwas sage.“

Und doch lässt sich der Eindruck nicht ganz zerstreuen: Da geht doch noch was! Ein bisschen mehr als das bisher Gezeigte. Ein bisschen mehr Aufmüpfigkeit. Mit der Euphorie eines Aufsteigers, junge Truppe, Sturm und Drang! Gerade auswärts war davon bislang noch nicht viel zu sehen. Weil nach eigenem Befinden entweder die Gegner zu stark waren (Hertha BSC, Schalke 04, Borussia Mönchengladbach, RB Leipzig), es blöd lief (Eintracht Frankfurt) oder richtig blöd lief (Hamburger SV). Die Frage, ob mehr Mut nicht auch mehr Punkte bringt, hat Trainer Hannes Wolf mehrfach mit einem klaren Nein beantwortet.

Was fehlt, ist ein Erfolgserlebnis gegen einen vermeintlich stärkeren Gegner. Bonuspunkte im Kampf gegen den Abstieg. Warum nicht schon gegen Borussia Dortmund? Reschke bleibt sich treu: „Wenn wir mit 19 Punkten in die Winterpause gehen“, rechnet er vor, „wären wir voll im Soll.“

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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