Wohnungsbau in der Region Stuttgart Sozialwohnung hier, Reihenhäuschen da

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In Stuttgart werden auch bei privaten Wohnbauprojekten Sozialwohnungen gebaut. Im Umland hingegen gibt es in diesem Bereich kaum ernsthafte Anstrengungen. Die Zahl der Wohnungssuchenden ist allerdings hoch.

In Stuttgart müssen bei privaten Projekten auch Sozialwohnungen gebaut werden  – wie hier beim Villengarten im Norden Foto: Lg/Achim Zweygarth
In Stuttgart müssen bei privaten Projekten auch Sozialwohnungen gebaut werden – wie hier beim Villengarten im NordenFoto: Lg/Achim Zweygarth

Stuttgart - In Stuttgart herrscht Wohnungsnot. Darüber wird kaum noch gestritten. Doch wie sieht es im Umland aus? Einen zentralen Überblick über den Bestand geförderter Wohnungen oder die Zahl der Wohnungssuchenden gibt es nicht. Wertet man aber die Daten der Großen Kreisstädte der Region aus, ­ergibt sich ein erschreckendes Bild.

In der Landeshauptstadt sind aktuell 3679 Haushalte in der sogenannten Vormerkdatei eingetragen. Dabei handelt es sich um Menschen, die finanziell nicht in der Lage sind, sich auf dem freien Markt eine Wohnung zu mieten. Demgegenüber stehen 21 975 geförderte oder städtische Wohnungen – davon allein 15 672 Sozialwohnungen. In sämtlichen Großen Kreisstädten, also in den Kommunen mit mehr als 20 000 Einwohnern, in der Region, gibt es hingegen insgesamt 4507 Einträge in den Vormerkdateien. Demgegenüber stehen in diesen Städten jedoch lediglich 7405 Wohnungen unter dem Oberbegriff geförderte Wohneinheit.

4507 Menschen auf Wohnungssuche

Die Zahl der echten Sozialwohnungen liegt dabei noch deutlich unter dem Wert von 7405, da in den kleineren Kommunen beispielsweise subventionierte Seniorenwohnungen zu den geförderten Wohneinheiten hinzugerechnet werden. Auch die Zahl der bedürftigen Menschen auf Wohnungssuche dürfte deutlich höher liegen, als es die 4507 Einträge in den Vormerkdateien vermuten lassen. Einige große Städte wie Sindelfingen oder Winnenden führen gar keine entsprechende Datei – ­andere Städte machen dazu schlicht keine Angaben.

Das ist nur ein Indiz dafür, wie weit der Weg zu einer regionalen Lösung des Wohnungsproblems tatsächlich noch ist. Denn ein weiterer Faktor kommt erschwerend hinzu. Während der geförderte Wohnungsbau in Stuttgart lange Jahre brachlag, ist inzwischen eine gewisse Aktivität erkennbar. Im vergangenen Jahr wurden aus Stuttgart immerhin Mittel für den Bau von 379 geförderten Mietwohnungen beim Land beantragt – darunter 278 reine Sozialwohnungen. Hinzu kommen Anträge für 42 Eigentumsförderungen. Damit liegt die Stadt zwar noch immer unter dem von OB Fritz Kuhn (Grüne) ausgegebenen Ziel von 600 geförderten Wohneinheiten inklusive 300 Sozialwohnungen pro Jahr, doch im Vergleich zu den Vorjahren ist ein Aufwärtstrend erkennbar. Zum Vergleich: 2014 wurden 14 Sozialwohnungen gebaut.

Kaum ernsthafte Anstrengungen in der Region

Im Umland sieht es auf dem Immobilienmarkt hingegen völlig anders aus: In kaum einer Kommune außerhalb Stuttgarts gibt es derzeit ernsthafte Anstrengungen, günstige Mietwohnungen zu errichten. Die Analyse des Stuttgarter OB fällt daher ernüchternd aus. Es könne nicht weiterhin so bleiben, dass nur in Stuttgart Sozialwohnungen gebaut würden, während im Umland allein Einfamilienhäuser entstehen, sagte Kuhn vor Kurzem.

Fragt man in den Großen Kreisstädten der Region nach aktuellen Bauvorhaben, bei denen der geförderte Wohnungsbau eine Rolle spielt, bewegen sich die Antworten in aller Regel auf der Ebene der Willensbekundungen – potenzielle Baugebiete müssten zunächst ermittelt werden, Klausurtagungen seien geplant, es werde über Projekte nachgedacht, man prüfe die Möglichkeiten, heißt es immer wieder.

Fakt ist, der entscheidende Teil der Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau fließt im gesamten Südwesten über die Darlehen der L-Bank. Von 2011 bis 2015 wurden in der Region lediglich Anträge für den Bau von 456 Mietwohnungen bewilligt.

Der Regionalverband hat keinen Überblick

Der Leitende Technischer Direktor des Regionalverbands, Thomas Kiwitt, beurteilt die Situation so: „Es ist ein Problem, dass es nicht einmal eine gemeinsame Erfassung des geförderten Wohnungsbestandes gibt.“ Das Potenzial an möglichen Bauflächen sei allerdings vorhanden, sagt Kiwitt. Vorgaben analog zum Stuttgarter Innenentwicklungsmodell SIM, bei dem feste Quoten für geförderte Wohneinheiten auch bei privaten Neubauprojekten vorgegeben werden, gibt es in der Region nicht. „Für das Baurecht sind allein die Gemeinden zuständig, da können wir mit der Regionalplanung nichts ausrichten“, erklärt der Verbandsdirektor.

Der Vorsitzende des Regionalverbands, Thomas Bopp (CDU), sagt: „Über den sozialen Wohnungsbau wird mit den Kommunen derzeit gesprochen.“ Bopp verweist zudem auf die 41 Siedlungsschwerpunkte, die die Region entlang der S-Bahn-Linien ausgewiesen habe. Dort gebe es zusätzlichen Platz für 110 000 Menschen. „Wir können zwar nicht festlegen, für wen dort gebaut wird, wir können aber Vorgaben zur Dichte der Bebauung machen“, sagt er. Dass die Kommunen auf ihren Bauplätzen am liebsten Einfamilienhäuser sehen, sei zwar nachvollziehbar. „Aber wir wollen einer dichteren Bebauung den Schrecken nehmen“, sagt Bopp. Und: Appelle wie die des Stuttgarter OB, die Kommunen der Region mögen sich im geförderten Wohnungsbau endlich anstrengen, mache der Regionalverband schon seit Jahren.

Fritz Kuhn erklärt: „Wir können nicht die gesamte Belastung im geförderten Wohnungsbau allein tragen.“ Er setzte daher auf den Dialog mit seinen Amtskollegen in der Region und auf die Arbeit des Regionalverbands. Die im vergangenen Jahr beantragten Sozialwohnungen sollen im Übrigen bis 2018 fertig gestellt werden.

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Clevere Umlandgemeinden: Wer Wohnungen für bedürftige Menschen baut, schadet den finanziellen Interessen seiner Gemeinde. Das ist weit mehr als nur die Kosten für das Bauen. Geringes Einkommen der Bewohner heißt auch geringe Kaufkraft und geringere Zuweisungen aus dem Steuertopf, die zT nach der Lohnsteuersumme berechnet werden. Geht ein geringes Einkommen mit einer höheren Kinderzahl einher, muss man auch noch für mehr Kitas und Schulen sorgen. Die Gemeinden werden für ihr Engagement in Sachen Wohnungsbau wirklich nicht belohnt.

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